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„Wir fahrn ab!“

European Road Safety Tunes ist eine europaweite Kampagne zur Verkehrssicherheit unter BerufschülerInnen. Die österreichische Umsetzung heißt „Wir fahrn ab“. Workshopleiter Matthias Scheid erklärt, wie er Musik in die Verkehrserziehung bringt.

Interview: Thomas Aistleitner

Musikalische Workshops zur Verkehrssicherheit für Berufsschulen
Musikalische Workshops zur Verkehrssicherheit für Berufsschulen

Letztes Jahr gab es einen Pilotversuch?
Ja, wir haben in der Steiermark acht Workshops mit 20 bis 25 Schülern gemacht. Die Ergebnisse waren vielversprechend und sind hier zu hören: https://soundcloud.com/wir-fahrn-ab. Wir haben aber auch gelernt, welche Begleitung die Schüler brauchen, um ihre Meinungen und Aussagen in konkrete Liedtexte umzuwandeln. Für heuer erwarte ich mir noch bessere Ergebnisse.

Was passiert mit den Songs, die von den Schülern aufgenommen werden?
Sie nehmen an einem nationalen Wettbewerb teil. Für die Bewertung ist ein Facebook-Voting sowie die Beurteilung einer Jury maßgeblich. Die besten Beiträge werden für einen EU-weiten Wettbewerb eingereicht.

Warum ist es passend, Verkehrserziehung auf diese Art anzubieten?
Die Berufsschüler sind eine besonders gefährdete Zielgruppe. Es gibt viele Unfälle, und Alkohol ist ein Thema. Wir wollen ohne den vielzitierten erhobenen Zeigefinger auskommen. Stattdessen soll die Zielgruppe motiviert werden, selbst darüber nachzudenken und zu eigenen Schlussfolgerungen zu kommen. Was kann man tun, um die Unfallzahlen zu reduzieren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Schüler dann zu erzählen beginnen und sich dabei gegenseitig ermahnen. Nachfühlen und Verstehen, das ist unser Motto. Diesen Schwung wollen wir mitnehmen und auch in den Songs darstellen.

Was für Themen werden im Workshop angeschnitten?
Wir bringen einen Unfallbericht mit, der eine Person im Alter der Schüler betrifft. Der macht viele nachdenklich. Sie denken nicht daran, dass sie im Ernstfall sogar ins Gefängnis kommen können, wenn sie einen Unfall verursachen. Wie ist das, wenn man im Gefängnis ist, wie lebt man dort? Wie geht man damit um, an der Verletzung oder dem Tod eines Freundes schuld zu sein? Schließlich die finanzielle Seite: So viel denken die meisten mit, dass sie sagen: Ich fahre immer dort, wo die Polizei nicht steht, damit ich meinen Führerschein nicht verliere.

Was kann man darauf antworten?
Wir kommen dann immer darauf zu sprechen, dass der Verlust des Führerscheins oder auch ein Unfall finanzielle Auswirkungen hat. Das reicht von ein paar hundert bis zu 30.000 Euro oder mehr. Das ist eine Dimension, die für die meisten existenzgefährdend ist. Da kommt dann schon der eine oder die andere drauf: Selbst wenn ein Taxi 20 oder sogar 30 oder 40 Euro kostet, bin ich damit auf der sicheren Seite und riskiere nicht, dass mein Leben von einem Augenblick auf den anderen auf den Kopf gestellt wird.

Musikalische Workshops zur Verkehrssicherheit für Berufsschulen mit Matthias Scheid

Sehen Sie auch positive Entwicklungen?
Ich mache diese Workshops seit sechs Jahren, und ich sehe, dass die Vernunft durchaus da ist. Es gibt Lösungen: Wer ist heute Abend der Fahrer – der trinkt nichts. Solche Absprachen kommen vor. Andere wiederum sagen, dass sie eh gut fahren können, auch wenn sie besoffen sind. Was natürlich nicht der Realität entspricht.

Gibt es dann Widerspruch in der Klasse oder müssen Sie dagegenhalten?
Es gibt Widerspruch. Fast in jeder Klasse sind schon harte Geschichten mit Unfällen passiert, mit Schülern aus der Klasse oder aus dem näheren Umfeld. Solche Geschichten regen zum Nachdenken an – sie wirken.

Alkohol ist ja nur ein Aspekt des Nachtlebens. Was sieht es mit anderen illegalen Substanzen aus?
Cannabis und Amphetamine sind im Straßenverkehr auch verboten. Ich habe aber den Eindruck, dass dieses Problem größer geworden ist und auch von den SchülerInnen selbst immer häufiger angesprochen wird. Aber auch wenn man damit erwischt wird, droht der Verlust des Führerscheins.

Wie kann meine Schule mitmachen?
„Wir fahrn ab“ wird vom Österreichischen Verkehrssicherheitsfonds und von der EU gefördert. Deshalb können wir die Workshops bis 2017 kostenlos anbieten. Das Kontingent ist aber begrenzt, deshalb empfehle ich eine rasche Anmeldung (siehe Kasten).


8. Februar 2016