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„ReAction“ gegen Ablenkung am Steuer

Ablenkung ist die häufigste Ursache für Unfälle im Straßenverkehr. Mit einem Workshop wird Schulklassen der Zusammenhang nähergebracht. Verkehrspädagogin Martina Otter erklärt, warum Aufklärung so wichtig ist.

Interview: Thomas Aistleitner

SchülerInnen bei „ReAction“
Schülerinnen und Schüler der Polytechnischen Schule Saalfelden erleben eindrucksvoll, wie sich eine verspätete Reaktion im Straßenverkehr auswirkt
SchülerInnen bei „ReAction“

Die Styropor-Figur, die den Fußgänger mimt, zerfetzt es in viele Teile. Das Smartphone beim Autofahren ist schuld, die Ablenkung verlängerte den Anhalteweg massiv. Auf eindrucksvolle und auch erschreckende Weise erfuhren die Schülerinnen und Schüler der Polytechnischen Schule Saalfelden im ÖAMTC-Fahrtechnikzentrum Brandlhof, wie fatal so ein Blindflug sein kann. Sie waren dabei, als der neue Aufklärungsspot von Land Salzburg und ÖAMTC gedreht wurde.

„ReAction“ heißt der Workshop des ÖAMTC, an dem pro Jahr zirka 3.000 Schülerinnen und Schüler aus ganz Salzburg teilnehmen. Martina Otter, Verkehrspädagogin beim ÖAMTC Salzburg, erklärt, warum Aufklärung so wichtig ist.

netzwerk-verkehrserziehung: Warum bietet der ÖAMTC den Workshop „ReAction” an?
Martina Otter:
Ablenkung am Steuer ist die häufigste Unfallursache in Österreich.

Was ist unter Ablenkung alles zu verstehen?
Essen und Trinken beispielsweise, mit dem Beifahrer bzw. der Beifahrerin plaudern, das Navi einstellen oder andere Assistenzsysteme bedienen. Und an erster Stelle: die Beschäftigung mit dem Smartphone.

Die Unfallzahlen sind ja über die Jahre nicht steigend. Reiht sich die Ablenkung hier ein?
Nein. Die Ablenkung ist ein Trend, der mit den Smartphones erst richtig zugenommen hat. Andere Trends sind rückläufig, zum Beispiel durch Alkohol am Steuer verursachte Unfälle.

Was ist das Thema des Workshops?
Wir zeigen mit einem Fahrsimulator, wie sich eine verspätete Reaktion im Straßenverkehr auswirkt. Uns wird von den Jugendlichen immer wieder erklärt, dass man am Steuer WhatsApp-Nachrichten schreiben kann, die Instagram-Seite checken und auf Snapchat kommunizieren – und dennoch das Verkehrsgeschehen angeblich im Griff hat. Das stimmt aber nicht. Der Anhalteweg verlängert sich durch die verspätete Reaktion massiv, das wird den SchülerInnen oft erst am Fahrsimulator richtig bewusst. Mit den Workshops und dem neuen Aufklärungsvideo wollen wir vor Augen führen, dass die Handynutzung am Steuer lebensgefährlich ist.

An wen richten sich die Workshops?
An Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren, also an Schülerinnen und Schüler von Polytechnischen Schulen, Berufsschulen und Höheren Schulen.

Welchen Wissensstand haben die Jugendlichen, was die Handynutzung im Auto betrifft?
Sie wissen alle, dass das Hantieren mit dem Smartphone nicht erlaubt ist, auch wenn sie selbst noch keinen Führerschein haben. Aber es gilt als Kavaliersdelikt.

Was ist das Ziel des Workshops?
Bewusstseinsbildung durch Selbsterfahrung. Wir wollen keine Bestrafung, sondern klären auf, was passieren kann. Wir erklären die Reaktionszeit und den Reaktionsweg. Mit dem Simulator kann es dann jede/r selber ausprobieren. Man „baut“ einen Unfall, es crasht und die Windschutzscheibe zerbricht. Diese Erfahrung ist sehr beeindruckend. Es ist schon viel erreicht, wenn die Jugendlichen beginnen, miteinander zu sprechen. Es ist immer jemand dabei, der schon Erfahrungen mit dem Thema Ablenkung im Straßenverkehr hatte.

Wie wird der Workshop angenommen?
Das Interesse ist sehr groß. Wir führen den Workshop jetzt seit vier Jahren durch und die Anfragen von Schulen steigen von Jahr zu Jahr. Wir erreichen im Land Salzburg jedes Jahr ca. 3000 Jugendliche. Auch andere Landesvereine des ÖAMTC überlegen, einen Simulator anzuschaffen und den Workshop anzubieten. Unterstützt wird der Workshop von der AUVA und dem Land Salzburg.

Wie können sich Schulen anmelden?
Für unsere Verkehrssicherheitsprogramme gibt es eine Online-Anmeldung. Wir melden uns dann telefonisch für die Terminvereinbarung. Wir versuchen, jede Anmeldung innerhalb eines Schuljahrs abzuarbeiten.


26. November 2018