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Serie: Berufe im Verkehr

Allein am Führerstand

Wie wird man Lokführer und wie arbeitet man in diesem Beruf? Lokführer Rudolf Schweitzer erklärt die Arbeit am Führerstand.

Interview: Thomas Aistleitner

Rudolf Schweitzer am Führerstand

Wie wird man LokführerIn?
Bei mir war es so, dass ich bei den ÖBB Maschinenschlosser gelernt und dann mit dieser Qualifikation die Ausbildung zum Lokführer begonnen habe. Früher war eine technische Berufsausbildung oder ein Maturaabschluss Voraussetzung, um Lokführer zu werden. Heute reicht ein Lehrabschluss, aber es bewerben sich immer öfter MaturantInnen.

Wie lange dauert die Ausbildung?
Die Ausbildung dauerte früher insgesamt 27 Monate. Diese beinhaltete eine Diesel- und eine E-Lok-Ausbildung mit staatlichem Prüfungsabschluss sowie den praktischen Teil als Beimann. Nach einer umfangreichen bestandenen Dienstprüfung konnte man an den verschiedensten Dienststellen als TriebfahrzeugführerIn eingesetzt werden. Die neue Ausbildung dauert 39 Wochen. Nach einem erfolgreichen Bewerbungsgespräch sowie einer ärztlichen und eignungspsychologischen Tauglichkeitsuntersuchung steht der Ausbildung, die vier theoretische Module und drei praxisbezogene Einheiten beinhaltet, nichts mehr im Weg. Ein Fahrtrainer bzw. eine Fahrtrainerin begleitet die Nachwuchskräfte einige Wochen um ihnen die nötige Sicherheit zu geben.

Kann ein LokführerIn jede Lok fahren, oder ist man SpezialistIn für bestimmte Loks und Strecken?
Jede/r LokführerIn muss für das Triebfahrzeug, das sie/er zum Führen von Zügen benötigt, eine Typenkenntnis haben. Damit man auf einer Strecke fahren darf, braucht man eine entsprechende Streckenkenntnis. Man arbeitet heute strecken- und dienststellenbezogen. Es gibt Dienststellen, die nur E-Loks betreiben, während andere nur Dieselloks einsetzen. Meine Dienststelle ist St. Pölten, ich fahre eher im Regionalverkehr.

Arbeiten Sie im Schichtdienst? Wie lange vorher kennen Sie ihren Dienstplan und wissen, wann Sie arbeiten werden?
Wir arbeiten im Turnusdienst Tag und Nacht rund um die Uhr. Man fängt als Springer an, da weiß man die Schicht spätestens 3 Tage vorher. Das Planpersonal bekommt den Dienstplan spätestens 14 Tage vorher. Eine Schicht dauert meistens 10 bis 12 Stunden.

Hat man als LokführerIn im Führerstand viel zu tun und viel zu entscheiden? Wie autonom ist man unterwegs?
Der Lokführer bzw. die Lokführerin ist allein am Führerstand einer Lok. Es gibt bei Dienstantritt einiges zu tun: Kontrolle von Normen- und Vorschriftenänderungen, für die Betriebsabwicklung eine technische Überprüfung der Lokomotive,  das Hochfahren eines Laptops, der mittlerweile zum Alltag eines Lokführers gehört. Da gibt es wichtige Informationen über Fahrzeug, Zug, Änderungen von Geschwindigkeiten auf der Strecke, Bauarbeiten, Frachtpapiere, gefährliche Ladungen. Mit all diesen Informationen programmiert man die Lok, die man erst dann in Betrieb nehmen kann. Als LokführerIn hat man die alleinige Verantwortung für den gesamten Zug. Das Beschleunigen, Fahren und Bremsen eines Zuges erfolgt manuell. Natürlich gibt es technische Einrichtungen im Zug, die die LokführerInnen bei ihrer Tätigkeit unterstützen bzw. technisch überwachen.

Könnte man, wenn man will, eine Lok zu schnell fahren, also rasen wie auf der Autobahn?
Der Lokführer bzw. die Likführerin müsste ganz bewusst gegen die Vorschriften handeln, Sicherheitseinrichtungen abschalten, das System manipulieren, all das wären kriminelle Handlungen. Alle diese Handlungen werden genauestens in einer Art Blackbox aufgezeichnet und gespeichert.

Als Fahrgast erlebt man es immer wieder, dass ein Zug stehenbleibt, damit ein anderer vorfahren kann. Gibt es dafür Regeln, welcher Zug vorfahren darf?
Ja, sicher. Ein railjet (Fernverkehrszug) hat Vorrang gegenüber einem Regionalzug, denn im railjet fahren viele Anschlussreisende mit. Im Güterverkehr gibt es Ladungen mit Schiffsanschluss oder Ladungen, die nur eine bestimmte Zeitlang unterwegs sein dürfen. Wenn einmal etwas passiert, ein Unwetter, eine Verspätung, entsteht daraus immer ein Dominoeffekt.

Würden Sie einem jungen Menschen raten, den Beruf zu ergreifen?
Es ist ein sehr verantwortungsvoller, sehr anstrengender Beruf, aber für mich ist es ein schöner Beruf, ich kann ihn empfehlen.

Mit welchen Verkehrsmitteln sind Sie privat unterwegs?
Ich fahre mit dem Fahrrad zur Arbeit und von der Arbeit nach Hause, nur notfalls mit dem Auto oder mit dem Motorrad. Ich fahre auch privat sehr gern mit dem Zug, es ist eine angenehme Zeit. Ich fahre demnächst nach Berlin, das tue ich mir mit dem Auto nicht an.


4. Mai 2015