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Managen wir unsere Mobilität

Von Michael Achleitner

Die zunehmende Motorisierung bewirkt, dass Straßen und Parkplätze den weitaus meisten Platz des öffentlichen Raums einnehmen. Spielplätze und verkehrsfreie Zonen, wo Kinder Platz zum Spielen oder Radfahren finden, sind heutzutage Mangelware. Auf das hohe Verkehrsaufkommen wird meist mit dem Bau noch breiterer Straßen reagiert, die noch höhere Geschwindigkeiten zulassen, noch weniger Platz für verkehrsfreie Zonen bieten und somit ein noch höheres Sicherheitsrisiko für Kinder und Jugendliche darstellen.

Bub wartet an einer Verkehrsampel

Eltern leisten „Taxi-Dienste“

Die Folge dieser Erscheinung ist, dass Kinder zunehmend weniger selbstständig unterwegs sind. Durchschnittlich werden in Österreich 42 Minuten pro Tag darauf verwendet, Kinder mit dem Auto von A nach B zu bringen, weil viele Eltern glauben, dass ihre Kinder damit sicherer „unterwegs“ sind. Sie vergessen dabei aber, dass durch die vermehrte Autonutzung wiederum andere Kinder, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, stärker gefährdet werden und den eigenen Kindern durch die Transportdienste wichtige eigenständige Verkehrserfahrungen fehlen. So fällt es Kindern heute zunehmend schwer, schwierige Situationen im Straßenverkehr geschickt zu meistern. Wenn Kinder nicht lernen, ihren Schulweg selbständig zurückzulegen, sind sie auch in ihrer Freizeit (Weg in die Musikstunde oder zu Freunden) auf die Begleitung der Eltern angewiesen. Im Straßenverkehr erfahrene Kinder sind sicherer unterwegs!

Schulisches Mobilitätsmanagement

Schulisches Mobilitätsmanagement versucht, Mobilität zu ermöglichen, aber zugleich die Belastungen durch den entstehenden Verkehr zu verringern. Schulumfeldanalysen und Lehrausgänge vor Ort geben den Kindern das Gefühl, nicht ohnmächtig dem Verkehr ausgesetzt zu sein, sondern stärken sie in ihrer Handlungsfähigkeit.

Schulisches Mobilitätsmanagement bezieht die Schulleitung, LehrerInnen, SchülerInnen und auch Eltern in den Problemlösungsprozess mit ein. Es geht vor allem um den guten Willen, größere Investitionen sind nämlich nicht notwendig. Vor allem Beratung und Koordination sind für den Erfolg entscheidend. Etwa die Koordination von Schulbeginnzeiten mit den Fahrplänen des Öffentlichen Verkehrs, die Bewirtschaftung schuleigener Parkplätze, Fahrradabstellanlagen, ein zusätzlicher Zugang ins Schulgelände für kurze Fußwege oder verbesserte Regelungen für Halten und Parken auf Straßen im Schulumfeld.

Mehrere Ziele

Schulisches Mobilitätsmanagement bringt:

  • bessere physische und psychische Leistungsfähigkeit der SchülerInnen durch mehr Bewegung
  • Erhöhung der Verkehrssicherheit
  • Umwelt- und Klimaschutz durch geringeren Ausstoß von Luftschadstoffen und weniger Lärmbelastung
  • lebensbezogenes, anschauliches Lernen, eigenständige Mobilität im Schulalltag


Was das Mobilitätsmanagement erreichen will ist vor allem eine selbstständige, unbegleitete Teilnahme der Kinder im realen Verkehrsgeschehen, die Erhöhung der Verkehrssicherheit und die langfristige Sensibilisierung für umweltfreundliche Mobilitätsarten.


13. September 2010