„Die Unfälle wurden weniger“

Seit dem Start des Mopedworkshops im Pongau und Lungau sind die Mopedunfälle zurückgegangen, berichtet der Organisator Walter Sulzberger.

Das Interview wurde geführt von Thomas Aistleitner.

Mopedworkshop

Herr Direktor, es gibt zahlreiche Auflagen, bevor Jugendliche Moped fahren dürfen. Was hat Sie auf die Idee gebracht, einen Mopedworkshop an den Polytechnischen Schulen anzubieten?
Walter Sulzberger: Die Idee ist nicht neu, sondern ich habe bei einer Fortbildung in der Steiermark von einem ähnlichen Workshop erfahren und das Konzept für Salzburg adaptiert. Persönlich ist mir das Thema ein großes Anliegen: Als Sanitäter und Abteilungskommandant der Rotkreuz-Dienststelle Schwarzach sehe ich hautnah, was auf den Straßen los ist.

Wie haben Sie das Projekt aufgesetzt?
Ich habe PartnerInnen gesucht und gefunden: die Polizei, das Kuratorium für Verkehrssicherheit und die örtliche Fahrschule Zaunschirm. Im Projekt „Close to“ kommen UnfalllenkerInnen in die Schule und erzählen, welche Folgen ein selbst verschuldeter Unfall haben kann. Es hat mir sehr gefallen, dass alle Institutionen, die ich kontaktiert habe, sofort zugesagt haben.

Wie viele Jugendliche nehmen an dem Workshop teil?

Bei uns im Pongau und Lungau machen jährlich 120 Buben und Mädchen diese Ausbildung.

Funktioniert dieses Projekt nur aufgrund Ihres persönlichen Einsatzes in Ihrer Schule oder könnte es auch anderswo eingeführt werden?
Wenn die Kontakte vorhanden sind, könnte man das Projekt eins zu eins übernehmen. Wir haben vor zwei Jahren im Pongau begonnen. Mittlerweile ist der Lungau dazugekommen, und jetzt arbeiten wir gerade daran, den Workshop auch im Pinzgau anzubieten. Die nötigen Zusagen gibt es schon – nur die Finanzierung des Projekts „Close to“ ist nicht so einfach. Doch die Abteilung für Verkehrserziehung im Landesschulrat für Salzburg mit Astrid Leitner und Landesschulinspektor Mag. Josef Thurner unterstützen uns bei den Kosten. Wir haben hier wirklich eine ausgezeichnete Zusammenarbeit.

Was versprechen Sie sich vom Mopedworkshop?

Ich erwarte mir eine Bewusstseinsänderung der jungen VerkehrsteilnehmerInnen, dass sie verantwortlich sind für ihr Tun. Die meisten haben noch nicht das richtige Bewusstsein, wenn sie den Workshop beginnen und sich an den Mopedsimulator setzen.

Kommen die Jugendlichen als bessere Mopedfahrer aus dem Workshop heraus?
Ja, ich würde das so sagen. Und nicht nur ich, vor allem die Schülerinnen und Schüler sagen mir, dass sie gelernt haben, wie viel von ihrer eigenen Verantwortung abhängt.

Eine offene Frage an Sie als Schuldirektor und Sanitäter: Sind Sie glücklich damit, dass Jugendliche schon mit 15 Jahren Moped fahren dürfen? Sind viele nicht einfach zu jung, zu wenig verantwortungsbewusst und zu risikobereit dafür?
Überhaupt nicht, denn die Senkung des Mindestalters war ja mit Begleitmaßnahmen verbunden, zum Beispiel die psychologischen Tests. Aber gäbe es diese Maßnahmen nicht, hätte ich ein Problem.

Sind Sie im Pongau mit vielen Zweiradunfällen konfrontiert?
Mopedunfälle mit tödlichen Folgen sehen wir in ganz Österreich. Hier bei uns wird die Situation verschärft, weil es mit St. Johann-Wagrain und Bischofshofen-Mühlbach zwei kurvige, anspruchsvolle Straßen gibt, die von ZweiradfahrerInnen gerne als „Teststrecken“ genutzt werden. Wir hatten jedes Jahr mindestens einen tödlichen, selbstverschuldeten, Mopedunfall.

Sind die Unfalllenker eher Buben oder Mädchen?
Es waren bisher ausnahmslos Burschen, die Mopedunfälle verschuldet haben.

Hat sich diese Bilanz durch den Mopedworkshop verändert?
Ich kann sagen, dass die Unfälle seither weniger geworden sind und kein schwerer Unfall von einem Seminarteilnehmer oder einer Seminarteilnehmerin verursacht wurde. Das ist noch kein Beweis und keine Statistik, aber es ist ein deutlicher Hinweis und kein Zufall.


28. November 2011