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Auf zwei Beinen in den Kindergarten

Ein neues Büchlein zeigt den Weg eines kleinen Mädchens in den Kindergarten. Petra Jens von der Mobilitätsagentur Wien erklärt, was „Mit Anna unterwegs in den Kindergarten“ bewirken soll und wo es erhältlich ist.

Interview: Thomas Aistleitner

Coverabbildung: Mit Anna unterwegs in den Kindergarten

Frau Jens, warum wurde dieses Buch gemacht?
Petra Jens:
Wir haben in der Mobilitätsagentur Wien schon im Jahr 2012 begonnen, Angebote für Kinder im Volksschulalter zu schaffen – mit Fokus auf Radkursen und dem Thema Schulweg. Dabei ist die Erkenntnis gereift, dass wir das Thema des regelmäßigen und aktiven täglichen Unterwegsseins eigentlich zu spät aufgreifen, wenn wir erst im Volksschulalter damit beginnen.

Was lässt sich diesem aktiven täglichen Unterwegssein zuordnen?
Die Botschaft lautet, dass der Weg zur Bildungsstätte ein wertvoller Beitrag zur täglichen „Bewegungsration“ ist, vergleichbar mit dem täglichen Stück Obst. Außerdem wird dabei Verkehrskompetenz erlernt und gefestigt. Wer am Rücksitz eines Autos angeschnallt ist, wird nicht lernen, sich sicher im Verkehr zu bewegen.

Wie bringt man diese Botschaft in den Kindergarten?
Dafür haben wir ein ganzes Paket geschnürt: eine Mobilitätsbox für Kindergärten, pädagogisches Material und eben dieses Büchlein für Kinder und Eltern. Kindergärten können sich diese Box ausborgen. Sie enthält Materialien, die das Thema spielerisch aufgreifen.

Hier kommt das Büchlein „Mit Anna unterwegs in den Kindergarten“ ins Spiel?
Ja, jedes Kind, das mit den Materialien der Kindergarten-Mobilitätsbox gearbeitet hat, erhält dieses Büchlein – auf Deutsch oder auch auf Türkisch, damit wir möglichst viele Familien erreichen. Es erzählt die Geschichte von Anna, die mit ihrem Vater auf dem Weg in den Kindergarten viele Mobilitätsformen sieht. Die Kinder sollen ihren Alltag in dem Büchlein wiederfinden. Das Thema Inklusion ist uns wichtig: Man sieht ein Kind im Rollstuhl, Menschen mit Migrationshintergrund und Väter, die Betreuungsaufgaben übernehmen. Man sieht Straßenräume, Ampeln, ein taktiles Leitsystem, eine Baustelle und Fahrradbügel.

Welche Aspekte des Straßenverkehrs kommen vor?
Anna fährt mit dem Laufrad in den Kindergarten, begleitet von ihrem Vater. Viele Aspekte des Unterwegsseins werden abgebildet: durch eine Lacke fahren, mit Gummistiefeln im regennassen Park umherstapfen, Kinderwägen und Roller. Am Ende werden Anna und ihre Freundin von der Mutter mit dem Lastenrad nach Hause gefahren. Das sind komplexe Bring- und Holvorgänge, wie sie in vielen Familien üblich sind.

Geht es dabei auch um Sicherheit?
Das Büchlein sagt nicht, was alles gefährlich ist, sondern erzählt von verschiedenen Räumen und Verhaltensweisen. Anna darf bis zum Zebrastreifen auf dem Gehsteig allein vorfahren und weiß, dass sie dann auf ihren Vater warten muss, der ihren Baby-Bruder trägt. Im Park darf sie sich dann freier bewegen. Man sieht auch Kinder in einer größeren Gruppe, die disziplinierter gehen, weil das notwendig ist. Erst im Park können sie dann in Lacken springen und herumtoben.

Anna ist mit einem Laufrad unterwegs und trägt einen Helm. Ist das nicht ein Signal für die Gefährlichkeit des Straßenverkehrs?
Darüber haben wir sehr lange diskutiert. Da Anna mit dem Lastenrad abgeholt wird, ist es notwendig, ihr einen Helm mitzugeben. Viele Kinder sind stolz auf ihren Helm und wollen ihn auch tragen. Deshalb hat Anna den Helm auch auf, wenn sie mit dem Laufrad unterwegs ist.

Das Buch spielt in keiner anonymen Stadt, sondern in Wien.
Wien, seine Häuser und die Straßenbahn sind wiedererkennbar dargestellt. Auch ein Ampelpärchen kommt vor. Dazu kommt das Eichhörnchen Rudi, das auf jeder Seite etwas anderes tut: Einmal fährt es mit Rollschuhen, einmal fliegt es ..., das soll dazu anregen, nach ihm zu suchen. Auf der letzten Seite gibt es Anna und Rudi zum Ausmalen.

Wo bekommt man das Buch?
Man kann „Mit Anna unterwegs in den Kindergarten“ bestellen, und wir verteilen es bei Veranstaltungen, bei denen viele Eltern anwesend sind. Auch bei „Mama lernt Deutsch“ sind wir vertreten, und die Grätzelpolizisten setzen das Buch bei ihrer Arbeit ein. Ich hoffe, dass es den Familien Freude macht, diese Geschichte von den kleinen Sensationen in einem ganz normalen Alltag vorzulesen.

Auszüge aus: Mit Anna unterwegs