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SERIE: BERUFE IM VEKEHR

„Wer sich gut einschätzen kann,

fährt auch gut Auto“

Instruktorin Ellen Dehnert erklärt, aus welchen Gründen AutofahrerInnen zum Fahrtraining kommen und was sie an ihrer Tätigkeit besonders schätzt.

Interview: Thomas Aistleitner

Carina Ellen Dehnert beim Fahrtechnikkurs im Auto

netzwerk-verkehrserziehung: Frau Dehnert, Sie sind Instruktorin. Wie kommt man in diesen Beruf?
Ellen Dehnert: Instruktor ist kein Beruf im klassischen Sinn. Die entgeltliche Weiterbildung von FahrzeuglenkerInnen ist eine Tätigkeit. Es gibt dafür eine gesetzliche Grundlage, aber keine staatliche Prüfung.

Wie wird man dafür ausgebildet?
Meine Ausbildung habe ich bei meinem Auftraggeber, der ÖAMTC Fahrtechnik, absolviert, der diese für mich vorfinanziert hat. Es beginnt mit einem Auswahlverfahren, in dem nach Motivation und Interessen gefragt wird. Dann folgen theoretische Grundlagen und sehr viel Praxis.

Was ist der Inhalt der Praxisausbildung?
Wir hospitieren bei den laufenden Kursen und übernehmen dann nach und nach Teile des Trainings, sind dabei aber immer unter Aufsicht. Bei mir hat es ein Dreivierteljahr gedauert, bevor ich selbst einen Kurs leiten durfte. Das kommt immer auf die zeitlichen Ressourcen an. Seither arbeite ich im ÖAMTC Fahrtechnik Zentrum Teesdorf in der Nähe von Baden bei Wien.

Instruktorin Ellen Dehnert
Instruktorin Ellen Dehnert

Hatten Sie Vorwissen für diese Tätigkeit?
Ja, ich bin Fahrschullehrerin für Motorrad und Pkw, das ist kein Nachteil, aber auch nicht Bedingung.

Warum sind Sie von der Fahrschule gewechselt, was war Ihre Motivation?
Ich war Fahrschullehrerin, als 2003 die Mehrphasenausbildung zum Führerschein eingeführt wurde. Ich bin der Meinung, dass man sich beim Autofahren regelmäßig weiterbilden sollte. Ich war auch neugierig darauf, was von der Führerscheinausbildung noch abrufbar ist, wenn man Jahre später zum Fahrtraining kommt.

Wer kommt zum Fahrtraining?
Das Fahrtraining richtet sich an alle FührerscheinbesitzerInnen, unter ihnen ist die Bandbreite groß. Bestimmte TeilnehmerInnen müssen kommen, so die eben angesprochenen, frischgebackenen Pkw- und MotorradlenkerInnen. Seit 2009 müssen auch BerufskraftfahrerInnen von Nutzfahrzeugen alle fünf Jahre zur Weiterbildung. Dazu kommen Personen, die wegen eines Deliktes zur Nachschulung müssen.

Was sind das für Delikte, die eine Nachschulung nach sich ziehen?
Das kann ein unzureichend gesichertes Kind sein, Fehler bei der Ladungssicherung oder das Lenken eines Autos mit technischen Mängeln.

Wer kommt freiwillig zum Training?
Auch hier gibt es die unterschiedlichsten Motive. Freiwillig kommt, wer sein Sicherheitsgefühl erhöhen will, wer sein Fahrverhalten im Winter verbessern möchte, wer sein neues Auto besser kennen lernen will.

Was macht Ihrer Erfahrung nach einen guten Autofahrer/eine gute Autofahrerin aus?
Die besten AutofahrerInnen finden sich in der Gruppe, die sich selbst realistisch einschätzen kann und auch deshalb zum Fahrtraining kommt. Sie verhalten sich ihrem Können entsprechend.

Wann kann man zum Fahrtraining kommen?
Wir bieten die Trainings an sieben Tagen in der Woche ganzjährig an. Für die InstruktorInnen bedeutet das eine gewisse Freiheit bei der Gestaltung der Arbeitszeit, aber auch Arbeit am Wochenende. Gut ist, dass ich mich bei Bedarf auch von einem qualifizierten Kollegen bzw. einer Kollegin vertreten lassen kann.

Was gefällt Ihnen daran, Instruktorin zu sein?
Sehr vieles: Zunächst interessieren mich natürlich Autos und das Autofahren. Dann die Abwechslung, die sich durch die vielen verschiedenen Kunden ergibt, die zu uns kommen. Beim Arbeiten draußen zu sein, auch bei Wind und Wetter, hab ich gern. Und es macht Sinn: Ich darf einen aktiven Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten.

Wie viele InstruktorInnen gibt es?
Wir sind österreichweit etwas mehr als 200 Instruktoren, davon zehn Prozent Frauen.

Mit welchem Verkehrsmittel sind Sie privat unterwegs?
Früher bin ich viel mit dem Auto und dem Motorrad gefahren. Heute bin ich in der Stadt mit Öffis, mit dem Fahrrad und zu Fuß unterwegs.

Gibt es Verkehrszeichen, die man einführen oder abschaffen sollte?
Man könnte über die Sinnhaftigkeit mancher Stopptafeln nachdenken. Interessant wäre eine Verkehrstafel, die LenkerInnen erkennt und „lahmlegt“, die ein Handy in der Hand haben.

Es gibt den Vorschlag, die Gültigkeit von roten Ampeln für RadfahrerInnen abzuschaffen.
Man würde damit legalisieren, was vielfach bereits praktiziert wird. Die Sicherheit wird damit nicht erhöht – RadfahrerInnen müssten umso mehr aufpassen, weil die Situation auf Kreuzungen noch komplexer würde. Ich persönlich finde, dass so etwas Grundsätzliches wie eine rote Ampel für alle VerkehrsteilnehmerInnen verbindlich gelten sollte.


30. November 2015