• Hauptartikel

Selbstständig zur Schule –

für weniger Autos vor Schulen

Vorarlberger Schulen setzen sich mit den morgendlichen „Elterntaxis“ auseinander. Ein Imagefilm sorgt für Aufsehen, eine Schule hat bereits ein Fahrverbot durchgesetzt.

Interview: Thomas Aistleitner

Der „Gut-Geh-Raum“: ein Fahrverbot vor der Schule an Werktagen von 7:15-17:00 Uhr
Schriftzug Gut - Geh - Raum auf Straße

Das Land Vorarlberg, der Landesschulrat für Vorarlberg, Sicheres Vorarlberg, die Stadt Bregenz, das regionale Mobilitätsmanagement „plan-b“ der Hofsteiggemeinden und Andelsbuch starten im heurigen Schuljahr 2017/18 ein Projekt für einen sicheren Schulweg mit weniger Autoverkehr vor den Schulen.

Dafür werden mehrere Maßnahmen gesetzt:

  • Ein pointierter Kurzfilm zum Thema „Selbstständig zur Schule“ soll die Eltern als Einstieg in das Thema sensibilisieren (siehe Kasten rechts).
  • Mittels einer Befragung von über 1000 Eltern wurde der Schulweg analysiert.
  • Ein Ideenwettbewerb an den Pflichtschulen soll kreative Lösungen für das Verkehrschaos vor Schulen vor den Vorhang bringen.
  • Vier Volksschulen arbeiten an konkreten Maßnahmen mit dem Ziel, dass die Kinder selbstständig in die Schule gehen.
  • Beim neuen Schulcampus Schendlingen, Bregenz, wurde ein „Gut-geh-Raum“ eingerichtet – ein Fahrverbot vor der Schule an Werktagen von 7:15 bis 17:00 Uhr.

Martin Scheuermaier, Mobilitätskoordinator beim Land Vorarlberg, erklärt die Ziele des Projekts.

netzwerk-verkehrserziehung: Was muss man tun, um eine solche Aktion vorzubereiten?
Martin Scheuermaier: Wir haben in Vorarlberg verschiedene Partner, die sich mit Mobilitätsfragen an Schulen auseinandersetzen. Das sind der Landesschulrat mit der Verkehrserziehung, das regionale Mobilitätsmanagement plan-b (sechs Gemeinden im unteren Rheintal forcieren hier seit einigen Jahren gemeinsam die nachhaltige Mobilität) und der Fond Sicheres Vorarlberg. Dieser widmet sich mit verschiedenen Themen auch der Verkehrssicherheit. Jeder hat sich zu dem Thema bereits Gedanken gemacht. Wir haben unsere Ideen und unsere Ressourcen deshalb gebündelt – denn gemeinsam erreicht man mehr.

Wie lange hat es von der Idee bis zur Eröffnung gedauert?
Wir haben uns im Februar dieses Jahres zusammengesetzt, um einen Imagefilm zu planen. Wir sind schnell zu dem Schluss gekommen, dass ein Film eigentlich zu wenig ist. „Sicheres Vorarlberg“ hat im Frühjahr eine Elternbefragung organisiert, an der über 1000 Eltern teilgenommen haben. Zwölf Prozent von ihnen haben angegeben, dass sie die Kinder mit dem Auto vor die Schule bringen. Das mag wenig erscheinen, aber das sind an einem Schulmorgen 30 bis 40 Autos binnen einer Viertelstunde. Wir bekommen immer mehr Feedback, dass das ein Problem darstellt. Man hat unseren Imagefilm bei der Schulleitertagung gezeigt, wo er auf große Zustimmung gestoßen ist. So haben wir Pilotschulen gesucht und gefunden, die wir nun ein Jahr lang begleiten.

Gibt es bereits Rückmeldungen?
Ich habe bisher nur Positives gehört; um Auswirkungen zu sehen, ist es aber noch zu früh. Die Idee war, den Film bei Elternabenden zu zeigen. Es hat sich aber herausgestellt, dass das Programm beim ersten Elternabend eines Schuljahres meistens zu dicht ist, um unsere Botschaft dort unterzubringen. Ein Ideenwettbewerb zum Thema Schulweg und eben die Betreuung der Pilotschulen sollen nun zeigen, wie wir das Problem von zu vielen Autos vor Schulen lösen können.

Was würden Sie einer Schule raten, die Ähnliches umsetzen will?
Es gibt in den Bundesländern unterschiedliche Verkehrserziehungsprogramme, sodass der Weg zu solchen Aktionen immer individuell sein wird. Aber eine Schule kann durchaus von sich aus tätig werden. Wichtig ist eine Zusammenarbeit zwischen Schule und Gemeinde. Ein Großteil der Schulwege verläuft im Bereich von Gemeindestraßen. Oft wird der Schulweg schon sicherer, wenn eine Hecke zurückgeschnitten oder ein Schutzweg angepasst wird. Eine Möglichkeit ist auch das partielle Sperren einer Straße. Wenn es eine Gemeindestraße ist, braucht man die Gemeinde als Partner. Bei Landesstraßen wird es schwieriger. Wichtig ist dabei auch der Kontakt zur Exekutive.

Wie geht es dann weiter?
Wir unterstützen die Schulen über das Jahr, und im kommenden Frühjahr wird Bilanz gezogen, wie es weitergehen könnte.


2. Oktober 2017