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Verkehr ist Physik

Mit dem Themenheft „Projekt Verkehr“ zum Schulbuch „Physik compact“ ist es gelungen, die gesamte Verkehrserziehung mit einer physikalischen Grundlage zu erklären. Haimo Tentschert, einer der Autoren, erklärt den pädagogischen Ansatz.

Interview: Thomas Aistleitner

Tentschert im Klassenzimmer

netzwerk-verkehrserziehung.at: Ein Physikbuch für die Verkehrserziehung oder ein Verkehrsbuch für den Physikunterricht. Wie ist es dazu gekommen?
Haimo Tentschert: Unser Projekt entstand aus der Idee, ein knappes Physikbuch für die Oberstufe zu schreiben, das aber mit Themenheften für die verschiedenen Schultypen oder Unterrichtsschwerpunkte erweitert werden konnte. So haben wir „Physik-compact“ ins Leben gerufen und als eines der Erweiterungshefte „Projekt Verkehr“. Dieses Heft ist bein Band 1 von "Physik-compact" dabei, kann aber
auch einzeln bezogen werden.

Warum wird Physik mit Verkehrserziehung verbunden?
Mein Co-Autor Hansjörg Kunze hatte diese Idee schon lange gehabt, Physik und Verkehrserziehung unter einen Hut zu bringen. So ist das Heft entstanden. Und es gibt viele Anknüpfungspunkte. Wenn ich in einer 6. Klasse die Mechanik durchnehme, mache ich das mit Beispielen aus der Verkehrserziehung. Ein Mopedfahrer ist den Schülern einfach näher als ein verirrter Massepunkt.

Kann man auf dieser Art auch in der Verkehrserziehung etwas erreichen?
Ja, wir sprechen auch über Unfallstatistiken, wenn ich einen Schüler dazu bringe, dass er darüber nachdenkt, dass und wie ein Unfall verhütet werden kann, dann habe ich meinen Job erfüllt.

Haben die Schülerinnen und Schüler eine Ahnung, welche Kräfte im Straßenverkehr frei werden, oder ist das für sie neu, wenn sie es in der 6. Klasse hören?
Für viele ist das schon neu. Wir interpretieren das gemeinsam anhand von Zeitungsmeldungen: Wann ist man zu schnell? Man kann auf einer Eisplatte mit 30 km/h zu schnell sein, während man auf einer leeren Autobahn auch mit 150 km/h nicht zu schnell sein kann – vorausgesetzt, man ist in Deutschland unterwegs, wo das erlaubt ist. Man kann mit ABS und Allrad fahren, aber man kann die Physik nicht überlisten – darum geht es dann im Unterricht.

Sie arbeiten im Physikunterricht mit Zeitungsartikeln?
Ja, und nicht nur in der Verkehrserziehung. Da gab es einen ganz kleinen Artikel: „Experten exhumierten die Leiche von Tycho Brahe“. Dann besprechen wir, wer das war und was er entdeckt hat. Auch Artikel über das CERN in Genf sind immer wieder Anknüpfungspunkte.

Was für Aspekte der Verkehrserziehung kommen in dem Heft noch vor?
Wir sind das einzige Werk, das die gesamte Verkehrserziehung physikalisch erklärt – dafür haben wir auch einen Preis vom Kuratorium für Verkehrssicherheit bekommen. Ein gutes Beispiel finden Sie auf Seite 8, wo es um Zeitersparnis geht. Und man sieht: Schneller fahren bringt gar nicht viel Zeitersparnis, der Unterschied auf der Zeitachse ist sehr gering. Zwei weitere sehr wichtige Punkte sind die Problematik der Anhalte- und Überholstrecke sowie das Fahren in der Kurve.

21.2.2011