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Vorsicht, Gleis!

Jedes Jahr verunglücken Menschen an Gleisanlagen. Dazu gehören auch Jugendliche, die sich durch Mutproben in Lebensgefahr bringen.

Interview: Thomas Aistleitner

ÖBB-Vortrag

Die ÖBB-Infrastruktur setzt auf Aufklärung und bietet kostenlose Schulbesuche an. ÖBB-Sicherheitsexperte Christian Rubasch erklärt, wie ein Schulbesuch abläuft und wie Sie ihn für Ihre Schule buchen können.

netzwerk-verkehrserziehung: Sie haben schon in 200 Schulen über Sicherheit auf Bahnanlagen informiert. Was möchten Sie erreichen, wie viele Schulen bzw. SchülerInnen möchten Sie erreichen?
Christian Rubasch: Wir möchten im Zwei-Jahres-Rhythmus bei Schülerinnen und Schülern der 7. und 8. Schulstufe an ca. 1.400 Schulen österreichweit Bewusstseinsbildung zum Thema Sicherheit auf Bahnanlagen durchführen. Um dies auch umsetzen zu können, haben wir pro Schuljahr Schulbesuche an ca. 700 Schulen geplant. Es wurden immer alle geplanten Schulen schriftlich und großteils auch telefonisch kontaktiert. Im Schuljahr 2015/2016 und im Schuljahr 2016/2017 wurde unser kostenloser Vortrag jeweils von ca. 30 % der geplanten Schulen angenommen. Es ist sicherlich ein sehr ehrgeiziges Ziel, die Schülerinnen und Schüler zu erreichen und wir werden auch weiterhin daran festhalten. Wir können sehr stolz auf die Leistungen unserer Referentinnen und Referenten sein, haben wir doch im Schuljahr 2015/2016 ca. 22.900 und im Schuljahr 2016/2017 ca. 21.300 Schülerinnen und Schüler erreicht.

Ändert sich 2017/18 in der Herangehensweise etwas?
Grundsätzlich werden wir die Herangehensweise beibehalten. Von der zuständigen Abteilung im Bundesministerium für Bildung wurde ein entsprechender Erlass an die Landesschulräte (Stadtschulrat Wien) aufgelegt, der die Unterstützung dieser Vorträge hervorhebt. Die Referentinnen und Referenten der ÖBB-Infrastruktur AG kontaktieren die Direktionen der vorgesehenen Schulen mittels einheitlicher Schreiben. Hier wäre es für uns sehr wichtig und daher auch unsere Bitte an die Direktorinnen und Direktoren, dass auf unsere schriftlichen bzw. auch telefonischen Anfragen möglichst rasch eine Rückmeldung gegeben wird, ob ein Vortrag durchgeführt werden kann bzw. darf oder aus welchen Gründen auch immer dies nicht möglich ist. Das ist eine wesentliche Erfordernis für die Ressourcenplanung.

Wie sieht die Sicherheitsberatung aus, wie läuft so ein Schulbesuch ab?
Die Sensibilisierung erfolgt durch standardisierte Sicherheitsveranstaltungen. Die Vorträge finden an Hand der einheitlichen Präsentationsunterlage „Deine Sicherheit ist uns wichtig“ mit Videospots der neuen Kampagne „Pass auf dich auf“ statt. Die Veranstaltungen sind kostenlos, werden in den Schulen durchgeführt und nehmen eine Schulstunde in Anspruch. Je nach vorhandenen Räumlichkeiten können die Vorträge mit einzelnen Klassen sowie bei Zusammenlegen mehrerer Klassen mit bis zu 200 Schülerinnen und Schülern durchgeführt werden.

Was sind die wichtigsten Botschaften?
Die wichtigsten Sicherheitsbotschaften sind:

  • Vorsicht auf Eisenbahnkreuzungen!
  • Das Überschreiten der Gleise ist lebensgefährlich!
  • Bahnhöfe sind keine Spielplätze! Warte am Bahnsteig hinter der Sicherheitslinie!
  • Bahnstrom ist Starkstrom – schon in der Nähe besteht Lebensgefahr! Klettere daher niemals auf abgestellte Waggons oder Züge!

Gehen Sie auch auf mögliche Fragen und Anregungen ein?
Diese Sicherheitsveranstaltung ist kein Monolog. Die Schülerinnen und Schüler werden von den Vortragenden eingebunden. Selbstverständlich ist genügend Zeit eingeplant, dass eventuelle Fragen beantwortet werden können. Zum Abschluss gibt es dann noch kleine Goodies als Dankeschön für die Aufmerksamkeit

Gibt es einen „besonderen“ Schulbesuch, der Ihnen in Erinnerung geblieben ist oder besonders wichtig war?
Bis jetzt war bei mir jeder Vortrag ein „besonderes“ Erlebnis. Die Schülerinnen und Schüler waren immer sehr freundlich und arbeiteten engagiert mit. Nur einmal war die Stimmung kurzzeitig etwas gesunken, weil ein Schüler von einem Bekannten erzählte, der bei einem Unfall mit der Eisenbahn das Leben verlor.

Hat sich das Verhalten von Jugendlichen auf Bahnhöfen in den letzten Jahren und Jahrzehnten geändert, gibt es ein anderes Risikoverhalten als früher?
Die meisten Unfälle passieren durch das unbefugte Betreten von Gleisanlagen. Hier können wir von 2012 bis 2015 eine jährliche Senkung der Unfälle verzeichnen. Im Jahr 2016 gab es wieder einen leichten Anstieg bei der Anzahl dieser Unfälle. Die riskantesten Dinge sind zur Bewusstseinsbildung in den Sicherheitsbotschaften verpackt und werden daher auch im Vortrag mit entsprechenden Videos dargestellt.

Was sind die riskantesten Dinge, die Jugendliche am Bahnhof tun?
Leider kommt es jährlich immer wieder vor, dass Jugendliche auf abgestellte Waggons klettern und dann in den Stromkreis gelangen. Bei einer Stromspannung von 15.000 Volt und einer Stromstärke von ca. 1000 Ampere genügt schon die Annäherung an die Oberleitung, damit es zu einem Stromüberschlag kommt.

Warum wollen Sie gerade SchülerInnen der 7. und 8. Schulstufe ansprechen?
Wir wollen die Schülerinnen und Schülern, bevor sie ihren weiteren Weg einschlagen, noch über die richtigen Verhaltensweisen auf Bahnanlagen sensibilisieren. Außerdem sollen die Jugendlichen im Alter von ca. 12 bis 14 Jahren zu BotschafterInnen für Sicherheit auf Bahnanlagen werden und die Informationen in der Familie und unter Freunden weitergeben. Darum werden die Vorträge auch in Schulen abgehalten, in denen die Jugendlichen nicht mit der Eisenbahn zur Schule bzw. nach Hause fahren.

Wie viele Menschen verunglücken in Österreich auf Bahnhöfen und Bahnanlagen?
Österreichweit gab es im Jahr 2016 durch unbefugtes Betreten von Bahnanlagen 17 Unfälle. Allerdings hatten wir erfreulicherweise auch vier Bundesländer – nämlich Burgenland, Oberösterreich, Salzburg und Vorarlberg – wo wir letztes Jahr gar keine Verunglückten auf Bahnanlagen durch unbefugtes Betreten von Bahnanlagen zu verzeichnen hatten. Das bestärkt uns natürlich in unserer Arbeit, Bewusstsein für die Gefahren auf Bahnanlagen zu schaffen.

Rund ums Zugfahren – wo passiert am meisten? Im Zug? Am Bahnhof?
Die meisten Unfälle passieren am Bahnhof, eben durch das unbefugte Betreten von Bahnanlagen und durch die sogenannten „Mutproben“ – das Klettern auf abgestellte Waggons.

Von der Intensität der Durchsagen („Achten Sie auf den Abstand …“, „Mind the gap“) könnte man glauben, das Ein- und Aussteigen wäre der gefährlichste Vorgang ...
Die Durchsagen sind sehr wichtig. Sie sollen den Menschen, die sich auf Bahnsteigen aufhalten, immer wieder in Erinnerung rufen, dass sie dem Gleisbereich nicht zu nahe kommen und dass Gegenstände, die leicht sind oder Räder haben, immer gut festzuhalten sind.

Woran arbeiten Sie gerade?
Seit Schulbeginn läuft unsere neu gestartete Kampagne „Pass auf dich auf“. Davon wird man nicht nur in den Zeitungen, sondern auch im Internet und auf den Social-Media-Kanälen lesen. Und es gibt einen Folder, den wir auf Bahnhöfen verteilen.


18. September 2017