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Grundsätzliches zum Unterrichtsprinzip Verkehrserziehung

Von den VerkehrserziehungsreferentInnen an den LSR/SSR Wien und dem Bundesministerium für Bildung und Frauen

Der Lebensraum Verkehr ist wesentlicher Bestandteil unserer Industriegesellschaft und ein Beispiel moderner menschlicher Existenz in einer durch Technik geprägten Welt. Er stellt ein dynamisches und komplexes System dar, das sehr verschiedene, immer von seinen Gesamtzusammenhängen aus bestimmte Elemente aufweist. Die zunehmende Vermehrung und Verdichtung des Straßenverkehrs hat sich vor allem in den letzten zwanzig Jahren zu einem zentralen Problembereich entwickelt, der das alltägliche Leben und Verhalten der Menschen immer stärker beeinflusst. So ist unser Anspruch an Mobilität mit hohen Unfallzahlen ebenso verbunden wie mit Umweltschäden, Lärm, wachsendem Flächenverbrauch und letztendlich mit dem Verlust kindgerechter Lebensräume.
Für ein generelles Umdenken und zur Entwicklung von Alternativen sind Einstellungen und Verhaltensweisen erforderlich, die auch das schulische Lernen betreffen.

1. Aufgaben und Ziele

Zu den traditionellen Zielen der schulischen Verkehrserziehung (Unfallprävention, Sicherheitserziehung und Sozialerziehung) kam in den letzten Jahren eine Reihe von Zielen hinzu, die gesundheits- und umweltverträgliche Faktoren der Mobilität umfassen. Dies hat zur Folge, dass immer häufiger der Begriff „Mobilitätserziehung“ anstelle von „Verkehrserziehung“ verwendet wird.
Während die „Verkehrserziehung“ lange Zeit nur die Anpassung des Schülers/der Schülerin an den Straßenverkehr verfolgte, ist die Hinführung zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den derzeitigen Mobilitätsformen, den unterschiedlichen Aspekten des Verkehrs und seinen Auswirkungen ein wesentliches Ziel der „Mobilitätserziehung“.

Das zentrale Ziel dieser neuen Mobilitätserziehung ist es, die Schülerinnen und Schüler zu befähigen, durch ihre Kenntnisse, Einstellungen und ihr Verhalten die Bedingungen für eine sichere, gesunde, sozial- und umweltverträgliche Mobilität zu verbessern und einen Beitrag zu einer zukunftsorientierten Entwicklung unserer Gesellschaft und Umwelt zu leisten.

Schülerinnen und Schüler nehmen mit steigendem Lebensalter immer intensiver und differenzierter am Verkehrsgeschehen teil. Ihre Mobilitätsbedürfnisse und Ansprüche ändern sich dabei maßgeblich.
Die schulische Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) hat die Aufgabe, unterstützend und helfend an der aktiven, sozialorientierten, voraussehenden und bewussten Integration des Einzelnen in den Lebensraum Verkehr mitzuwirken. Dabei sind gleichermaßen die kognitiven, affektiven und motorischen Aspekte zu berücksichtigen. Sie ist Teil einer umfassenden Sicherheitserziehung.
Die schulische Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) hat darüber hinaus die Aufgabe, das komplexe, vernetzte System Verkehr aus allen sich bietenden Blickwinkeln zu beleuchten und zu hinterfragen. Damit verbunden ist eine zu konstruktiver Mitgestaltung bereite kritische Reflexion des Bereiches Verkehr, also auch dessen, was im Bereich der öffentlichen Institutionen geschieht. Im Rahmen von einschlägigen Schulprojekten besteht die Möglichkeit, an demokratischen Meinungsbildungsprozessen mitzuwirken und auf das Verkehrsumfeld in der eigenen Kommune aktiv einzuwirken.

Die wichtigste Aufgabe der Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) ist es, das Verhalten der Menschen für ein gemeinsames Leben zu beeinflussen. Den Lernenden soll nicht nur neues Wissen vermittelt werden, sondern dauerhafte Änderungen des Verkehrs- und Mobilitätsverhaltens sowie eines adäquaten Wertebewusstseins sind anzustreben.

Die schulische Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) leistet damit wesentliche Beiträge zur Sicherheitserziehung, Sozialerziehung, Umwelt- und Gesundheitserziehung sowie zur politischen Bildung.

1.1 Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) als Beitrag zur Sicherheitserziehung

Sicherheitserziehung umfasst alle pädagogischen Maßnahmen, die Kinder und Jugendliche befähigen, mit Gefahren umzugehen und sich für Unfallverhütung einzusetzen. Aufgabe der schulischen Verkehrserziehung ist es daher, den Schülerinnen und Schülern all jene Qualifikationen zu vermitteln, die sie für ein sicherheitsbewusstes Verhalten im Straßenverkehr benötigen.

Um sicherheitsbewusst handeln zu können, müssen Schülerinnen und Schüler befähigt werden, Gefahren im Straßenverkehr zu erkennen und zu beurteilen, zu bewältigen oder zu meiden, für deren Beseitigung zu sorgen sowie sich nach Verkehrsunfällen angemessen zu verhalten. Dies geschieht u. a. durch den Erwerb von Erfahrungen in Übungssituationen, Anwenden von Regeln, Förderung der Psychomotorik und des Reaktionsvermögens sowie durch den Aufbau eines flexiblen, situationsbezogenen und vorausschauenden Verhaltens.

1.2 Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) als Beitrag zur Sozialerziehung

Die Teilnahme am Straßenverkehr soll als ein auf Partnerschaft gerichtetes soziales Handeln vermittelt werden. Die schulische Verkehrserziehung sollte sowohl die Individuation als auch die Sozialisation der Persönlichkeit stärken. Der Schüler/die Schülerin muss befähigt werden, sich selbstständig und selbstbewusst im System Verkehr zu bewegen und dabei die eigenen Verkehrsabsichten für alle nachvollziehbar zu verfolgen. Kinder und Jugendliche sollen aber auch lernen, auf die anderen VerkehrsteilnehmerInnen und ihre Absichten zu achten sowie Verantwortung für sich selbst und andere zu tragen. Soziales Miteinander im Verkehr kann daher nicht auf das Befolgen von Regeln reduziert werden; es erfordert vielmehr situationsorientiertes flexibles Verhalten, Mitverantwortung, Rücksichtnahme und Verzicht auf Vorrechte sowie die Antizipation der Handlungen anderer.

Dabei ist auch die Kenntnis psychischer Faktoren wichtig; wie etwa die Auseinandersetzung mit den Phänomenen Aggression, Stress, Raserei, Regelverletzungen, Rücksichtslosigkeit, Trauer, Niedergeschlagenheit, Einfluss von Drogen (Alkohol).
Über diesen Weg soll eine moderne Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) auch zu einer Humanisierung des Straßenverkehrs beitragen.

1.3 Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) als Beitrag zur Umwelterziehung

Die gesellschaftspolitische Diskussion über Fragen des Umweltschutzes hat in den letzten zehn Jahren eine neue Qualität erhalten.
Daher müssen die verschiedenen Faktoren von Umweltbelastungen und –zerstörungen durch den Straßenverkehr auch im Rahmen der schulischen Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) thematisiert werden. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich mit ihrem eigenen Verhalten und dem der Erwachsenen kritisch auseinandersetzen und Alternativen zum bestehenden Verkehrsverhalten und zur Verkehrsgestaltung entwickeln. Dies bedeutet zum Beispiel, begründete Entscheidungen bei der Wahl der Verkehrsmittel zu treffen, umweltfreundliche Verkehrsmittel zu nutzen, konkrete Vorschläge zur Gestaltung der Verkehrssituation im unmittelbaren Wohn- und Schulumfeld zu machen und Fragen der Verkehrsplanung und der Verkehrspolitik zu erörtern.

1.4 Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) als Beitrag zur Gesundheitserziehung

Schulische Gesundheitserziehung beinhaltet nicht nur Informationen über Gesundheitsthemen und verhaltenssteuernde Maßnahmen für den Einzelnen, sondern auch die Gestaltung eines gesundheitsfördernden Lebensraumes. Daher ergeben sich zahlreiche Berührungspunkte zwischen Gesundheitserziehung und Verkehrserziehung, wie etwa Fragen der Lärm- und Stressvermeidung, der Schadstoffbelastung in Ballungsräumen, der gesundheitsfördernden Wirkung des Gehens und Radfahrens (auch im Zusammenhang mit dem Schulweg) oder die Bedeutung von vorhandenen (nicht dem Straßenverkehr geopferten) Bewegungs- und Kommunikationsräumen für die Gesundheit.
Darüber hinaus sollen Kinder und Jugendliche lernen, durch ihr Verhalten im Straßenverkehr (angepasste Geschwindigkeit, Verzicht auf Drogen- und Alkoholkonsum, ökologischer Fahrstil etc.) ihre eigene Gesundheit und die Gesundheit der anderen VerkehrsteilnehmerInnen zu bewahren.

1.5 Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) als Beitrag zur Politischen Bildung

Vorhandene Verkehrsprobleme berühren gewöhnlich nicht nur Einzelne, sondern in der Regel ganze Stadtviertel bzw. Ortsteile oder die gesamte Kommune. Wenn Schülerinnen und Schüler etwa im Rahmen eines Projektunterrichtes im Sinne der Verbesserung des Schulumfeldes tätig werden, müssen sie gewöhnlich alle Betroffenen (einschließlich AnrainerInnen), verschiedene Verwaltungsbehörden, einschlägig tätige Organisationen und politische EntscheidungsträgerInnen einbinden. Das bietet die Möglichkeit, sich als mündige StaatsbürgerInnen bewegen und erleben zu können.

2. Schulstufenspezifische Schwerpunkte, Methoden und Organisationsformen

Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) ist in allen Schulformen Unterrichtsprinzip. Kennzeichnend dafür ist, dass das Unterrichtsprinzip Verkehrserziehung nicht ausschließlich durch Lehrstoffangaben dargestellt werden kann, sondern als Verbindung stofflicher, methodischer und erziehungsrelevanter Anforderungen zu verstehen ist. Die Umsetzung des Unterrichtsprinzips Verkehrserziehung soll einen Beitrag zur gezielten Auswahl der im Lehrplan verankerten Lehrinhalte leisten.

Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) als schulische Aufgabe erfordert, in allen Schulstufen und –arten Themen aus dem Gegenstandsbereich Verkehr zu reflektieren. Dafür kommen zahlreiche Unterrichtsgegenstände in Betracht.
Über den Fachunterricht hinaus sollen weitere Formen der Lehr- und Unterrichtsorganisation (z. B. Projekte,) praktiziert werden, um fächerübergreifende Lerninhalte der Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) zu vermitteln.

2.1 Grundstufen I und II

Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) ist in den Grundstufen I und II verbindliche Übung. Das Jahresstundenausmaß beträgt in Volksschulen 10, in Sonderschulen 8 Stunden.

Vor allem im Bereich der Grundstufen I und II ist das praktizierende Lernen in der Verkehrswirklichkeit bevorzugt zu behandeln. Dies erhöht die Chance, Erfahrungen zu machen und dadurch auch erfahren zu werden. Damit wird Ganzheitlichkeit integriert und durch die Handlungsorientierung ein hohes Maß an Bedeutungsstärke erreicht. Es gibt wenige Unterrichtsgegenstände, wo reale Situationen so schnell und leicht verfügbar sind wie in der schulischen Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung). Neben dem Standardprogramm (1.–3. Schulstufe – Üben der für FußgängerInnen wichtigen Fertigkeiten in der Verkehrswirklichkeit unter Aufsicht eines Lehrers/einer Lehrerin und eines Exekutivorgans) bieten auch neue Unterrichtsbehelfe, Lehrausgänge, Exkursionen, Wandertage, Schulsportwochen etc. Anlässe zum Lernen in der Verkehrswirklichkeit.
Die Inhalte der Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) in den Grundstufen I und II werden durch die Anforderungen bestimmt, die an Schülerinnen und Schüler als FußgängerInnen und RadfahrerInnen, bei der Benutzung des Schulbusses und der öffentlichen Verkehrsmittel sowie als MitfahrerInnen im privaten Personenkraftwagen gestellt werden. Eine wichtige Grundlage ist eine umfassende psychomotorische Erziehung, die das Bewegungs-, Wahrnehmungs-, Anpassungs- und Reaktionsvermögen fördert. Wesentlich ist dabei auch, dass die Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler wahrgenommen und ernst genommen werden.

Am Anfang sollte ein Training in der Schulumgebung stehen, in dessen Verlauf die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit LehrerInnen und Eltern ein sicheres Verhalten auf dem Schulweg üben. Richtiges, zunehmend selbstständiges Verhalten des Kindes im Straßenverkehr sollte als Lernleistung anerkannt und auch verstärkt werden.

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Grundstufe II ist die Vorbereitung und Durchführung der „freiwilligen Radfahrprüfung”.
Neben dem Unterricht in der Klasse – besonders im Sachunterricht und in Bewegung und Sport sind u. a. folgende Formen der Lern- und Unterrichtsorganisation möglich:
Übungen zur Wahrnehmung und Motorik; Verkehrsbeobachtung; Durchführung von einschlägigen Projekten und Aktionen (z. B. „Aktion Zebrastreifen”, ”Mach dich sichtbar!”, Aktion „Mach dich sicher“ etc.); Besichtigung und Erkundung; Besuch von/bei Fachleuten; Fahrradparcours; Übungsfahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln etc.
Lernorte sind folglich Klassenzimmer, Sportstätten, Schulhof, Verkehrsgärten und besonders auch die realen Verkehrssituationen im Umfeld von Schule und Wohnung.
Die Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) in den Grundstufen I und II erfordert eine intensive Zusammenarbeit mit Eltern und Exekutive.

2.2 Sekundarstufe I

In der Sekundarstufe I kann Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) in AHS und Hauptschulen als Freigegenstand oder unverbindliche Übung im Bereich der ALLGEMEINEN INTERESSEN- UND BEGABUNGSFÖRDERUNG angeboten werden, an Allgemeinen Sonderschulen als unverbindliche Übung von der 6. bis 8. Schulstufe (1 Wochenstunde – soweit keine schulautonomen Bestimmungen vorliegen).

In der Sekundarstufe I wendet sich die Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) an Schülerinnen und Schüler in einer Altersstufe, in der die Lebensgestaltung in erheblichem Umfang von der Teilnahme am Straßenverkehr geprägt ist. Sie nehmen häufig über weitere Entfernungen am Verkehr teil; die Wahl des Verkehrsmittels wird zunehmend differenzierter. Dabei zeigt sich eine entwicklungsbedingte Neigung zu Regelverletzungen und riskanten Verhaltensweisen auch im Straßenverkehr. Gleichzeitig wächst bei den Kindern und Jugendlichen auch das Interesse an sozialen, ökologischen, ökonomischen und technischen Problemen.

Der inhaltliche Rahmen wird durch die Themen umrissen, die auf ein sicheres und verantwortungsbewusstes Radfahren in unterschiedlichen Verkehrssituationen, auf eine möglichst rational geleitete Auswahl der Verkehrsmittel und –wege, auf die für die Teilnahme am Verkehr notwendigen rechtlichen, medizinischen, psychologischen, sozialen und technischen Kenntnisse und Einsichten in grundlegende verkehrspolitische Fragestellungen zielen.
Die Schule, deren Unterricht in dieser Altersstufe überwiegend fachlich strukturiert ist, muss in der Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) auch fächerübergreifende und -verbindende Aufgabenstellungen anbieten. Neben dem Fachunterricht kommen deshalb u. a. folgende Formen der Lern- und Unterrichtsorganisation in Betracht:

  • fächerübergreifende Projekte (Projektwochen, Projekttage)
  • Lehrausgänge; Lehrfahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln etc.
  • Bewerbe etc.


Lernorte sind neben dem Klassenzimmer der öffentliche Verkehrsraum, z. B. die Verkehrsleitzentrale der Polizei, Verkehrsbetriebe oder auch der Gemeinderat.

2.3 Sekundarstufe II

An allgemeinbildenden höheren sowie an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen kann im Weg der schulischen Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) in Form einer unverbindlichen Übung im Rahmen der Schulautonomie (1 Wochenstunde) auf der 9. oder 10. Schulstufe die Ausbildung zur Erlangung des Mopedausweises durchgeführt werden. In den polytechnischen Schulen kann diese Ausbildung in Form einer unverbindlichen Übung (1 Wochenstunde) angeboten werden.

In Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik wird Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) auf der 12. Schulstufe (Kolleg: 3. und 4. Semester) als verbindliche Übung angeboten, in Bildungsanstalten für Sozialerziehung auf der 9. Schulstufe (Kolleg: 2. Semester) – ebenfalls als verbindliche Übung.

Im Sekundarbereich II richtet sich die Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) an Jugendliche und junge Erwachsene, von denen viele neben dem Fahrrad auch ein motorisiertes Fahrzeug benutzen. Fahrten mehrerer Personen in einem Personenwagen und Gruppenfahrten mit mehreren Fahrzeugen gehören verbreitet zum Gemeinschaftsleben dieser Altersgruppe, die generell die Verkehrsteilnahme als Teil einer individuellen, freien Lebensgestaltung sieht.
Der inhaltliche Rahmen wird durch Themen bestimmt, die über ein vertieftes Verständnis für verkehrswissenschaftliche Fragestellungen den Jugendlichen und den jungen Erwachsenen helfen, eigenverantwortlich, umweltbewusst, sicherheitsbewusst und in partnerschaftlicher Weise am Straßenverkehr teilzunehmen.

Dazu eignen sich u.a. folgende Fragestellungen:

  • physikalisch-technische (Brems- und Anhalteweg, Fliehkräfte, Aquaplaning etc.),
  • verkehrsmedizinische (Drogen, Alkohol, verkehrsbedingter Bewegungsmangel etc.),
  • verkehrspsychologische (Aggression, Imponiergehabe etc.),
  • ökologische (Schadstoffe, Flächenverbrauch etc.),
  • ökonomische (Güterverkehr, Einsatz verschiedener Transportmittel etc.),
  • rechtliche (Kaufverträge, Verschuldensfragen, Haftung, Versicherung etc.),
  • philosophische (Verantwortung, Qualität und Wert menschlichen Lebens etc.).


Ausgehend von der Technikfaszination Jugendlicher soll versucht werden, in der Phase des Führerscheinerwerbs ein neues Verständnis von individueller Mobilität und Autonutzung zu etablieren und eine entsprechende Gewohnheitsbildung zu fördern. Im Einzelnen lassen sich folgende Kriterien für das Leitbild einer sozial- und umweltverträglichen, auf Sicherheit orientierten Verkehrsteilnahme festhalten:

  • Das Geschehen im Straßenverkehr wird als soziale Interaktion zwischen Personen mit gleichberechtigten Interessen erlebt.
  • Konfliktlösungen werden durch Kommunikation angestrebt, es wird eine flexible Situationsanpassung versucht.
  • Umweltbewusste Verkehrsteilnahme äußert sich nicht nur bei der Verkehrsmittelwahl, sondern auch beim Autobesitz bzw. Autokauf.
  • Umweltverträgliches Autofahren beinhaltet, dass man die Verkehrsteilnahme nicht als Selbstzweck ansieht, sondern erfordert eine überlegte Autoverwendung.


Neben dem Fachunterricht bieten sich u.a. folgende Formen der Lern- und Unterrichtsorganisation an:

  • Projektunterricht
  • Lehr- oder Studienfahrten
  • Βewerbe etc.


Lernorte sind neben den Klassenräumen, Übungsplätzen und der Verkehrswirklichkeit z.B. Beratungsstellen, wissenschaftliche Einrichtungen, Polizei- und Gendarmeriedienststellen, Gerichte, Nahverkehrseinrichtungen etc.

3. Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) und Schulautonomie

Beginnend mit dem Schuljahr 1993/94 wurde die Schulautonomie in den Schulgesetzen verankert. Sie eröffnet und erweitert die Handlungsspielräume der einzelnen Schulen.
Die Lehrplanautonomie erleichtert den einzelnen Schulen zum Beispiel:

  • die inhaltliche Profil- oder Schwerpunktbildung,
  • die Anwendung neuer Lern- und Arbeitsformen (z. B. offene Lernformen, Projektunterricht),
  • eine flexiblere Lernorganisation (z. B. Teilung einer Klasse in Kleingruppen, Blockung von Unterrichtsstunden).


Im Rahmen der Schulautonomie bietet Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) auch interessante Anregungen für die Gestaltung des Schulprofils oder für Schwerpunktsetzungen.

4. Pädagogische Hochschulen

Ausbildungsgänge an den Pädagogischen Akademien sehen Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) als einsemestrige Lehrveranstaltung (1 Wochenstunde) vor.
Qualifizierter Unterricht erfordert die Aufnahme entsprechender Inhalte in die LehrerInnenausbildung. Im Laufe ihrer Ausbildung sollen die StudentInnen an den Pädagogischen Hochschulen das Grundwissen darüber erwerben, wie die in den einzelnen Lehrplänen festgeschriebenen Inhalte der schulischen Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) methodisch richtig und ansprechend umzusetzen sind.
LehrerInnenfortbildung hat vorrangig die Aufgabe, das Verständnis für den integrativen Ansatz der Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) im Sinne von Sicherheits-, Umwelt-, Sozial- und Gesundheitserziehung zu vermitteln, neue Erkenntnisse und Entwicklungen vorzustellen und geeignete Methoden und Formen der Lern- und Unterrichtsorganisation für die Verkehrserziehung (Mobilitätserziehung) aufzuzeigen.