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„Uns geht es um die Kinder“

Wie kann man Kinder auf die Radfahrprüfung vorbereiten? Der RadClub Wals-Siezenheim in Salzburg macht es vor – ehrenamtlich!

Interview: Thomas Aistleitner

Radparcour im RC-WALS-SIEZENHEIM

Die Freiwillige Radfahrprüfung ist ein Fixpunkt in der vierten Volksschulklasse. Aber immer weniger Kinder sind mit dem Rad unterwegs und nicht alle Eltern nehmen sich die Zeit, bei der Prüfungsvorbereitung zu helfen. Doch die Prüfung besteht nicht nur aus einem theoretischen Test, für den man üben muss. Auch das Radfahren will gelernt sein. Der RadClub Wals-Siezenheim hat sich dafür ein Projekt einfallen lassen. Obmann Norbert Lurger erklärt es im Interview.

Norbert Lurger
Porträt Lurger

netzwerk-verkehrserziehung: Warum engagiert sich der Radclub bei der Vorbereitung für die Freiwillige Radfahrprüfung?
Norbert Lurger: Es gibt einige Kinder im Ort, die schon früh dem Radclub beitreten. Wir sehen, dass es da motorische Defizite gibt.

Welche Defizite sehen Sie bei den Kindern?
Man merkt, dass sie wenig mit dem Fahrrad unterwegs sind. Ich erinnere mich an Zeiten, in denen jedes Kind ein Fahrrad hatte.

Was kann der Radclub dagegen tun?
Unser Techniktraining umfasst acht Stationen und dauert einen Vormittag lang. Wir haben dafür einen eigenen Parcours und andere Hilfsmittel geschaffen. Vor drei Jahren haben wir begonnen, der Gemeinde und der Volksschule anzubieten, bei der Vorbereitung der Kinder auf die Freiwillige Radfahrprüfung zu helfen. Seither gibt es für die vierten Klassen einen halben Tag Techniktraining durch den Radclub.

Was kostet das die Kinder bzw. ihre Eltern?
Wir arbeiten ehrenamtlich und sehen das als Serviceleistung. Unsere Mitarbeiter nehmen sich dafür gegebenenfalls auch einen Urlaubstag. Damit helfen wir auch den Eltern, denn ohne unsere Initiative wäre es die Aufgabe der Eltern ihre Kinder auf die praktische Prüfung vorzubereiten.

Gelingt es, die Kinder auch für das Radfahren zu begeistern – und nicht nur für das Ablegen der Radfahrprüfung?
Ja. Wer will kann auch zu uns in den Radclub zum Schnuppertraining kommen und mitmachen. Als wir angefangen haben, mit Kindern zu arbeiten, haben viele nicht verstanden, dass wir uns diesen Aufwand antun wollen. Aber das ist nun einmal unsere Haltung zum Radfahren – alles beginnt mit den Kindern und den Familien.

Anderswo wird diese Art der Prüfungsvorbereitung gegen Bezahlung angeboten. Was motiviert Sie, hier bei der Vorbereitung ehrenamtlich zu helfen?
Unser Verein orientiert sich am Breitensport, also nicht am Rennsport. Es geht uns um die Bevölkerung und vor allem um die Kinder und die Familien. Wir bieten auch einen Familienradtag an, mit Sammelpunkt am Ziel, mit Medaillen und Tombola für jeden Teilnehmer. Die Routenführung verläuft entlang der Radwege in der Gemeinde, und es sind nur zwei Durchzugsstraßen zu queren. Da haben wir jedes Jahr 600 bis 700 Teilnehmer; es ist praktisch ein autofreier Tag in der Gemeinde.

Wie viele Kinder sind beim Radclub?
Der Radclub hat 240 Mitglieder, davon 65 Kinder und Jugendliche.

Kommen viele Kinder mit dem Fahrrad in die Schule?
Das hängt bei uns von der Verkehrssituation ab. Wo ein Radweg zur Schule führt, kommen auch viele Kinder mit dem Rad.

Fühlen Sie sich gut unterstützt?
Wir tun viel für unsere Ziele und werden auch sehr gut durch Sponsoren unterstützt. Und wir bekommen auch Unterstützung von der Gemeinde: Die Gemeinde baut nun einen Pumptrack, den größten Österreichs, mit einem Budget von 170.000 Euro.

Was bringt ein Pumptrack?
Es wird ein Treffpunkt für das Ortsleben sein. In der Schweiz hat jede kleine und größere Stadt so eine Anlage. Wir haben uns das dort angesehen. Die Anlagen sind immer bevölkert, auch die Schulen gehen für bestimmte Unterrichtseinheiten zum Pumptrack.

Muss man radfahren können, um den Pumptrack zu nutzen?
Nein, schon die Kleinsten können mit ihren Laufrädern darauf fahren. Auch Rollerskates sind erlaubt. Man bekommt dabei Sicherheit und ein Gefühl für Kurvenfahren, Koordination und Gleichgewicht – vor allem aber bringt der Pumptrack Spaß am Radfahren.


15. Mai 2017