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„Verkehrswissen ist überlebenswichtig!“

Volksschulkinder brauchen Verkehrserziehung – nicht nur vonseiten der Eltern, sagt der Salzburger Volksschullehrer und Verkehrserzieher Raimund Görtler. Ein Faktum, dem der Volksschullehrplan Rechnung trägt, was die Verkehrserziehung bei den Lehrenden aber nicht unbedingt beliebter macht.

Interview: Thomas Aistleitner

Herr Görtler bei der Verkehrserziehung

Herr Görtler, wie sind Sie zur Verkehrserziehung gekommen?
Durch Zufall: Einer der zuständigen Multiplikatoren ist ausgefallen, und der Bezirksschulinspektor ist an mich herangetreten. Es ging damals wie heute darum,  auch Filme zur Verkehrserziehung herzustellen. Das war vor rund zehn Jahren.

Sie haben zur Verkehrserziehung Bücher geschrieben.
Auch hier bin ich angesprochen worden. Ich habe schon vorher Kinderbücher geschrieben, und beim Verlag hat man erfahren, dass ich mich in der Verkehrserziehung auskenne. So entstand „Brumml darf mit“.

Welchen Stellenwert hat die Verkehrserziehung in der Volksschule?
Leider keinen besonders hohen – ich vergleiche sie immer mit der Sexualerziehung. Beide Bereiche werden von Lehrerinnen und Lehrern nicht besonders gerne behandelt. Ich führe das darauf zurück, dass dabei die eigenen Unzulänglichkeiten auffallen könnten - dass man etwas lehrt, das man selbst nicht vertritt. Die Verkehrserziehung hatte früher einen höheren Stellenwert. Heute wird sie, zumindest in Salzburg an der Pädagogischen Hochschule, nicht mehr unterrichtet. Das bedeutet: Obwohl im Rahmen des Sachunterrichts zehn Einheiten für Verkehrserziehung vorgesehen sind, gibt es keine Grundausbildung.

Was sollten Volksschulkinder über Verkehr wissen?
Verkehrswissen und damit Verkehrserziehung sind überlebenswichtig.

Lernen Kinder das Verhalten im Straßenverkehr nicht auch zu Hause bei den Eltern?
Sie lernen es sehr differenziert. Sie lernen einerseits, wie man sicher über die Straße geht. Sie lernen aber auch, dass es ganz normal ist, wenn sie im Auto sitzen und die Eltern zu schnell fahren, einen Zebrastreifen ignorieren, ….  Das ergibt Widersprüche, die sie erst auflösen müssen.

Wie kann man sie auflösen?
Man zeigt sie auf und erkennt sie als durchaus menschlich. Das Leben besteht aus vielen Fehlern. Es ist wichtig, sie zu erkennen und ihre möglichen Auswirkungen zu begreifen. Kinder sitzen heute viel mehr im Auto als noch vor 30 Jahren. Sie werden beispielsweise  mit dem Auto zur Schule gebracht und dadurch unsicherer, nehmen sie einmal zu Fuß am Straßenverkehrsgeschehen teil. Lehrer eignen sich in dieser Hinsicht oft nicht als Vorbilder, weil sie, auch aufgrund der Summe an Unterrichtsmaterialien, die sie transportieren, selten auf das eigene Fahrzeug verzichten. Dabei sollte es im Unterricht Thema sein, dass unsere Mobilität Grenzen hat und dass unsere Kinder und Kindeskinder in ihrem Leben vielleicht eine andere Mobilität lernen werden müssen – eingeschränkter, mit mehr Mut zur Improvisation.

Was kann man tun?
Verkehrserziehung in der Schule wird an sich von Kindern gerne angenommen. Wenn man sie mit den richtigen Unterlagen probieren und entdecken lässt, zum Beispiel mit der Verkehrserziehungsmappe für Volksschulen, „Carmen, Pablo und Paffi“, dann kommen sie auf einfache Erkenntnisse und kreative Ideen. Und man merkt, dass Kinder sehr viel Grundwissen besitzen, dass sie nur noch einsetzen und vernetzen müssen.

Woran arbeiten Sie gerade?
Wir erstellen für das bmukk gerade Unterrichtsmaterialien für die Hauptschulen. Es soll verkehrserzieherisch, aber auch in Supplierstunden einsetzbar sein und das soziale Lernen unterstützen.

4. April 2011