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„Wie mach ich’s richtig?“

In Vorarlberg wird Verkehrserziehung flächendeckend unterrichtet. 60 Jahre sind seit den Anfängen vergangen – ein Grund zum Feiern! Wir blicken mit Verkehrserziehungsreferentin Angelika Walser zurück.

Interview: Thomas Aistleitner

Bub mit seinem Fahrrad

Die flächendeckende Verkehrserziehung in Vorarlberg beruht auf der engen Zusammenarbeit von Polizei, Kuratorium für Verkehrserziehung (KFV), Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA), Initiative „Sicheres Vorarlberg“, ÖAMTC, ARBÖ, Land Vorarlberg und dem Landesschulrat. Die Verkehrserziehung hat in den vergangenen sechs Jahrzehnten wesentlich dazu beigetragen, dass trotz ständig zunehmendem Verkehr die Zahl der Unfälle mit Kindern und Jugendlichen in Vorarlberg zurückgegangen ist. Dipl.-Päd. Angelika Walser ist Fachinspektorin an APS und Verkehrserziehungsreferentin für Vorarlberg.

Frau Walser, wie hat die lange Geschichte der Verkehrserziehung in Vorarlberg begonnen?
Angelika Walser: In Vorarlberg waren bereits im Schuljahr 1953/54 die ersten Elternlotsen, sechs Mütter aus Dornbirn, im Einsatz. Hofrat Dir. Walter Drexel setzte sich in den Jahren 1956/57 ehrenamtlich für die Verkehrserziehung an den Schulen ein. Er war der Mann, der die Verkehrserziehung im Land entscheidend beeinflusste. Im Jahr 1965/66 wurde er offizieller Schulverkehrserzieher. Seine Arbeit bewirkte die Einführung der Verkehrserziehung durch die Exekutive an den Schulen und die Einrichtung der Schülerlotsendienste. Seit 1971 sind wir auch im Kindergarten tätig. In jedem Kindergarten sind 20 Stunden im Jahr für die Verkehrserziehung reserviert (siehe auch Kasten rechts).

Was ist das Ziel der Verkehrserziehung?
Die schulische Verkehrserziehung umfasst Informationen über die Zusammenhänge der Verkehrsregelung und des Verkehrsablaufs. Dazu gehören neben den Kenntnissen der Verkehrsregeln, Verkehrszeichen und dem Verhalten im Straßenverkehr auch ein grundlegendes Wissen über das Erkennen von Gefahren, Verhalten bei Unfällen, Erste-Hilfe-Leistungen und das Wissen über eine umweltschonende Mobilität. Wie mach ich’s richtig? – Das sollte jedes Kind und jeder Jugendliche wissen. Dieses Wissen zu vermitteln ist unser Ziel.

Wie kann dieses Ziel erreicht werden?
Für diese wichtige Präventionsarbeit ist geeignetes Personal besonders wichtig. Deshalb ist die Teilnahme der Exekutive ein entscheidender Punkt unserer Aktivitäten. Ebenso ist die Unterstützung des Landes und die Zusammenarbeit mit den oben genannten Partnern der Verkehrserziehung von großer Bedeutung. Nur gemeinsam können wir etwas bewirken!

Was hat sich in diesen Jahrzehnten verändert?
In den letzten sechzig Jahren hat sich dank vieler sehr engagierter Menschen die Verkehrserziehung zu einem guten und wichtigen Bestandteil in unserer Bildungslandschaft entwickelt. Vieles konnte thematisiert werden, einiges konnte verbessert werden. Schon seit mehreren Jahren bekommt jedes Volksschulkind in der ersten Klasse ein Sicherheitspaket überreicht. Dazu gehört auch eine Warnweste, die von den Schulkindern getragen wird. Auch Fahrradhelme werden nach wie vor in den Schulen angeboten und gekauft. Insgesamt ist die Verkehrserziehung im Lehrplan verankert und wird im Unterricht behandelt – das war nicht immer so. Im Moment bieten wir 39 Angebote zur Verkehrserziehung über die Verkehrserziehungs-Website des Landes an, die alle gut genutzt werden.

Verkehrserziehungs- referentin Angelika Walser
Porträt Angelika Walser

Welche Rolle spielen die Eltern?
Wir versuchen immer wieder, die Eltern einzubeziehen. An den Schulen werden Elternabende veranstaltet, Eltern sind bei Fahrradprüfungen dabei, lernen, wie sie ihr Kind auf den Straßenverkehr vorbereiten können. Ein Hauptthema ist immer wieder der Schulweg. Es geht darum, dass die Kinder zu Fuß und sicher in die Schule und wieder nach Hause gehen können.

Angenommen, Sie könnten drei Maßnahmen zum Thema Verkehr in Österreich durchsetzen – wofür würden Sie sich entscheiden?
1. Als Mutter eines 15-jährigen Sohnes würde ich den Mopedführerschein erst mit 18 Jahren erlauben.
2. Das Gelände rund um die Bildungseinrichtungen würde ich zur autofreien Zone erklären.
3. Ich würde finanzielle Anreize schaffen – für sichere „neue“ Mobiltätswege (Radwege, Fußwege, öffentliches Verkehrsnetz) und diese auch so ausbauen, dass sie für die Bevölkerung eine echte Alternative darstellen!

Wie wird das Jubiläum gefeiert?
Am 12. April findet ein Festakt im Foyer des Landhauses mit der Ausstellung „Werken für die Sicherheit“ statt. Hier werden die Ergebnisse einer Aktion gezeigt, in deren Rahmen Kindergärten und Schulen eingeladen waren, kreative Ideen für die Verkehrssicherheit zu entwickeln. Schließlich findet als Abschlussveranstaltung unseres Jubiläums eine Abendveranstaltung am 15. April statt. Auf dieser Abendveranstaltung werden langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Bereich der Verkehrserziehung geehrt.

Wie viele Kinder erreicht die Verkehrserziehung in Vorarlberg?
Insgesamt erreichen unsere Angebote ca. 30.000 Kinder und Jugendliche in den verschiedenen Bildungseinrichtungen Vorarlbergs – und es werden immer mehr!



4. April 2016