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Physik auf der Straße

Welche Kräfte im Auto wirken, erfahren Jugendliche in Niederösterreich jetzt mit am eigenen Körper.

Von Thomas Aistleitner

Schüler erlebt Fahrphysik hautnah

Doppelte Geschwindigkeit ist 4-facher Bremsweg. Was rasch berechnet werden kann, ist aus der Sicht von Jugendlichen nicht immer nachvollziehbar. Deshalb haben der Landesschulrat für Niederösterreich und die ÖAMTC Fahrtechnik mit „Fahrphysik erleben“ ein in Österreich einzigartiges Modell entwickelt, bei dem Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren Inhalte des Physikunterrichts erleben, erfahren und somit einfacher verstehen können.

ÖAMTC-Verbandsdirektor Oliver Schmerold erklärt: „Bei diesem Programm erleben die Jugendlichen im sicheren Rahmen was passiert, wenn man an die Grenzen der Physik stößt. Es ist eine Erfahrung, die auch noch in Erinnerung ist, wenn die SchülerInnen später einmal selbst das Steuer übernehmen.“

Jugendliche erfahren die Anziehungskraft der Naturgesetze

„Fahrphysik erleben“ bietet die Verknüpfung von Theorie und Praxis. Die SchülerInnen werden im Physikunterricht durch begleitende Materialien vorbereitet, die von Physiklehrkräften und der Landesschulinspektorin für Mathematik und Physik in Niederösterreich, Mag.ª Hermine Rögner ausgearbeitet wurden: „Die Erlebnisse für die SchülerInnen sind einzigartig. Sie spüren, was es bedeutet, wenn ein Auto in der Kurve ausbricht. Was versteht man unter dem Übersteuern oder Untersteuern eines Autos und wie reagiert man richtig? Sie spüren, was Aquaplaning bedeutet und wie das Auto reagiert. Wie sitze ich richtig im Auto? Welche Folgen hat es, wenn ich die Sitzposition nicht richtig eingenommen habe? Wie weit soll das Lenkrad vom Körper entfernt sein? Was passiert mit Gegenständen im Fahrzeugraum? Das ist sehr beeindruckend und ich habe auch selbst den einen oder anderen Punkt für mich mitgenommen, den ich schon längst nicht mehr beachtet habe.“

„Wir leisten mit dem Projekt einen Beitrag zu mehr Verkehrssicherheit für diese jugendliche Zielgruppe. Darum haben wir uns entschlossen, diese Exkursion als fixen Bestandteil des Unterrichts für die 9. und 10. Schulstufe aufzunehmen", so Johann Heuras, amtsführender Präsident des Landesschulrates für Niederösterreich.

Kostenloses Programm für AHS

Das Programm richtet sich an Mittelschulen ab der 9. Schulstufe. Es ist kostenlos und auf drei Einheiten á 50 Minuten ausgelegt. Bei Interesse können Lehrkräfte ihre Klasse unter fahrtechnik@oeamtc.at anmelden. Das Programm steht derzeit in den niederösterreichischen Fahrtechnik-Zentren in Teesdorf und Melk zur Verfügung.

„Wir haben den AHS die Informationen, an welchen Tagen im Jahr die Exkursion möglich ist, zugeschickt“, sagt Hermine Rögner. „Ist der Termin ausgebucht, wird ein Ersatztermin gesucht. Umsetzbar sind bis zu zwei Klassen am Vormittag. Für dieses Jahr ist schon vieles ausgebucht.“

Die Landesschulinspektorin ist überrascht über das große Interesse: „Ich hätte mir nicht gedacht, dass es so einschlägt.“ Unterdessen gibt es bereits neue Pläne: „Wir sind auf der Suche nach Sponsoren, um die Kosten reduzieren zu können. Denn wir wollen uns nicht nur auf die AHS konzentrieren, Zielgruppe sollten alle Jugendlichen in der Oberstufe sein, also auch die berufsbildenden Schulen.“


23. Jänner 2017