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Letzte Worte am Bahnhof

Von: Thomas Aistleitner

Mit einer neuen Kampagne wollen die ÖBB Unfälle auf Eisenbahnkreuzungen und Bahnhöfen verhindern.

Die neue ÖBB-Plakatserie
Die neue Plakatserie der ÖBB

Im Vorjahr sind in Österreich 21 Menschen (vier davon unter 21 Jahren) wegen unüberlegtem Handeln und Leichtsinn an Gleisanlagen zum Teil schwer verunglückt, einige leider auch mit tödlichem Ausgang. Besonders Jugendliche begeben sich häufig aus Unwissenheit oder aufgrund falsch verstandener Mutproben in Lebensgefahr. Dazu kommen noch 45 Unfälle mit Verletzungen an Eisenbahnkreuzungen.Die Zahl der Todesopfer an Eisenbahnkreuzungen ist seit Jahren stagnierend bei 12 (2009), 11 (2010), 19 (2011), 14 (2012) und 11 im Jahr 2013. Grund genug für die ÖBB, eine neue Sicherheitskampagne zu starten. Nach den „Andreas Kreuz“-Plakaten aus 2012 lautet der neue Slogan „Bleib auf der sicheren Seite.“

Bleib auf der sicheren Seite

Die Aufforderung „Bleib auf der sicheren Seite“ ist sowohl wörtlich („Bleib hinter der Sicherheitslinie“) als auch im übertragenen Sinne zu verstehen, sagt ÖBB-Sicherheitschef Manfred Kunz. „Wer eine Eisenbahn-Kreuzung oder Bahngleise achtlos quert, riskiert nicht nur eine Strafe, sondern sein Leben.“

Auffällige Plakate

Neben Info-Foldern und Kino-Spots fallen vor allem die Plakate auf. Sie stellen Sätze wie „Das geht sich locker aus“ und „Ich geh über die Gleise, das ist kürzer“ in gemeißelter Schrift in den Vordergrund. „Das sind mögliche letzte Worte“, sagt Manfred Kunz. Neben jedem dieser monumentalen „Grabsteine “ ist ein Schwarzweißfoto eines verunglückten Kindes zu sehen, ein Passfoto mit Geburts- und Todesdatum. Die ÖBB veröffentlicht die Fotos verunglückter Kinder? „Diese Kinder sind fiktive Fälle und nicht wirklich verunglückt“, beruhigt Kunz. „Sie stehen symbolhaft für Unfälle auf Bahnanlagen, die sich aufgrund der Unachtsamkeit von Jugendlichen ereignet haben. Das steht auch auf den Plakaten.“

Achtung Starkstrom

Bahnkreuzungen sind nicht die einzigen Gefahrenzonen. So gab es im letzten Jahr acht Tote durch unbefugtes Betreten von Bahnanlagen, dazu gehören auch die Starkstromunfälle. 15.000 Volt können schon überschlagen, wenn man noch zehn bis 20 Zentimeter von der Leitung entfernt ist. Selbst ÖBB-Techniker dürfen nicht näher als einen Meter an die Leitungen.

Ziel der Kampagne

Ansprechen will man nicht nur Jugendliche: Kinder und Jugendliche sollen mit der ÖBB-Sicherheitskampagne zu Botschaftern der Sicherheit werden und so ihre Familie informieren. Sind Jugendliche geschult und sicher im Umgang mit Gefahrenquellen, geben sie ihr Sicherheitswissen auch an ihr Umfeld weiter – insbesondere an ihre Familie. Durch informierte Kinder und Jugendliche sollen Unfälle an Bahnanlagen vermieden werden.


17. November 2014