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„Ablenkung wird unterschätzt“

Verkehrserziehung aus der Sicht einer Verkehrsjuristin: Welche Aspekte sind die wichtigsten, was fehlt, was könnte man anders machen? Interview mit Verkehrsjuristin Christina Holzer-Weiß.

Interview: Thomas Aistleitner

Radfahrerin mit Handy übersieht Auto

Wie wird man Verkehrsjuristin, wie sind Sie es geworden?
Christina Holzer-Weiß: Ich habe in Salzburg Jus studiert und im Anschluss daran die Gerichtspraxis absolviert. Die Spezialisierung auf Verkehrsrechtsthemen steht in Zusammenhang mit meiner Arbeit in der Rechtsabteilung des ÖAMTC Salzburg.

Was für eine Arbeit ist es, welche Aufgaben haben Sie, womit haben Sie häufig zu tun?
Es geht bei meiner Arbeit darum, die Mitglieder des ÖAMTC Salzburg in allen verkehrsrechtlichen Themen zu beraten und zu unterstützen. Dies reicht vom Straßenverkehrsrecht über die außergerichtliche Abwicklung von Verkehrsunfällen, die Beratung im Zusammenhang mit Autokäufen, Führerscheinthemen sowie auch Verwaltungsstrafen. Überdies halte ich Vorträge, die speziell auf die jeweilige Zielgruppe abgestimmt werden, so z.B. für Jugendliche oder Senioren.

Welche Aspekte bei der Verkehrserziehung sind Ihnen wichtig?
Die Rechtsabteilung arbeitet im Bereich der Verkehrserziehung eng mit den Kolleginnen der Verkehrserziehungsabteilung zusammen. Wir sehen unsere zentrale Aufgabe darin, Kinder von Anfang an auf dem Weg in eine selbständige und sichere Mobilität zu fördern und zu begleiten. Auch bei den Jugendlichen setzen wir auf präventive Maßnahmen ohne erhobenen Zeigefinger, um sie auf Risiken im Straßenverkehr aufmerksam zu machen.

Gibt es in der Verkehrserziehung Themen oder Maßnahmen, die Ihnen fehlen, die man anders machen könnte?
Das Thema „Ablenkung“ wird in der Verkehrserziehung noch zu wenig thematisiert, hier besteht Handlungsbedarf, da dieses Thema bereits eine beachtliche Dimension erreicht hat (sowohl bei Fußgängern, als auch bei Rad-, Moped- und Autofahrern). Weiters ist das Gebot der Rücksichtnahme im Straßenverkehr, das die StVO ja vorschreibt, noch zu wenig bekannt.

Wird in Österreich zu schnell gefahren, wäre Tempo 100 sinnvoll?
Die aktuellen Tempolimits erscheinen uns ausreichend.

Hat Österreich zu viele oder zu wenige Fußgängerzonen?
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten - entscheidend ist, was sich die einzelnen Kommunen wünschen und was im Einklang mit der Bevölkerung sinnvoll umgesetzt werden kann.

Was halten Sie von Shared-Space-Konzepten, haben sie Zukunft?
Falls die Voraussetzungen dafür gegeben sind (Einbeziehung aller Beteiligten, räumliche Gegebenheiten etc.), zeigt sich in der Praxis, dass diese Konzepte durchaus erfolgversprechend sind.

Wenn Sie drei gesetzliche Verkehrsmaßnahmen bestimmen könnten, was würden Sie einführen/verbieten?

  • Eine strengere Überprüfung der Qualität in der Führerschein-Ausbildung.
  • Eine Reduktion des Schilderwaldes, um mehr Verkehrssicherheit zu schaffen
  • Innerörtliche Geschwindigkeitsbeschränkungen (Tempo 30) sollen dort verordnet werden, wo sie aus Verkehrssicherheitsgründen nötig ist, überbordende Schilder- und Zonenflut soll verhindert werden, um im Lichte der Verkehrssicherheit die Akzeptanz nicht zu gefährden.


Warum ist Ihnen Verkehrserziehung wichtig?
Egal wie man im Straßenverkehr unterwegs ist, die gegenseitige Rücksichtnahme ist immer wichtig. Hierzu ist aber auch die Kenntnis der Verkehrsregeln wichtig und das lernt man am besten von Kindheit an.


7. April 2015