• Hauptartikel

Das erste seiner Art

Ein Kärntner HTL-Schüler hat ein Mountainbike für mehrere Einsatzzwecke entworfen. Wenn es gebaut wird, wäre es weltweit das erste modulare Fahrrad.

Interview: Thomas Aistleitner

Konzept-Modell

netzwerk-verkehrserziehung: Wie sind Sie auf dieses Konzept gekommen?
Thomas Terschan: Ich bin Mountainbiker und habe verschiedene Fahrräder für mehrere Einsatzzwecke. So ein Fahrrad kostet 3000 bis 5000 Euro, und man muss sie ja alle auch unterbringen. Ich habe mir überlegt, dass man mehrere Fahrradtypen in einem Fahrrad vereinen könnte.

Wofür braucht ein Mountainbiker mehrere Fahrräder?
Es gibt die normalen Mountainbikes für Straßen und Forstwege. Mit Enduro-Bikes, die vorne und hinten gefedert sind, kann man schneller bergab fahren. Für noch mehr Tempo gibt es die Downhill Bikes. Und schließlich Dirt Biking ohne Federung mit 26-Zoll-Rädern für Sprünge und Tricks.

Gibt es solche Systeme schon?
Das habe ich mich auch gefragt und danach gesucht. Es gibt zwar Konzepte für zerlegbare Fahrräder, um bei der Aufbewahrung oder beim Transport Platz zu sparen, aber man kann dabei immer nur dasselbe Fahrrad wieder zusammenbauen.

Ihre Idee ist eine andere?
Meine Idee wäre ein teilbarer Rahmen, der in mehrere Teile gegliedert ist und wieder zusammengesteckt werden kann. So kann ich verschiedene Fahrräder bauen – größere und kleinere durch Wechsel der Reifengröße und auch ein Full Suspension Fahrrad mit einer Federung hinten.

Nur durch Stecken gibt es so viele Möglichkeiten?
Ja, mit zwei Schrauben und dem Auswechseln eines Rahmenteils kann ich aus meinem Fahrrad ein völlig anderes machen – in einer halben Stunde.

Wie entwickelt man so etwas als Schüler?
Ich besuche die HTBLVA Ferlach, also eine Fachschule für Waffentechnik und Industriedesign. Da lernt man die Grundlagen für solche Projekte. Die Idee für mein steckbares Rad hatte ich bei einem Praktikum bei einem Fahrradhersteller. Dann habe ich einen Prototyp entworfen, die Festigkeiten berechnet ...

... und jetzt ist er fertig?
Nicht ganz. Der Rahmen ist noch zu schwer. Ich möchte noch Gewicht einsparen, derzeit verwende ich eine Aluminiumlegierung, vielleicht kann ich mehr Karbon einsetzen, das wäre leichter.

Wie kann ein Stecksystem die nötige Stabilität gewährleisten?
Mit einer präzisen Fertigung ist das alles möglich. Man braucht nur ein paar seitliche Schrauben. Das habe ich alles simuliert und berechnet. Als nächstes möchte ich einen Protoypen bauen.

Wie kann es dann weitergehen?
Ich möchte mein Fahrrad parallel zur Weiterentwicklung zum Patent anmelden. Aber das kostet einiges. Wenn es für Europa gelten soll, mindestens 15.000 Euro. Vielleicht finde ich jemanden, den ich ins Boot holen kann.


26. Juni 2017