Verkehr selbst erfahren

Von Thomas Aistleitner

Schon kleine Kinder können das Verhalten im Verkehr lernen – am besten aus eigenen Erfahrungen. ÖAMTC und AUVA bieten dafür Programme für Schulklassen. Interview mit Walter Stern, Leiter der ÖAMTC-Verkehrserziehung.

Kinder in Miniaturauto

netzwerk-verkehrserziehung.at: Warum engagiert sich der ÖAMTC in der Verkehrserziehung?
Walter Stern: Wir wollen die Kinder vor Unfällen bewahren und Ihnen Wissen und Kompetenz für den Straßenverkehr mitgeben. Deshalb haben wir zusammen mit der AUVA Verkehrssicherheitsprogramme entwickelt, die wir den Bezirks- und Landesschulräten anbieten. Nach dem Motto „Lernen durch Erleben“ werden bei den österreichweit durchgeführten Aktionen von ÖAMTC und AUVA Kinder und Jugendliche aktiv, spielerisch und ohne erhobenen Zeigefinger die Gefahren des Straßenverkehrs vor Augen geführt.

Was lernen Kinder in diesen Programmen?
Für die 1. und 2. Schulstufe ist das Programm „Blick und Klick“ vorgesehen. BLICK steht für sehen und gesehen werden. KLICK für das richtige Anschnallen im Auto. Wir üben mit den Kindern das richtige Überqueren von Fahrbahnen mit und ohne Zebrastreifen. Ebenso trainieren wir mit den Kleinsten das richtige Verhalten an ampelgeregelten Kreuzungen. Ein großes Augemerk legen wir auf die Kindersicherung im Auto.

Wie läuft das Programm ab?
Eine Einheit dauert 75 Minuten. Mittels mitgebrachtem Equipment (Zebrastreifen, Ampel u. Elektroauto) wird der Turnsaal zu einer Straße umgebaut. Die Kinder lernen spielerisch das richtige Verhalten im Straßenverkehr. Ein Beispiel: Auch wenn meine Ampel grün leuchtet, bleiben nicht alle Autos stehen, sondern ich muss mich selbst überzeugen, ob die Straße frei ist. In einem Elektroauto dürfen Kinder am Rücksitz gesichert mitfahren. Am Beifahrersitz sitzt eine Puppe, die nicht angeschnallt ist und bei einer Bremsung immer wieder nach vorne fällt. Wir fragen die Kinder, was die Puppe besser machen soll.

Müssen die Kinder darauf vorbereitet werden?

Nein, denn sonst würde das „AHA-Erlebnis“ bei den Kindern nicht mehr gegeben sein. Zum Abschluss erhält jedes Kind ein Malbuch, das einen Elternbrief enthält, zur Nachbearbeitung.

Walter Stern, Leiter der ÖAMTC-Verkehrserziehung
Porträt Stern

Wo wird „Blick und Klick“ angeboten?
Das Programm läuft seit 1997 mit bisher 374.000 Kindern und kann von Schulen/Schulleitungen bei den Landesclubs des ÖAMTCs gebucht werden. 

Was gibt es für Kinder ab der 3. Schulstufe?

„Hallo Auto“ ist unser bekanntestes Verkehrssicherheitsprogramm. Seit dem Start 1986 haben 1.492.000 Kinder teilgenommen. Die Kinder stellen ihren eigenen Bremsweg beim Laufen fest, danach ermitteln wir ihn für Fahrzeuge. Die Kinder erkennen, dass dieser Bremsweg wesentlich länger ist, als sie geschätzt haben. Jedes Kind darf selbst ein Auto zum Stillstand bringen – natürlich mit der nötigen Sicherung. Dieses Programm dauert 90 Minuten und findet auf geeigneten Plätzen in Schulnähe, für Wiener Schulen auf der Donauinsel, statt.

Wie sehen die Programme für die Sekundarstufe aus?

Für 10- bis 14-Jährige bieten wir in unseren Fahrtechnikzentren „Top Rider“ an. Leider sind den Schulen die Kosten für die Busfahrt oft zu teuer. Wir haben reagiert und kommen mit unserem Verkehrssicherheitsprogramm nun direkt zu den Schulen. Für interessierte Wiener Schulen haben wir auf der Donauinsel b. d. Floridsdorfer Brücke einen Veranstaltungsort organisiert. Dieser ist mit öffentl. Verkehrsmitteln innerhalb Wiens in einer Stunde zu erreichen. Sicherheit darf keine Glücksache und sollte auch kein finanzielles Problem sein. Hier erleben die Schülerinnen und Schüler, was man unter einem toten Winkel versteht. Dafür können sie sich selbst ans Steuer setzen. Außerdem demonstrieren wir eine „Polsterbremsung“. Dabei sitzen die Jugendlichen nicht angeschnallt, vor sich mit einem Prallschutzpolster gesichert, auf dem Rücksitz, und das Auto wird von 8 km/h abgebremst. Die Schüler fallen in die vor ihnen angebrachten Pölster und spüren welche Kräfte schon bei geringer Geschwindigkeit wirksam werden. Seit 1994 haben 180.400 Kinder an diesem Programm teilgenommen.

Welche Angebote gibt es für ältere Jugendliche?

„Club PS“ – Physik auf der Straße. Dieses Programm beinhaltet schon angewandte Fahrphysik. Verfügbar ist „Club PS“ in Oberösterreich, Vorarlberg und in einzelnen Fahrtechnikzentren auf Anfrage.

Wie kann ich meine Klasse für ein Programm anmelden?
 
„Blick und Klick“ wird von November bis März, Hallo Auto und Top Rider von März bis Oktober durchgeführt. Insgesamt haben wir mehr Interessenten als Kapazitäten, deshalb können nur nach Verfügbarkeit Termine vergeben werden. Schulen können ihre Klassen beim zuständigen Landesclub des ÖAMTCs telefonisch anmelden.

Wien/NÖ/Bgld.
ÖAMTC Fahrtechnik 
Walter Stern
Leitung Verkehrserziehung 
Tel.: 02253/81700-32065

Oberösterreichischer Automobil-, Motorrad- und Touring Club

Harald Köpplmayer
Verkehrserziehung & -sicherheit
Tel.: 0732/3333 44272

Steiermärkischer Automobil- und Motorsportklub

Hans-Peter Auer
Abteilungsleiter Marketing
Tel.: 0316/504-8226

Kärntner Automobil- und Touring Club
Sekretariat
Kerstin Wagner u. Sabine Kilzer
Tel.: 0463/32523-97004 od. 97005

Automobil- und Touringclub Tirol
Fritz Werner
Bereichsleitung Verkehrserziehung & -sicherheit
Leitung Verkehrserziehung 
Tel.: 0512/3320-66210

Salzburger Automobil-, Motorrad- und Touring Club
Aloisa Gurtner
Verkehrssicherheit/Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0662/63999-50801

Vorarlberger Auto-Touring-Club
Jürgen Wagner
Leiter Marketing
Tel.: 05572/23232-77640


2. Augut 2010