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Sicherheit für die kleinen Passagiere

Von Michael Achleitner

Der ÖAMTC hat vor Kindergärten und Schulen in ganz Österreich überprüft, wie es mit der richtigen Kindersicherung im Auto bestellt ist. „Das Ergebnis der Erhebung hat die schlimmsten Befürchtungen sogar noch übertroffen.

Kinder sitzen im Kindersitz auf der Autorückbank

Österreichweit waren nur in 60 Prozent der überprüften Autos die Kinder richtig gesichert, so eine aktuelle Untersuchung (siehe Kasten rechts) des ÖAMTC. Diese Kids saßen in einem altersadäquaten Kindersitz und waren darin ordnungsgemäß angegurtet. Außerdem öffneten sie richtigerweise den Gurt erst, als das Auto zum Stillstand gekommen war. Im Burgenland konnte eine richtige Kindersicherung in nur 47 Prozent der Fälle beobachtet werden, was unter den neun Bundesländern das Schlusslicht bedeutet. Immerhin 76 Prozent schafften die SteirerInnen und schnitten somit österreichweit am besten ab, schreibt der ÖAMTC auf seiner Website.

Jede/r Vierte nicht ausreichend gesichert

In 23 Prozent der Fälle waren die Kinder nicht ausreichend, nämlich nur mit dem Fahrzeuggurt gesichert. In 17 Prozent der beobachteten Fälle waren die Kinder sogar komplett ungesichert! Bereits bei geringeren Geschwindigkeiten kann ein Unfall für ein nicht gesichertes Kind tödlich enden. Bei einer scharfen Bremsung kann ein Volksschulkind schwere Bauch- und Halsverletzungen erleiden und sogar aus dem Gurt rutschen. Bei einem Zusammenstoß steigt die Belastung für den Körper auf ein Vielfaches an. Ein Aufprall bei 50 km/h gleicht einem Sturz aus dem vierten Stock eines Hauses bzw. aus zehn Metern Höhe. 

Erschreckend auch, dass vor allem Babys oftmals nicht ausreichend gesichert sind: Vier Prozent der Baby-Liegeschalen werden laut ARBÖ auf dem Beifahrersitz transportiert. Alarmierend: Bei 35 Prozent ist der Beifahrer-Airbag aktiviert, obwohl dies verboten ist und bei einem Aufprall das Leben der Kleinkinder durch den ausgelösten Airbag gefährdet. Gurte in den Babyschalen sind häufig zu locker eingestellt, verdreht, oder den Kleinen gelingt es, sich ganz aus den Gurten zu befreien. Sechs Prozent der transportierten Babys sind in der Baby-Liegeschale nicht angeschnallt. 

Beispiele für falsche Kindersicherung

Was die ÖAMTC-TesterInnen bei ihrer Erhebung zu sehen bekamen, widersprach oft nicht nur den Verkehrsvorschriften (bei völlig falscher oder fehlender Kindersicherung droht eine polizeiliche Anzeige), sondern kann mit gutem Recht als fahrlässig bezeichnet werden:

  • Einige der kleinen Kinder saßen auf Beifahrersitz, waren nur mit dem Fahrzeuggurt gesichert, und manche hatten ihre Schultasche noch auf dem Rücken!
  • Kinder knieten oder standen auf der Rücksitzbank, neben sich ungesicherte Schultaschen, die bei einer Bremsung zum Wurfgeschoss werden.
  • Einmal wurden gleich fünf Kinder in einem Kleinwagen ohne Kindersitze mitgeführt.
  • Es konnte auch beobachtet werden, dass Kinder noch während der Fahrt den Gurt lösten, ohne dass die Eltern auf das falsche Verhalten reagiert hätten.
  • Viele Eltern waren selbst nicht angeschnallt. Die Polizei kann in so einem Fall bei einer Anhaltung € 35,– Strafe vom Gurtmuffel kassieren.


Im Rahmen der EU-weiten „Gürteltier-Anschnall-Aktion“ wird von März bis April die richtige Sicherung von Kindern in Fahrzeugen von der Polizei verstärkt kontrolliert. 

Mach dich sicher

Bereits vor Jahren hat das Bundesministerium für Bildung und Frauen die Aktion „Mach dich sicher” ins Leben gerufen, die genau auf diese Problematik abzielt. Österreichs Schulen sowie die Exekutive beteiligen sich zahlreich. In einer gemeinsamen Aktion halten die PolizistInnen die AutolenkerInnen an, die SchülerInnen kontrollieren, ob diese auch angegurtet sind, und bekommen die Gelegenheit, mit den LenkerInnen über das Anschnallen zu sprechen – auch über die Verpflichtung, Kinder entsprechend zu sichern. Mehr über die Aktion lesen Sie hier.


29. März 2010