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Mobilität, die wir uns wünschen

Wie sich Kinder und Jugendliche im Straßenverkehr sehen und was sie sich wünschen – das Projekt „Mobility 360°” hat es erforscht.

Interview: Thomas Aistleitner

Präsentation der ersten Ergebnisse der Cardboard Cities
Präsentation der ersten Ergebnisse der Cardboard Cities

Unsere Mobilität ist im Wandel, auch auf der Straße und gerade, was die Bedürfnisse von Kindern betrifft. Viele große und kleine Projekte in Österreich haben einen „menschlichen“ Schulweg zum Ziel. Die Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr innerhalb und außerhalb eines Autos wird erforscht. Viele Bemühungen richten sich auf einen Sinneswandel – vor allem der motorisierten Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer.

Ein aktuelles Projekt, dessen Ergebnisse nun vorliegen, setzte hier an: Kinder und Jugendliche als Forscherinnen und Forscher, die nicht nur ihre Bedürfnisse erklären, sondern sich auch Lösungen überlegen. Im Projekt „Mobility 360°: Citizens of the Future” arbeiteten rund 100 Kinder und Jugendliche von der Volksschule bis zur Oberstufe in Workshops zusammen und erprobten sich als Mobilitätsforscher/innen. Die Projektergebnisse sind nun in einem modularen Workshopkonzept für die Öffentlichkeit und damit auch für jede Schule verfügbar.

Natalie Denk, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Angewandte Spieleforschung an der Donau-Universität Krems, gibt Einblicke in das Projekt.

Wie ist es zu diesem Projekt gekommen?
Natalie Denk: Die Idee für das Projekt entstand gemeinsam mit unseren Projektpartner/innen, dem KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) und OTELO (Offene Technologie Labore). Im Zentrum stand die Frage, wie das Thema Mobilität in der Schule vermittelt und wie es gleichzeitig mit Schülerinnen und Schülern gemeinsam weiter erforscht werden kann. Dabei sollten sich auch verschiedene Orte aus dem städtischen und ländlichen Bereich vernetzen. Letztendlich waren insgesamt rund 100 Schülerinnen und Schüler aus fünf Schulen in drei Orten – Wien, Vorchdorf und Krems – am Projekt beteiligt. Dass „Mobility 360°” realisiert werden konnte, verdanken wir der Förderung der FFG im Rahmen der Programmschiene „Talente Regional”.

Wie wurden die Schülerinnen und Schüler in die Projektentwicklung einbezogen?
Wir haben ihr Feedback und ihre Ideen von der frühen Konzeptionsphase bis hin zur Finalisierung der Projektergebnisse stets berücksichtigt und in die Entwicklung einfließen lassen. Dies passierte etwa in Form von Fokusgruppen, in denen wir Gruppeninterviews geführt und einzelne Workshopmethoden getestet haben. Es war schön zu sehen, wie sich die Schülerinnen und Schüler eingebracht haben. Hier ist es wesentlich, diese auch tatsächlich als Expertinnen und Experten ihrer Lebenswelt wahrzunehmen. Man kann nur jedem, der Produkte für den Unterricht entwickelt, nahelegen, sie ausführlich direkt mit der Zielgruppe zu testen. Ein weiteres Beispiel für diesen interaktiven Designansatz ist die Entwicklung unseres Mobility 360°-Kartenspiels. Auch hier wurden die Schüler und Schülerinnen als Spieletester/innen miteinbezogen.

Worum geht es in dem Kartenspiel?
Die Kinder schlüpfen in die Rolle von Stadtplanerinnen und Stadtplanern, die mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert sind. Neben der Verbesserung des allgemeinen Wohls der Stadt gilt es auch die Interessen der eigenen Lobby durchzusetzen, denn am Ende gewinnt, wessen Lobby bei den umgesetzten Aktionen am stärksten vertreten ist. Das Kartenspiel steht zum Download zur Verfügung. Wer die Bastelarbeit auf sich nimmt, das umfangreiche Kartendeck auszudrucken und auszuschneiden, wird mit einem innovativen Spiel belohnt.

Können Sie noch eine weitere Unterrichtsaktivität von „Mobility 360°” schildern?
In einem der konzipierten Workshopmodule werden sogenannte „Cardboard Cities” gebaut. In Teamarbeit beschäftigt man sich damit, wie Mobilität im Schulumfeld der Zukunft aussehen könnte und setzt diese Visionen innerhalb einer Kartonschachtel um. Nach Fertigstellung einer Cardboard City wird eine 360°-Kamera in der Mitte der Schachtel platziert. Das so entstandene Foto ermöglicht einen Rundumblick auf die gestaltete Schulumgebung.

Welche Aspekte von Mobilität waren den Kindern besonders wichtig?
Viele Vorschläge betrafen eine naturnahe Schulumgebung und die Möglichkeit zur aktiven Mobilität sowie sportlicher Betätigung. Dabei gab es eine Reihe interessanter Lösungen, wie Spazierengehen auf dem Dach der Schule. Auch die schweren Schultaschen kamen zur Sprache, als Lösungen wurde ein Seilbahntransport für die Schultaschen vorgeschlagen, aber auch ein Rohrpostsystem von Klassenzimmer zu Klassenzimmer. Viele weitere Konzepte und Ideen der Schüler/innen zur Schulumgebung der Zukunft sind in der Galerie auf der Projektwebseite zu finden.

Welches Ziel verfolgte das Projekt insgesamt?
Ziel war die Entwicklung eines Unterrichtskonzepts, das man auch anderen Schulen zur Verfügung stellen kann. Dieses ist nun auf der Projektwebseite zu finden, gemeinsam mit einer Reihe von Unterrichtsmaterialien zum kostenlosen Download. Darunter befindet sich etwa auch ein Forschungstagebuch, das die Schülerinnen und Schüler bei der Erforschung zur Mobilität im Alltag begleitet. Ein weiteres Ziel war es auch, die Mobilitätsbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen sichtbar zu machen. Diese werden in der Cardboard City-Galerie beleuchtet und zudem in unserem Projektbericht aufgearbeitet.


21. Jänner 2019