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„Wir begleiten dich nach Hause -

alle zusammen!“

In der VS Schukowitzgasse wird der Schulweg jedes Kindes gemeinsam gegangen. Das fördert die Verkehrssicherheit und gefällt den Kindern, berichtet Direktorin Karin Roth.

Interview: Thomas Aistleitner

Kinder beim Heimbringprojekt

netzwerk-verkehrserziehung: Frau Direktor, die VS Schukowitzgasse fällt immer wieder mit engagierten Projekten zur Verkehrserziehung auf. Woher kommt der hohe Stellenwert für dieses Thema in Ihrer Schule?
Karin Roth:
Wir sind eine umweltzeichenzertifizierte Schule, schon von daher ist das Mobilitätsverhalten ein großes Thema für uns. Wir haben heuer 369 Schülerinnen und Schüler, wir haben eine Bushaltestelle, aber die meisten Kinder werden mit dem Auto in die Schule gefahren.

Was sagen die Kinder dazu, vielleicht ist es für sie ja passend?
Wir haben in Zusammenarbeit mit „klimaaktiv“ eine Erhebung gemacht. Wir haben die Kinder gefragt: Wie kommt ihr in die Schule? Und wir wollten wissen: Wie würdet ihr gerne in die Schule kommen?

Gab es da Unterschiede?
Sehr große sogar. Die wenigsten Kinder lassen sich gerne in die Schule fahren. Sie möchten auch nicht zu Fuß gehen und von den Eltern dabei begleitet werden. Sie würden am liebsten mit dem Fahrrad oder dem Scooter kommen. Aber das dürfen Sie nicht, nicht einmal auf dem Gehsteig, so lange sie unter zehn Jahre alt sind und die freiwillige Radfahrprüfung nicht abgelegt haben.

Was kann man mit so einem Ergebnis tun?
Wir haben das Verkehrsschlangenspiel durchgeführt. Und wir haben festgestellt: Wenn die Kinder einmal die Möglichkeit bekommen, zu Fuß in die Schule zu gehen, empfinden sie das als sehr positives Erlebnis. Sie sagen, dass sie durch dieses Spiel endlich einmal allein mit dem Bus fahren oder auch zu Fuß zur Schule gehen durften, denn sonst sind die Eltern zu ängstlich, um ihnen das zu erlauben.

Betrifft das nur die kleinsten Kinder oder Kinder aus allen Schulstufen?
In den ersten Klassen werden die meisten Kinder mit dem Auto gebracht. Erst in den höheren Klassen steigt der Anteil der Kinder, die zu Fuß gehen dürfen.

Sind die Eltern wirklich zu ängstlich?
Das kann man nicht pauschal sagen. Wir haben ein sehr großes Einzugsgebiet. Es gibt fast überall Gehsteige, aber eben auch Straßen ohne Gehsteige. Wir werden auch als Schule aktiv und versuchen, Gehsteige und Schutzwege zu erwirken. Es gibt in der Nähe der Schule eine sehr gefährliche ungeregelte Kreuzung mit viel Schwerverkehr. Da verstehe ich die Eltern.

Wie ist es zum Heimbring-Projekt gekommen?
Meine Kollegin Julia Sachs hat dieses Projekt als Studentin kennengelernt und führt es heuer bereits zum dritten Mal zusammen mit Ursula Olejak mit ihren beiden ersten Klassen durch. In den ersten fünf Schulwochen werden jeden Tag zwei bis drei Kinder von allen ihren Mitschülern nach Hause begleitet. Auf dem Weg werden Verkehrserziehungsthemen besprochen: Signale, Gefahrenstellen, Ampelfarben.

Und wenn ein Kind weiter weg wohnt und mit dem Bus kommt?
Die Kinder, die mit dem Bus in die Schule kommen, werden auch mit dem Bus nach Hause begleitet. Dabei lernen alle Kinder der Klasse, wie man sich an einer Haltestelle verhält, was im Bus zu beachten ist, und dass nicht immer der kürzeste Weg der sicherste ist, gerade an einer Bushaltestelle.

Wie kommen die Kinder dann wieder zurück?
Oft gibt es eine kleine Stärkung, wenn ein Kind „abgegeben“ wurde. Wenn Kinder in der Nähe voneinander wohnen, begleiten wir mehrere nach Hause. Dann geht die Klasse wieder zurück in die Schule. Für die Kinder ist das ein schönes gemeinsames Erlebnis, und sie kommen durch diese Wege erst darauf, wie nahe manche von ihnen zueinander wohnen.
Durch die Wohnnähe entstehen oft schneller Freundschaften zwischen den Kindern.

Wie stehen die Eltern dazu?
Das Projekt stärkt die Elterngemeinschaft, die so einen guten Überblick bekommt, wo genau die anderen Familien wohnen. Natürlich wird das Heimbringprojekt vorher bei einem Elternabend erklärt.
Die Eltern stehen der Idee sehr positiv gegenüber und unterstützen die Lehrerinnen, indem sie die Klassen begleiten

Wie erklären Sie den Eltern den Sinn des Projekts?
Für uns ist es wichtig, dass die Kinder erkennen, dass es Alternativen zum Autofahren gibt, die entspannter und lustbetonter sind. Kinder empfinden es auch als negativ, von den Eltern zur Schule gebracht zu werden, weil sie in ihrer Selbstständigkeit nicht wahrgenommen werden. Allein im Verkehr unterwegs zu sein ist für sie ein Stück Selbstständigkeit.


6. März 2017