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„Am Wochenende wird geübt“

Der Radfahrparcours der VS Schönau wird über die Schule hinaus genützt. Direktorin Maria Atteneder möchte Kinder früher allein Rad fahren lassen.

Interview: Thomas Aistleitner

Radtraining am Parcours

netzwerk-verkehrserziehung.at: Frau Direktor, fahren viele ihrer Schulkinder mit dem Rad in die Schule?
Maria Atteneder: Wir leben in einer sehr bergigen Gegend mit großen Höhenunterschieden. Darum ist der Schulweg für unsere Kinder nicht so einfach zu bewältigen. Dazu kommt noch, dass viele unserer Kinder einen sehr weiten Schulweg haben, den sie mit dem Schulbus zurücklegen.

Macht es einen Unterschied, ob die Kinder die Radfahrprüfung abgelegt haben?
Ja, nach der Radfahrprüfung steigt die Anzahl der RadfahrerInnen.

Welche Rolle spielt das Radfahren in der VS Schönau?
Wir gestalten unseren Unterricht in Bewegung und Sport so, dass immer „radrelevante“ Übungen dabei sind, und das bereits ab der ersten Schulstufe. Erfreulich ist auch, dass wir die Kinder dafür begeistern können, viel mit dem Rad auf unserem Radparcours zu fahren, um immer sicherer zu werden und den Herausforderungen im Straßenverkehr gewachsen zu sein.

Für wen ist der Radparcours zugänglich?
Den Parcours haben wir über das Land Oberösterreich bekommen. Er steht vor der Schule, und jeder kann kommen und ihn aufbauen und damit üben. Das funktioniert hervorragend. Am Wochenende kommen Eltern mit ihren Kindern und üben mit dem Parcours das Radfahren.

Können Sie den Parcours weiterempfehlen?
In jeder Schule sollte es einen Radparcours geben, den die Kinder nicht nur im Unterricht nützen können, sondern auch mit den Eltern in der Freizeit. Dabei trainieren sie die Radgeschicklichkeit und werden ganz spielerisch sicherer und selbstbewusster. Diese Erfahrung machen wir schon seit einigen Jahren in unserer Schule!

Sind Kinder heute „verkehrstauglicher“ als früher oder sogar unsicherer unterwegs? Können sie besser oder weniger gut radfahren?
Mir fällt seit vielen Jahren auf, dass immer mehr Kinder mit Mängeln in der motorischen Geschicklichkeit zu uns in die Schule kommen. Und wenn es in diesem Bereich Defizite gibt, wirkt sich das auf das Gleichgewicht, die Geschicklichkeit, die Sicherheit und die Raumorientierung aus. Somit haben diese Kinder auch beim Radfahren oft enorme Schwierigkeiten.

Haben Sie Vorschläge zur Verkehrserziehung in der Schule? Was könnte man verbessern?
Die Verbindliche Übung Verkehrserziehung hat sich in vielen Volksschulen auf bestimmte Bereiche „reduziert“ – Lehrausgang in der 1. Klasse, Radfahren in der 4. Klasse. Leider fehlen auch entsprechende Unterlagen für den VE-Unterricht für die Schülerinnen und Schüler, aber auch für die Lehrerinnen und Lehrer. Ich wünsche mir zeitgemäßes Unterrichtsmaterial, das didaktisch gut aufbereitet ist und auch Informationen für die Eltern beinhaltet.

Mit den gesetzlichen Grundlagen der Verkehrserziehung sind Sie zufrieden?
Ich vertrete die Ansicht, dass alle Kinder, die die freiwillige Radfahrprüfung bestanden haben, sofort aktive VerkehrsteilnehmerInnen werden, und nicht erst, wenn sie das 10. Lebensjahr vollendet haben. Denn eines ist sicher: Nach der Radfahrprüfung ist alles noch frisch im Gedächtnis. Und so werde ich mich auch dementsprechend verhalten und achtsam sein. Darum müsste das Gesetz dahingehend verändert werden.

Was könnten Schulen tun, um Kinder „beweglicher“ und „verkehrstauglicher“ zu machen?
Ich habe bereits die Motorik angesprochen: Manche Eltern geben ihren Kinder keine Chance, sich zu bewegen: Sie werden überallhin „kutschiert“ und die Dinge werden ihnen buchstäblich nachgetragen. Das Kind darf oft gar nicht zu Fuß gehen, selbst wenn es das möchte. Daher plädiere ich für eine „Eltern- und Schulbushaltestelle“ einige hundert Meter von der Schule entfernt. Das Kind hat dann wenigstens die Möglichkeit, einige Schritte bis zur Schule zu gehen und mit dem Straßenverkehr vertraut zu werden. Ein gemeinsamer Schulweg wäre auch für die Kinder untereinander ein Fortschritt auf sozialer Ebene!


17. Oktober 2016