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Vor der Radfahrprüfung

In Oberösterreich absolvieren Schülerinnen und Schüler der dritten Klassen ein kostenloses Radtrainung. Thomas Hinterreiter trainiert sie.

Interview: Thomas Aistleitner

Radcoach Thomas Hinterreiter trainiert Volksschulklassen
Radcoach Thomas Hinterreiter trainiert Volksschulklassen

Das Land Oberösterreich bietet in Kooperation mit dem Landesschulrat für Oberösterreich und der ARGE Verkehrserziehung OÖ ein kostenloses Radtraining für Schülerinnen und Schüler der 3. Klassen an Volksschulen an. Es wird vom Landesschulrat per Erlass empfohlen. Warum ein spezielles Training noch vor der Radfahrprüfung? Diese Frage stellen wir Thomas Hinterreiter, der seit über vier Jahren im Rahmen dieses Projekts als Trainer dabei ist.

Worum geht es in diesem Projekt, was will man erreichen?
Thomas Hinterreiter: Das Training heißt „Der/die perfekte RadfahrerIn“ und wird den Schulen kostenlos angeboten. Ich bin seit viereinhalb Jahren, seit den Anfängen, dabei. Ursprünglich haben wir ein Training für die 5. Schulstufe angeboten, also in den Hauptschulen. Es war als der Radfahrprüfung nachgelagertes Training gedacht.

Warum hat man sich dann aus der Hauptschule zurückgezogen?
Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es sinnvoll ist, die Kinder möglichst früh auf das Radfahren vorzubereiten. Deshalb haben wir das Projekt im Jahr 2014 in die Volksschule verlegt.

Was sind die Inhalte des Trainings?
Es ist ein vollständig praktisches Training, findet aber im Schulbereich statt. Wir trainieren die Kinder outdoor. Sie kommen mit ihren Rädern und Radhelmen in die Schule, und wir sperren den Schulhof oder den Parkplatz. Dort bauen wir unsere Gerätschaften auf.

Was wird aufgebaut für den Parcour?
Wir bringen Holzklötze zum Slalomfahren, Geschicklichkeitsübungen auf einer engen Schiene, wir simulieren einen Bahnübergang und verändern mit einem Rüttelbrett den Untergrund.

Wie läuft das Training ab?
Wir sind immer zu zweit und trainieren eine Schulklasse. Das Training dauert zwei Unterrichtseinheiten. Zuerst führen wir Radchecks durch und überprüfen die Sicherheit der Räder ...

... und dann ist noch genug Zeit für das eigentliche Training?
Ja, wir machen es mit den SchülerInnen gemeinsam. Wir checken Vorder- und Hinterbremse, die Lichter, die Rückstrahler, die Klingel, die seitlichen Reflektoren und bestätigen die Sicherheit mit Aufklebern. Es gibt acht Aufkleber, und die Kinder überprüfen und bekleben die Ausrüstung selbst. Dann gehen die Instruktoren noch einmal durch und kontrollieren. Auf diese Weise sind wir mit der Überprüfung recht schnell. Was an Ausrüstung fehlt, wird den Kindern als Info für die Eltern mitgegeben.

Der Melonen-Test: Mit und ohne Helm (zum Vergrößern Bild anklicken)
Der Melonen-Test: Mit und ohne Helm

Wie geht es dann weiter?
Als nächstes testen wir die Helme. Wir haben Wassermelonen mit, die wir in einen Testhelm packen und damit demonstrieren, was mit der Melone passiet, wenn der Helm runterfüllt. Wir schauen auch, wie der Helm richtig sitzt, dafür gibt es einige Tipps und Tricks, die wichtig sind. Denn auch vielen Eltern fällt es schwer, den Sitz des Helms zu kontrollieren (siehe Kasten rechts).

Wird auch die Fahrweise überprüft?
Ja, nach dem Helmtest geht es auf dem Rad weiter. Wie bremst man richtig? Wie verhält man sich an einer Kreuzung? Welche Verkehrszeichen sind wichtig?

Wie sind Sie dazugekommen?
Meine Mutter ist Hauptschullehrerin, ihre Kollegin war Radfahrbeauftragte an der Schule. So bin ich dazugekommen, zuerst nebenbei, jetzt auch organisatorisch.

Man hört und liest immer wieder, die „heutigen Kinder“ wären in Sachen Motorik, Kontrolle und Selbstvertrauen ungeschickter als frühere Generationen. Können Sie diesen Eindruck bestätigen?
Nein. Wenn es einen Unterschied gibt, dann nicht zwischen den Generationen, sondern zwischen Stadt und Land. Auf dem Land können manche Kinder schon in der dritten Klasse Volksschule einhändig abbiegen, bei Stadtkindern sieht man das seltener. Aber die Lernkurve ist extrem hoch, die Kinder haben das in ein, zwei Stunden aufgeholt – das sehen wir bei unseren Trainings.

Was muss ich tun, um das Radtraining an meine Schule zu holen?
Es gibt ein Anmeldeverfahren, denn wir haben nur bestimmte Kapazitäten, auch wenn diese laufend erweitert werden. Wenn sich die Schule anmeldet, wird sie einem Team zugeteilt. Termine werden von März bis Juni sowie im September und Oktober durchgeführt. Wer sich jetzt anmeldet, kann noch im Frühjahr drankommen.


11. Jänner 2016