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Fahrschule mit Apps und Videos

 

Ein neues Fahrschul-Lehrbuch bringt als Ergänzung Videos und Animationen, die standortunabhängig auf Smartphones aber auch am PC geladen werden können. Verleger Reinhard Lauterbauch im Interview über „Grundschulung B“ und die Funktion der QR-Codes.

Interview: Thomas Aistleitner

Screenshot aus dem App

Herr Lauterbach, wie kam es zum Buch „Grundschulung B“? 
Reinhard Lauterbach: Es ist ein zur Gänze neu aufgesetztes Lehrbuch, das sich am heutigen Sprachgebrauch und an heutigen Lernmethoden orientiert.

Was kann man darunter verstehen?
Früher hat man darauf Wert gelegt, Sachverhalte sehr ausführlich zu erklären. Heute wird eher auf Kürze geachtet, dafür sollten die Inhalte nicht nur in gedruckter (Buch-)Form angeboten werden. Gerade seit der Einführung der schriftlichen Computerprüfung bei der Fahrprüfung wollen viele Fahrschüler nicht mehr mit dem Buch lernen.

Wie lösen Sie diese Anforderungen in „Grundschulung B“?
Wir wollen dem Fahrschulbuch einen neuen Stellenwert geben. Mit diesem Buch können die Fahrschülerinnen und Fahrschüler auf ihrem Handy Lehrfilme abrufen, wo auch immer sie sich befinden, und sie auch ansehen. Dafür reicht es, mit der Handykamera die QR-Codes in den Büchern auszulesen oder einen Zahlencode einzugeben.

Funktioniert das mit allen Handys und auch am PC?
Wir bieten zwei kostenlose Apps an, eine für iPhone und iPod-Touch, und eine für Android-Geräte. Alternativ kann man sich die Inhalte auch auf einer Website ansehen. 

Was für Inhalte kann man auf diese Weise aktivieren und ansehen?
Es sind Inhalte, die das Buch erläutern und erweitern. In insgesamt 140 Videos und Animationen werden z.B. der Anhalteweg, das Auflösen von Vorrangsituationen und animierte Kreuzungen gezeigt.

Für wen eignet sich das Buch?
Für alle Fahrschüler in Österreich und im deutschsprachigen Raum. In Deutschland ist das Buch schon länger erhältlich und wird sehr gut angenommen.

Wird die Qualität der Fahrausbildung durch solche Konzepte verbessert?
Es ist ein Unterschied, ob ich einen Anhalteweg oder eine Kreuzungssituation statisch oder in bewegten Bildern zeige. Andererseits müsste wirklich mehr für die Praxis gemacht werden. Österreich ist eines der Länder mit den wenigsten gesetzlich vorgeschriebenen Fahrstunden. Bei uns sind nur zwölf Fahrstunden verpflichtend, das ist in Europa unteres Drittel. Man versucht aber jetzt, die Praxis aufzuwerten.

Lernt man in der Fahrschule auch genug über die Bedürfnisse von Fußgängern?
Ich sehe für die Fußgänger eine Reihe von neuen Herausforderungen. Die nahe Zukunft bringt uns Elektroautos, die man kaum mehr hören wird. Das ist eine große Unfallgefahr. Die Verbreitung der Elektrofahrräder hat schon begonnen. Mit einem E-Bike kann ich 45 km/h fahren, und das praktisch lautlos. Das bedeutet einerseits Gefahren bei einer Vollbremsung für den Biker, andererseits wiederum Gefahren für die Fußgänger. Das sind die Herausforderungen der Zukunft, denn die Verkehrstoten in Europa sind seit Jahren rückläufig, gleichzeitig steigt die Zahl der Verletzten. Das Ziel muss lauten, Unfälle mit Fußgängern und Radfahrern zu minimieren. 

Sollte man den Verkehr nicht beruhigen und reduzieren, anstatt ihn nur technologisch aufzurüsten?
Man kann Verkehr immer beruhigen, sogar stoppen. Man muss sich aber die Auswirkungen überlegen. In verkehrsberuhigten Zonen stehen sehr oft die Geschäfte leer, wenn es keine Parkplätze in der Nähe gibt.

Es gibt die Idee, Tempo 30 in allen Wohngebieten Wiens einzuführen, für manche sollte auch der Gürtel und die Durchzugsstraßen einbezogen werden. 
Für Wohngebiete finde ich das sinnvoll, für den Durchzugsverkehr kann ich es mir nicht vorstellen. Was will man damit erreichen? Ich kann den Handels- und Durchzugsverkehr in einer Stadt wie Wien nicht vollständig eliminieren. Im übrigen gibt es genug Tageszeiten, wo der Verkehr am Wiener Gürtel Tempo 30 ganz von selbst und ohne Kontrolle einhält, wenn er nicht überhaupt stillsteht ...


25. Juni 2012