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Abstand macht sicher

Zu geringer Seitenabstand zwischen überholenden Autos und RadfahrerInnen gefährdet die Sicherheit letzterer. Auch unbedacht geöffnete Autotüren führten schon zu zahlreichen Unfällen. Die Radlobby möchte nun ein Umdenken bei AutofahrerInnen erwirken.

Von Michael Achleitner

Skizze zum Abstand zwischen Radfahrer und Auto

Radfahrer stürzen, weil sie Druckschwankungen nicht genügend ausgleichen können. Sie machen Fahrfehler, weil sie aufgrund des zu geringen Abstandes zum vorbeifahrenden Auto erschrecken. Die Radlobby fordert nach Vorbild der jüngsten portugiesischen Gesetzesänderung auch in Österreich die Verankerung eines verpflichtenden Seitenabstands für Kfz beim Überholen von RadlerInnen mit zumindest 1,5 Meter in der StVO!“, fasst Alec Hager, Sprecher Radlobby Österreich, die Forderung an den Gesetzgeber zusammen.

Der Sicherheitsabstand ist die Knautschzone der Radfahrenden. Diese einzuhalten ist eine Frage der Rücksichtnahme der Kfz-LenkerInnen.

Labiles dynamisches Gleichgewicht

Zu beachten ist dabei, das Grundprinzip des Radfahrens – das Pendeln rund um die angestrebte Fahrlinie. Der Radfahrer/die Radfahrerin befindet sich in einem labilen, dynamischen Gleichgewicht. Dies führt zu den beobachtbaren Schlangenlinien beim Radfahren. Kurven und Ausweichbewegungen werden immer mit einem Lenkausschlag in die Gegenrichtung eingeleitet, bei schnellen und deutlichen Richtungsänderungen ist dieser Ausschlag größer.

Der Abstand ist definiert als die kleinste Entfernung zwischen zwei Körpern. Bei Fahrrädern ist dies nicht, wie oft angenommen, der Abstand der Fahrlinie beispielsweise zum Auto, sondern der äußerste Punkt des Radfahrers (also meist das Ende der Lenkstange). Bedenkt man das labile dynamische Gleichgewicht muss ein zusätzlicher Sicherheitsabstand eingehalten werden.

Überraschender und damit tückisch gefährlich (und aus einem geschlossenen Fahrzeug kaum bemerkbar) sind Luftbewegungen. Solange der Wind gleichmäßig weht, ist er für RadfahrerInnen unkritisch, da man sich darauf einstellen kann. Interessant wird es, wenn er böig ist oder von der Seite kommt – dann muss meist der Fahrraum rasch ausgeweitet werden. Geübte RadfahrerInnen kommen mit einigen 10 cm aus. Weniger geübte benötigen wesentlich mehr. Auch darauf müssen AutofahrerInnen achten.

Verhaltensempfehlungen für RadfahrerInnen

Aber nicht nur Kfz-LenkerInnen, auch RadfahrerInnen können durch Ihr Verhalten deutlich dazu beitragen, als gleichberechtigte fahrzeugführende VerkehrsteilnehmerInnen wahrgenommen zu werden. Dazu gehört in erster Linie Präsenz auf der Fahrbahn, aber auch die selbstbewusste Inanspruchnahme des Verkehrsraumes. Auch die richtige Spurwahl der RadlerInnen, die genug Abstand zu parkenden Autos und Fahrbahnrändern halten sollten, um enges Überholen und Türunfälle zu vermeiden, muss von den RadlerInnen beachtet werden.


28. Juli 2014