• Hauptartikel

Chip soll Schulweg sicherer machen

Derzeit wird eine neue App für Autofahrer geplant. Diese soll mittels akustischem Signal auf SchülerInnen aufmerksam macht, die sich am Weg in die Schule befinden. Dazu bekommen die Kinder Chips auf die Kleidung oder die Schultasche gepinnt. „Wenig sinnvoll”, meint Verkehrserziehungs-Expertin Dr. Sabine Bauer.

Von Michael Achleitner

Kinder auf dem Weg zur Schule.

Fußgänger leben als schwächste Verkehrsteilnehmer trotz rückläufiger Unfalltendenz gefährlich: 4.129 wurden allein im Vorjahr in Österreich verletzt. Davon waren 490 Kinder, die laut Statistik Austria auf dem Schulweg in einen Unfall verwickelt waren.

Die Linzer Softwarehersteller Catalysts entwickeln nun gemeinsam mit dem Wiener Unternehmen Schutzengel eine spezielle App, die künftig für deutlich mehr Sicherheit sorgen soll. Einmal abonniert und auf das Handy geladen (die monatlichen Kosten belaufen sich auf 99 Cent –) wird der Autofahrer rechtzeitig akkustisch über mögliche Gefahrenquellen gewarnt – etwa dann, wenn sich in der Nähe eine Schule oder ein Kindergarten befindet.

Chip sendet Warnsignal

Man möchte dem Ganzen aber noch eins draufsetzen und Kinder mit einem speziellen Chip ausstatten, der dann Autofahrer via App warnt. Der Projektverantwortliche Steindl im Standard-Interview: „Der Chip kann an der Schultasche befestigt werden. Befindet sich etwa eine Gruppe von mehreren Kindern – statistisch steigt da die Unfallgefahr – in Straßennähe, sendet der Chip via App an den Autolenker ein Akustiksignal.”

Mehrere Projektpartner, etwa das Kuratorium für Verkehrssicherheit, hätten schon Interesse angemeldet, so der Software-Spezialist: „Die Entwicklung ist so weit abgeschlossen, im Frühling starten wir dann gemeinsam mit dem oberösterreichischen Landesschulrat ein Pilotprojekt an mehreren Schulen.”

Der richtige Weg?

Bleibt die Frage, ob diese Entwicklung für Kinder verkehrssicherheitstechnisch der richtige Weg ist. Die Verkehrserziehungs-Expertin des BMBF, Dr. Sabine Bauer, hält nicht viel von solchen Lösungen. „Bei Angeboten wie diesem wird suggeriert, dass Kinder, die mit einem solchen Chip ausgestattet werden, am Schulweg und damit im Verkehr sicher sind. Langfristig führt das dann wie beim Helmtragen dazu, dass Nichtverwender bei Unfällen Teilschuld erhalten. Was passiert mit den Kindern, die den Chip verwenden? Werden sie sich weniger verantwortlich fühlen, da sie der Chip ja vermeintlich schützt? Was ist, wenn sie sich auf den Chip verlassen, dieser aber nicht funktioniert? Ich warne sehr stark davor, dass Kinder Verantwortung an eine elektronische Einheit abgeben", so die Expertin.

Sinnvolle Maßnahmen setzen

Ziel aller Bemühungen sollte es sein, dass sich Kinder selbständig, kompetent und sicher im Straßenverkehr bewegen lernen. „Ich bin dafür, dass man in der Schulumgebung mit dem Verkehrstempo runtergeht, den Verkehr beruhigt, Querungsstellen aufplastert, Gehsteige vorzieht, die Polizei den Verkehr kontrolliert, oder – so wie das in Bozen gemacht wird – vor Schulbeginn die Straßen für Autos sperrt”, so Dr. Bauer. Das macht den Schulweg längerfristig wirklich sicherer.


25. Jänner 2016