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Blaulicht – was tun?

Wie verhält man sich, wenn ein Einsatzfahrzeug unterwegs ist? Die Bildungsinitiative „Gemeinsam Sicher Feuerwehr“ beantwortet diese und andere Fragen für alle Bildungsstufen vom Kindergarten angefangen. Die Materialien sind zum Download abrufbar.

Interview: Thomas Aistleitner

Kinder und Jugendliche „fit“ zu machen für Feuer- und Alltagsgefahren auch im Straßenverkehr mit Einsatzfahrzeugen – dafür gibt es in vielen Feuerwehren zahlreiche Maßnahmen und Aktivitäten. Aus den praktischen Erfahrungen wurden aktuelle Inhalte für die Brand- und Katastrophenschutzerziehung entwickelt. Robert Mayer aus dem Projektteam erklärt im Interview, wie es dazu kam und an wen sich die Unterlagen richten.

netzwerk-verkehrserziehung: Wie ist es dazu gekommen, dass die Feuerwehr Materialien für den Unterricht erstellt?
Robert Mayer: Es gibt einen starken Bezug der Bevölkerung zur Feuerwehr und dabei wiederum einen starken örtlichen Bezug. Wir haben zwar sieben Berufsfeuerwehren in den Städten, aber zu 98 % ist der Dienst in der Feuerwehr in Österreich ein freiwilliges, ehrenamtliches Engagement. Die Feuerwehren sind in den Orten gut verankert, es gibt viele persönliche Kontakte zwischen den Bildungseinrichtungen und der Feuerwehr. Deshalb wollen wir die Bildungseinrichtungen, angefangen vom Kindergarten, dabei unterstützen, sich mit Sicherheitsthemen auseinanderzusetzen.

Gibt es einen Bedarf danach, können die Unterrichtenden diese Themen nicht selbst abdecken?
Wir haben uns mit dem Thema Brandschutz befasst und nach passendem Material für den Unterricht gesucht. Wir haben nicht viel gefunden. Was wir gefunden haben, war schon in die Jahre gekommen und hat nicht mehr zum aktuellen Lehrplan gepasst. Doch der Katastrophenschutz und auch die Alltagsgefahren sind wichtige Themen, wie aktuelle Ereignisse zeigen. Die Informationen dazu können im Ernstfall lebensrettend sein. Die Feuerwehr vor Ort kann als Ergänzung zum Unterricht mit der Darstellung von Praxisbeispielen und mit besonderen Hinweisen auf spezielle Themen, wie Einsatzfahrzeuge, Verkehrsunfälle, Rettungsgasse oder anderes in diesem Zusammenhang die Unterrichtsmaterialien ergänzen.

Welche Themen sind Ihnen dabei besonders wichtig?
Das Einsatzfahrzeug hat immer Vorrang, das kann man als bekannt voraussetzen. Es ist aber auch wichtig zu wissen, wie man sich verhält, wenn ein Blaulichtfahrzeug kommt. Es sind sehr oft große Fahrzeuge und diese brauchen mehr Platz auf der Straße, genauso beim Aufstellen z. B. der Drehleiter. Es braucht Durchfahrtsbreiten, die man im üblichen Verkehr nicht immer voraussetzen kann, selbst das Parken in einem Siedlungsgebiet kann hier zu Problem werden.

Welche Fehler werden da am häufigsten begangen?
Viele Autofahrerinnen und Autofahrer haben so viel Respekt vor dem Einsatzfahrzeug, dass sie abrupt bremsen, sobald es im Rückspiegel auftaucht. Damit können sie aber selbst zum Hindernis werden und sich und auch andere Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer in Gefahr bringen. Das Abstellen von Fahrzeugen in engen Straßen oder vor Feuerwehrzufahrten und Brandschutzeinrichtungen wie Hydranten sind oft unbedacht und können im Ernstfall entscheiden für einen erfolgreichen Einsatz sein.

Robert Mayer ist stv. Landesbranddirektor für Oberösterreich
Robert Mayer

Was ist Ihre Zielgruppe?
Wir wollen unsere Themen vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe 2 abbilden. Wir versuchen neue Wege in der Vermittlung zu gehen. Wir wollen Lehrkräfte in ihrer Arbeit durch fertig ausgearbeitete Unterlagen unterstützen, die Inhalte sind auf Lehrplan und Bildungsrahmenplan abgestimmt. Ein Expertinnen- und Expertenteam hat die Unterlagen im Sinne dieser Anforderungen und nach den pädagogischen und didaktischen Konzepten der Bildungseinrichtungen aufbereitet.

Gibt es schon Erfahrungen mit den neuen Materialien?
Ja. Wir sehen, dass beispielsweise die Schülerhefte in der Volksschule, die wir kostenlos zur Verfügung stellen, zunehmend verwendet werden. Bei den Kontakten zwischen Feuerwehr und Bildungseinrichtungen erkennen wir, dass sich die Kinder und die Lehrkräfte durch die Materialien anders mit dem Thema auseinandergesetzt haben, wenn sie die Feuerwehr besuchen. Sie wissen schon mehr über den Umgang mit einem Feuerlöscher, über das richtige Verhalten im Brandfall oder bei Notfällen.

Das Programm wurde in Oberösterreich entwickelt. Ist es auch für Schulen in anderen Bundesländern zugänglich?
Wir haben in Salzburg und der Steiermark erste Teile umgesetzt, und zwar für Kindergarten und Volksschule. In Niederösterreich sind wir bereits in den Volksschulen. Weitere Bundesländer sind interessiert. Die Einführung der Mappen muss mit den jeweiligen Schulbehörden der Länder abgestimmt werden, das läuft immer über den Landesfeuerwehrverband. Die Materialien sind aber kostenlos zum Download vefügbar – für alle Interessierten ohne Einschränkungen (www.gemeinsam-sicher-feuerwehr.at).

Sind Erweiterungen geplant?
Inzwischen sind wir bereits in der Erwachsenenbildung tätig, wir wollen digitale Medien zur Unterstützung in der inhaltlichen Vermittlung entwickeln und auch für die pädagogische Ausbildung im Rahmen der digitalen Medienkompetenz etwas anbieten. Wir beginnen dieser Tage eine Kooperation mit dem Institut für Berufspädagogik an der PH Oberösterreich. Und wir haben einige Projekte im Rahmen von Diplomarbeiten in der HTL begleitet, zum Beispiel in der HTL für Gebäudetechnik in Vöcklabruck. Die Schülerinnen und Schüler können ab der zweiten Klasse die Ausbildung zum/r Brandschutzbeauftragte/n machen und haben dann das Zertifikat in der Hand, das sie sonst außerhalb der Schule erwerben müssten. Das sehe ich als großen Vorteil für die Schülerinnen und Schüler, wenn sie in das Berufsleben einsteigen.


7. Jänner 2019