• Hauptartikel

„Vorreiter in Sachen Radfahrprüfung”

Interview: Thomas Aistleitner

In Tirol kümmern sich zwei Lehrer hauptamtlich um die freiwillige Radfahrprüfung. Dieter Pantorotto, Verkehrserziehungsreferent, erklärt dieses „gediegene System“.

Die Polizei ist bei der freiwilligen Radfahrprüfung in Tirol bei den Übungen und den Prüfungen immer dabei
Vorbeifahren: Die freiwillige Radfahrprüfung

Netzwerk-verkehrserziehung: Jedes Bundesland in Österreich hat eine freiwillige Radfahrprüfung. Die Tiroler Prüfung ist aber ein bisschen anders als die anderen, wie man hört.
Dieter Pantorotto: Wir sind beim Thema Radfahrprüfung tatsächlich Vorreiter, weil wir seit 40 Jahren eine mobile Verkehrsschule (http://www.verkehrserziehung.tsn.at) haben. Das Land Tirol stellt dafür zwei Lehrer zur Verfügung, die hauptberuflich mit der Verkehrsschule unterwegs sind.

Wie funktioniert das?
Diese Lehrer sind mit zwei Trucks unterwegs, die einen kompletten Verkehrsgarten samt Fahrrädern enthalten. Damit fahren sie jeden Schulstandort dreimal an. Zweimal wird geübt, und beim dritten Mal findet die praktische Prüfung statt.

Woher kommt dieses Equipment?
Es wird vom Raiffeisen-Club zur Verfügung gestellt, inklusive 25 Fahrräder pro Lkw. Im Gegenzug heißt der Lkw Raiffeisen-Jugendverkehrsschule und ist auch so beschriftet. Die Lehrer wiederum werden vom Land Tirol bezahlt. Insgesamt ist das ein sehr gediegenes System.

Der Lkw

Welche Rolle spielt die Polizei in diesem System?
Die Polizei ist bei uns immer dabei, sowohl bei den Übungen als auch bei den Prüfungen. Nur die Theorieprüfung findet in der Schule statt. Nach bestandener Prüfung werden sofort die Radfahrausweise ausgestellt. So bekommen jedes Jahr rund 6000 Volksschüler in Tirol einen Radfahrausweis.

Warum ist die Polizei nicht nur bei der Prüfung dabei?
Bei uns sind bei jeder praktischen Übung ein bis zwei Beamte vom Polizeiposten dabei. Sie stellen sich an den neuralgischen Punkten auf oder fahren den Parcour mit den Kindern ab. Die Zusammenarbeit ist hervorragend.

Warum sind Sie Verkehrserzieher geworden?
Ich war vor einigen Jahren in einer Steuerungsgruppe für die Qualitätsentwicklung in der Volksschule, und da wurde gefragt, wer Interesse daran hätte. Es war immer mein Liebkind im Unterricht und so habe ich mich gemeldet. Ganz in den Anfängen meiner Lehrerlaufbahn gab es an der PÄDAK einen Kurs für Verkehrserziehung. Man durfte Verkehrserziehung nur unterrichten, wenn man den Kurs besucht hatte.

Machen Sie an Ihrer Schule auch Verkehrserziehung?
Sie hat bei uns an der Volksschule einen hohen Stellenwort. Wir machen Mobilitätsmanagement in Zusammenarbeit mit dem Klimabündnis Tirol. Bei uns gehen fast alle Kinder zu Fuß in die Schule. In den ersten Schulwochen führen wir den Pedibus, das macht Spaß und da bekommen die Kinder ihre Aufkleber. Wenn man diese Aktivitäten jahrelang konsequent setzt, trägt das Früchte.


9. Februar 2015