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Ideen für den Kindergarten

Wie kann Verkehrserziehung für Kleinkinder aussehen? Pädagogin Renate Semler hat es ausprobiert.

Von: Thomas Aistleitner

Kindergartenkinder und Pädagogin beim Arbeiten mit ROKO

Renate Semler ist Kindergartenpädagogin und Leiterin des Kindergartens Altenberg in Niederösterreich. Selbstständigkeit, Inklusion und soziales und emotionales Miteinander sind Schwerpunkte in diesem Kindergarten, ebenso wie die Verkehrserziehung. Wir fragten die Kleinkindpädagogin, wie Verkehrserziehung im Kindergarten funktioniert und welche Medien sich dafür eignen.

netzwerk-verkehrserziehung: Frau Semler, was kann man mit Kindergartenkindern in der Verkehrserziehung tun – außer sie zu beschützen?
Renate Semler: Lernen im Kleinkindalter findet in der jeweiligen konkreten Situation statt, dabei nehmen sie ihre Erfahrungen mit allen Sinnen auf.

Wie kann man sich das vorstellen?
Ein Beispiel: Wir haben vor dem Kindergarten eine Zufahrt zum Parkplatz. Da gehen die Kinder sehr gerne hin, weil die Zufahrt abgeschrägt ist. Dort fahren sie mit ihren Dreirädern und Rädern. Wir nehmen das als Bildungsanlass und teile die Straße mit Kreide in zwei Fahrbahnen und male Stopptafeln und einen Zebrastreifen darauf.

Die Kinder halten sich daran?
Wir als begleitende Personen achten darauf, dass die Kinder die Regeln einhalten. Wenn ein Kind auf der falschen „Straßenseite“ fährt, bekommt es die Information, wo es fahren soll. Wenn ein Kind die „Straße“ überquert, zeigen wir ihm unseren selbstgemalten Zebrastreifen. Wenn es am Zebrastreifen losgehen will, erinnere ich daran, links und rechts zu schauen. All das sind kleine Infos in der jeweiligen Situation.

Was bewirken diese Informationen?
Wenn Kinder das regelmäßig erleben und erfahren, sind diese Regeln im Alltag eingeprägt und die Kinder entwickeln ein Regelbewusstsein – und das ganz ohne Angst und Strafe.

Der Hinweis auf die Gefährlichkeit der Autos bringt nichts?
Kinder in diesem Alter leben im Konkreten und sind auf der Kopfebene für solche Botschaften nicht erreichbar. Angst und Druck sind die schlechtesten Lernbegleiter. 

Was tun Sie, wenn ein Kind diese Botschaften immer wieder vergisst?
Dann erfährt es die Grenze. Ich sage dem Kind: „Ich möchte, dass du jetzt ganz in meiner Nähe bleibst, dann kann ich dich leichter erinnern.“ Diese Situation oder ähnliche werden dann noch in einer Geschichte vertieft und das Kind holt sich das heraus, was in diesem Moment für seine Entwicklung wichtig ist. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten um auf verschiedene Verkehrssituationen einzugehen – etwa Zeichnungen, Bücher, in der Rhythmik (z. B. auf ein akustisches oder visuelles Signal anhalten).

Nicht jeder Kindergarten hat einen bemalbaren Hof zur Verfügung. Welche Medien kommen noch in Frage?
Wir malen uns Verkehrstafeln oder wir spielen das Magnetspiel. Dafür basteln wir uns eine Verkehrsfläche aus Karton und schieben die Autos oder Fahrräder oder Fußgänger mit Magneten von unten durch die Straßen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Die Ideen und das Interesse der Kinder sollen immer Beachtung finden.

Sie haben als Expertin an der Entwicklung von ROKO teilgenommen, einer Mappe mit Zeitschriften für den Kindergarten, das vom Österreichischen Jugendrotkreuz, der AUVA und dem Kuratorium für Verkehrssicherheit entwickelt wurde. Verwenden Sie das ROKO-Programm auch selbst?
Ja, die zweite ROKO-Ausgabe ist ja der Verkehrssicherheit gewidmet. Wir knüpfen an die Erzählungen in der Zeitschrift an. ROKO ist unser Verkehrsmaskottchen, ich baue ihn immer in Rollenspiele ein, wenn es um Verkehr geht. Das passiert ganz zwanglos in der passenden Situation, wenn das Interesse da ist. In der ROKO-Mappe gibt es auch ein Fingerspiel, das wir oft spielen. 


14. Juli 2014