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„Wir kommen in Ihre Schule“

Die ÖBB verstärken Ihre Bemühungen um Sicherheit für junge Menschen und wollen die Jugendlichen in den Schulen erreichen. Herbert Ofner, Leiter strateg. Kommunikation bei der ÖBB-Infrastruktur, erklärt netzwerk-verkehrserziehung.at die Hintergründe der Kampagne.

Interview: Thomas Aistleitner

Ausschnitt aus einem der ÖBB-Sicherheits-Sujets

Wer eine Eisenbahn–Kreuzung oder Bahngleise achtlos quert, riskiert nicht nur eine Strafe, sondern sein Leben. Leider passiert das trotzdem immer wieder. Die ÖBB versuchen seit Jahren, mit drastischen Plaketen zu den vier Schwerpunktthemen Achtung Sicherheitslinie, Achtung Eisenbahnkreuzung, Vorsicht Starkstrom und Vorsicht – keine Gleise queren vor unvorsichtigem Verhalten und Leichtsinn am Bahnhof zu warnen (netzwerk-verkehrserziehung.at berichtete). Heuer wollen Sie gezielt die Schülerinnen und Schüler persönlich ansprechen.

netzwerk-verkehrserziehung.at: Herr Ofner, die Motive der neuen Kampagne kennt man schon, den Leitsatz „Bleib auf der sicheren Seite“ auch. Was ist neu?
Herbert Ofner: Wir haben viele neue Elemente in die Kampagne aufgenommen. Neu sind etwa drei zusätzliche Videospots zum Thema „sicheres Verhalten am Bahnsteig“ und ein Videospot mit Helmi, der sich an Volksschüler richtet. Das facebook-basierte Onlinespiel Safetytrain.at (vormals: „Yolotrain“) wurde einem kompletten Relaunch unterzogen, der sehr gut bei den Jugendlichen ankommt: Nach nur etwas mehr als einer Woche nach dem Neustart hatten wir einen Userzuwachs von rund 9000 SpielerInnen. Anfang November wurde die 100.000-Spieler-Marke geknackt – so viele Spieler haben das Spiel seit dem Launch im Herbst 2014 gespielt. Außerdem wurden die Plakat-Sujets modifiziert: Die neuen Plakate kommen ohne die Fotografie eines (vermeintlich) tödlich verunglückten Kindes aus. Diese Fotos haben sehr polarisiert – und das war gut so, denn diese Diskussionen, die auch via Medien geführt wurden, haben der Kampagne die nötige Aufmerksamkeit gegeben. Neu ist, dass anstelle dieser Kinderfotografien Verunglückte in Umrissen mit Kreidestrichen angedeutet werden. Die Botschaft ist aber nach wie vor glasklar: Leichtsinn oder Unvorsichtigkeit kann tödlich enden.

An wen richtet sich die Kampagne?
An alle Schülerinnen und Schüler sowie an junge Erwachsene. Die Videospots sind teilweise schon recht heftig, aber wir haben auch in Kooperation mit dem Kuratorium für Verkehrssicherheit einen „Helmi“-Spot für Vorschule und Volksschule, in dem unsere Themen kindergerecht erklärt werden. Die Zielgruppe Jugendliche ist auch Botschafter für Familie, Verwandte und Bekannte – das funktioniert bereits sehr gut.

Wie viele Schulen sollen erreicht werden?
Wir wollen in zwei Jahren die 7. und 8. Schulstufen aller Schulen Österreichs erreichen, das sind rund 1400 Schulen.

Ein ehrgeiziger Plan, fast 80 Schulbesuche pro Monat ...
... und wir meinen, es gibt einen Bedarf dafür. Es passieren immer wieder schwere Unfälle. Letztes Jahr im Herbst sind an drei Wochenenden hintereinander Jugendliche auf Zugdächer geklettert, in die Nähe von 15.000-Volt-Leitungen gekommen und durch Stromschlag schwer verunglückt.

In die Nähe gekommen – das genügt schon?
Ja, dazu muss man zweierlei wissen. Erstens kann auch ein abgestellter Waggon auf einer Abstellanlage eine Stromleitung haben. Zweitens kann der Strom über kurze Distanzen überschlagen. Man kommt nur in die Nähe der Leitung und 15.000 Volt fließen durch den Körper – das ist meist tödlich, in jedem Fall kommt es zu schwersten Verbrennungen. Dazu kommt noch der Sturz vom Dach des Wagons …

Wie viele Menschen sind in den letzten Jahren an Gleisanlagen verunglückt, wie viele Unfälle gab es an Eisenbahnkreuzungen, wie viele Tote?
Die Zahl der tödlich Verunglückten und Schwerverletzten geht kontinuierlich zurück – so hat sich die Zahl der Unfälle durch „unerlaubtes Bewegen auf Gleisanlagen“ von 25 im Jahr 2010 auf 13 im Jahr 2014 nahezu halbiert. Das bestätigt uns in unserem Tun.

Welches Verhalten wollen Sie noch in Frage stellen?
Ein zweiter Schwerpunkt ist die Sicherheitslinie, manchmal ist sie gelb, manchmal weiß, in beiden Fällen sollte man weder darauf balancieren noch sie überqueren, so lange der Zug nicht gehalten hat.

Was erzählen Sie in den Schulen?
Wir beginnen in Barcelona, wo vor fünf Jahren 13 Jugendliche starben, als sie die Gleise überquerten anstatt die Unterführung zu benützen. Dann gehen wir auf typische Gefahren in der Nähe von Bahnanlagen ein und illustrieren diese mit den Sicherheitsvideos und Sujets unserer Kampagne. Schließlich präsentieren wir das Sicherheitsspiel „Safety Train”.

Sehr häufig sieht man auch Jugendliche und Erwachsene mit In-Ear-Kopfhörern. Was sagt die ÖBB dazu?
Sie sind nicht verboten, aber gefährlich, da man – bei entsprechender Lautstärke – weder Lautsprecherdurchsagen noch sich nähernde Züge hört.

Wie kann man sich als Schule für einen Besuch der ÖBB mit Präsentation anmelden?
Wir schreiben von uns aus alle Schulen an. Sollten Sie allerdings dein Eindruck haben, dass es an Ihrer Schule eine besondere, potenziell „heikle“ Situation mit Ihren SchülerInnen auf/in der Nähe von Bahnanlagen gibt, so kontaktieren Sie uns bitte per Mail: sicherheitskampagne@oebb.at

Was wäre so eine besondere Situation?
Wir haben etwa vor kurzem eine Schule in Hadersdorf besucht. Dort haben einige SchülerInnen Selfies von sich am Gleis gemacht – ein Wahnsinn, wenn ich daran denke, was dabei passieren hätte können. Die Schulleitung hat richtig gehandelt und uns kontaktiert. Wir haben mit den Schülern und Schülerinnen gesprochen und konnten durch den Vortrag und das gemeinsame Diskutieren zum Nachdenken und Reflektieren des eigenen Verhaltens anregen. Wir haben auch ein sehr positives Feedback von der Schulleitung bekommen.

 

16. November 2015