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„Heute ist das Lotsen leichter“

Seit mehr als 50 Jahren sorgen die Schülerlotsen in Österreich für Sicherheit am Schulweg. Am 13. November 1964 trat der erste in Aktion. Wie erinnert sich Herbert Skalicky an diesen Tag?

Interview: Thomas Aistleitner

Herbert Skalicky, Schülerlotse der ersten Stunde, mit den aktiven Schülerlotsen Tringa Shatri und Sabrina Mamuljin
Herbert Skalicky, Schülerlotse der ersten Stunde, mit den aktiven Schülerlotsen Tringa Shatri und Sabrina Mamuljin.

Kinder sichern Kinder – die Idee ist einfach und überzeugend. Als SchülerlotsInnen sichern Kinder nicht nur die Straße für ihre MitschülerInnen, sie steigern damit auch selbst ihre Verkehrskompetenz. Heute engagieren sich österreichweit jährlich rund 3000 SchülerInnen im Schülerlotsen-Dienst. „Dass diese Schulwegsicherungsmaßnahme aus dem heutigen Verkehrsgeschehen nicht mehr wegzudenken ist, ist jenen Menschen zu verdanken, die damals – obwohl noch jede gesetzliche Grundlage fehlte – die Initiative für mehr Sicherheit ergriffen haben", betont Othmar Thann, Direktor des Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV). „Die verantwortlichen öffentlichen Institutionen sagten gemeinsam mit der Schule, den Eltern, der Exekutive und dem KfV „Ja“ zu diesem richtungsweisenden Modell, das  man heute erfinden müsste, würde es das nicht geben.“

Vor 53 Jahren trat der erste Schülerlotse Österreichs, Herbert Skalicky, in Aktion. Im Interview erzählt der heute 67-Jährige, warum das Lotsen damals schwieriger war als heute

netzwerk-verkehrserziehung: Herr Skalicky, sie waren Österreichs erster Schülerlotse. Wer hat sie ausgewählt?
Herbert Skalicky: Das war unser Klassenvorstand in der Hauptschule Lehen in Salzburg. Diese Schule war für den ersten Testbetrieb in Österreich ausgesucht worden.

Was musste man damals als Schülerlotse können?
Wir sind natürlich ausführlich eingeschult worden und wussten, was wir dürfen und was nicht. Unsere Aufgabe war es, die Verkehrslücken abzuwarten, damit wir unsere SchulkollegInnen über die Straße führen konnten. Ich habe immer ein paar Minuten vom Unterricht verpasst, aber das war ja so ausgemacht und akzeptiert. Es war eine verantwortungsvolle Aufgabe, die geschätzt wurde.

Wie haben die AutofahrerInnen reagiert?
Es war auch für sie eine neue Situation, sie haben auch erst lernen müssen, wer wir sind und welche Funktion wir haben. Man hat uns schon auch mal übersehen, das kam vor, aber in meiner Zeit gab es zum Glück nie einen Unfall.

Was war Ihr bester Moment in Ihrer Schülerlotsenkarriere?
Das war der Besuch in einer Fernsehsendung von Heinz Conrads in Wien. Das war damals eine Sensation, wenn man als 14-jähriger Schulbub nach Wien fahren durfte und Gast bei Heinz Conrads war.

Wenn Sie heute einen Straßenübergang mit SchülerlotsInnen sehen, finden Sie, dass sich etwas geändert hat?
Ja, eigentlich schon. Ich glaube, es ist heute ein bisschen einfacher, weil sich die Rechtslage geändert hat. FußgängerInnen haben heute mehr Rechte und werden deutlicher als vollwertige VerkehrsteilnehmerInnen wahrgenommen. Das war zu unserer Zeit noch anders.


8. Jänner 2018