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„Am Lenkrad bin ich mein eigener Chef“

In Salzburg gibt es keine Straßenbahn, aber ein großes Obusnetz. Wie ist es, einen 18 Meter langen Bus zu fahren? Obuslenkerin Carina Ortner antwortet.

Interview: Thomas Aistleitner

Carina Ortner im Obus

netzwerk-verkehrserziehung: Wie wird man Obuslenkerin, wie lange dauert die Ausbildung?
Carina Ortner: Man braucht den Führerschein D und die Grundqualifikation D95. Dazu kommt eine sechswöchige Obus-Ausbildung mit Theorie und Praxis bei der Salzburg AG.

Was lernt man in dieser Ausbildung?
Natürlich lernt man die Technik zu verstehen und zu beherrschen, besonders das Thema Oberleitung. Dazu kommen die Tarife, der Umgang mit den Kunden. Wie reagiere ich, wenn es Verspätungen gibt? Wie funktioniert die Klapprampe um den Einstieg mit Rollstühlen zu erleichtern?

Was war Ihr Motiv diesen Beruf zu ergreifen?
Ich war gerade auf Jobsuche und habe gelesen, dass die Salzburg AG Lenker sucht. Es war eine ganz spontane Entscheidung. Ich bin jetzt 30 Jahre alt und seit dreieinhalb Jahren dabei.

Was hat man für Dienstzeiten?
Das ist ganz verschieden, es gibt einen Frühdienst, einen Nachmittagsdienst und einen Spätdienst. Der Frühdienst beginnt ab vier Uhr morgens und dauert bis Mittag.

Gibt es viele Lenkerinnen oder sind sie in der Minderzahl?
Wir sind 21 Lenkerinnen. Insgesamt gibt es 270 Fahrerinnen und Fahrer beim Obus in Salzburg.

Gibt es für Busse spezielle Verkehrsregeln?
Der Linienbus hat im Ortsgebiet Vorrang bei der Ausfahrt aus den Haltestellen. Beim Einordnen bzw. beim Abfahren bei den Kreuzungen vor einer Ampelanlage gibt es teilweise Sonderregelungen für den Linienverkehr. Man kann beim Linksabbiegen von der Geradeaus-Spur aus abbiegen, dafür gibt es ein spezielles Ampelsignal.

Warum darf der Obus von der Geradeaus-Spur aus links abbiegen?
Ein Bus ist 18 Meter lang und braucht viel Platz, die Kurve könnte sonst teilweise zu eng sein.

Worauf muss man als Buslenkerin im Verkehr besonders achten?
Wir müssen rechtzeitig den Blinker setzen und dabei die Reaktionszeit der Autofahrer mitberechnen. Durch die Länge des Fahrzeuges gibt es natürlich tote Winkel, die beim Bus größer sind als beim Auto. Deshalb muss ich so fahren, dass ich für die anderen Verkehrsteilnehmer berechenbarer bin.

Waren Sie schon einmal in einer gefährlichen Situation?
Nein, zum Glück ist noch nie etwas passiert.

Werden in Ihrem Beruf Leute gesucht?
Ja, wer die Ausbildung macht, hat gute Jobchancen. Eine Matura muss man nicht haben, aber es ist wichtig, dass man gerne mit großen Fahrzeugen im Stadtverkehr unterwegs ist und Freude daran hat, viel mit Menschen zu tun zu haben.

Was haben Sie beruflich noch vor?
Mir gefällt diese Arbeit. Es ist ein sicherer Arbeitsplatz, das Fahren und der Kundenkontakt machen mir Freude. Ich bin mein eigener Chef, sobald ich hinter dem Lenkrad sitze. Ich möchte mich weiterbilden und Fahrmeisterin werden.

Welche Aufgaben hat die Leitstelle?
Die Leitstelle ist die sogenannte Einsatzzentrale beim Obus. Der Disponent weiß immer wo sich die einzelnen Obusse im Liniennetz befinden. Über Funk können wir Kontakt mit der Leitstelle aufnehmen, bzw. erhalten wir wichtige Informationen.

Fahren Sie privat auch mit dem Auto?
Ich fahre am liebsten mit Öffis oder gehe zu Fuß. Ich wohne in der Stadt, da brauche ich kein Auto.

Gibt es etwas, das Sie ändern würden im Verkehr oder bei den Verkehrsregeln?
Ja. Ich würde mir wünschen, dass es verboten ist, einen Bus zu überholen, der in der Haltestelle steht.


2. November 2015