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Kiss & Go!

Interview: Thomas Aistleitner

Ein Stück Schulweg allein zu Fuß statt Elterntaxi: Die Volksschule Parsch in Salzburg hat es umgesetzt.

Kinder und Eltern an der Station "Kiss & Go!"

Vor drei Jahren übernahm Martina Fantl die Direktion der Volksschule im Salzburger Stadtteil Parsch. Von Anfang an bot sich ihr jeden Morgen ein Bild, wie es viele Lehrerinnen und Lehrer kennen: Stau vor der Schule, weil viele Eltern ihre Kinder am liebsten direkt vor das Schultor fahren. Die Direktorin setzte sich zum Ziel, dass die Kinder ungehindert zu Fuß in die Schule gehen können.

Dipl.-Päd. Martina Fantl, Direktorin der VS Parsch in Salzburg
Dipl. Päd. Martina Fantl, Direktorin der

Netzwerk-verkehrserziehung: Frau Direktor, was hat sie an der Verkehrssituation vor der Volksschule gestört ?
Martina Fantl: Mein erstes Ziel war und ist der sichere Fußweg der Kinder zur Schule. Wir haben 170 Kinder in der Schule, und wir haben drei kleine Zufahrtsstraßen, die an Schultagen jeden Morgen völlig verparkt waren. Die Kinder sind mitten auf der Straße zur Schule gegangen oder aus Autos ausgestiegen. 

Was kann man dagegen tun?
Ich habe das Straßenamt und das Verkehrsamt aufgesucht und dort ein offenes Ohr gefunden. Wir sind die Stellen persönlich abgegangen, und die zuständigen Politiker haben uns unterstützt. Jetzt sind alle drei Zufahrtsstraßen verbollert. Die Boller sind nicht versenkbar. Damit haben wir die Wege freigemacht, Fußwege und Gehsteige. 

Wo genau stehen die Boller?
Sie sind einen halben Meter neben dem Gehsteig gesetzt. So können die Kinder zu zweit gehen und stellen sich kommunikativ und stressfrei auf die Schule ein. Dieser kurze Weg macht schon einen Unterschied. 

Hindert das Eltern daran, trotzdem bis zur Schule vorzufahren?
Man kann zufahren, und manchmal rufen Eltern an, ob sie mit der Geburtstagstorte vorfahren dürfen.

Wo steigen die Kinder aus den Autos aus?
Wir haben in der Nähe der Schule eine Elternhaltestelle geschaffen mit einer Tafel „Kiss &Go“. Sie ist sieben Meter lang. Eltern können ihre Kinder dort aussteigen lassen. Die Kinder gehen die letzten fünf Minuten zu Fuß.

Wird so eine Zone von den Autofahrern respektiert?
Nicht sofort. Die Polizei hat die Falschparker anfangs konsequent bezettelt, die Anrainer waren böse. Ich habe mit ihnen Kontakt aufgenommen, und das Argument „Sicherer Schulweg“ wurde dann akzeptiert.

Sie haben die Kommunikation mit den Anrainern übernommen?
Auch die Eltern haben mitgemacht. Sie haben gemeinsam ein Informationsschreiben entworfen, das sie auf die parkenden Autos gesteckt haben.

Ist das Projekt „Verkehrssicherheit“ vor der Schule damit abgeschlossen?
Wir arbeiten ständig daran. Am Elternabend der ersten Klassen, rufen wir dazu auf, dass alle Kinder mit Warnwesten in die Schule gehen, das hat mit der Zeit gut gegriffen. Im Elternbrief informiere ich über aktuelle Gefahrenquellen. Alle zwei bis drei Monate erinnere ich daran, dass die Kinder zu Fuß kommen sollen. Aber insgesamt ziehen wir alle am gleichen Strang. So ist der Schulweg bei uns jetzt sehr geordnet.


24. März 2014