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Autozähmen leicht gemacht

Interview: Thomas Aistleitner

Kreativ und partizipativ: Wenn Kinder Verkehrszeichen gestalten und Autos zähmen. Ein Interview mit Fritz Menzl zum Projekt „Wanderschule Feldkirchen“.

Skizze und Realität

Feldkirchen an der Donau in Oberösterreich. Umbauten an den Schulen führten dazu, dass die Schulkinder auf mehrere Standorte im Ort verteilt wurden. Der provisorische Schulbetrieb führte zu „Wanderbewegungen“ zwischen den Ausweichquartieren, dem Turnsaal und der Mittagsverköstigung.

So entstand eine Situation mit Gefahrenpotenzial. Zwar wurden 30 km/h Beschränkungen im Ortskern verordnet und die Querungen provisorisch orange markiert, aber es blieb das Risiko, dass Schulkinder nicht morgens, sondern auch tagsüber auf den Straßen unterwegs sind – also zu Zeiten, in denen Autofahrer nicht mit ihnen rechnen.

Deshalb wurde beschlossen, die Wege der Kinder mit selbst hergestellten Tafeln zu kennzeichnen, und die Querungen besonders auszugestalten. Die Tafeln wurden von Eltern und Kindern an einem Basteltag in der Werkstätte der Neuen Mittelschule angefertigt, dieser Basteltag wurde zusammen mit dem Elternverein organisiert.
Highlight der Sache waren überdimensionierte Buntstifte aus Holzpfählen, hergestellt von Mitarbeitern des Bauhofs. Schilder und Stifte wurden zusammen mit dem Bauhof montiert.

Fritz Menzl hat das Projekt geleitet und die verschiedenen Interessensgruppen vernetzt. 
netzwerk-verkehrserziehung.at: Herr Menzl, wie sind sie zum Projekt Wanderschule Feldkirchen gekommen?
Fritz Menzl: Ich bin selbst Feldkirchner und war auch Elternvereinsobmann der Schule. Es ging darum, sichere Querungen für die Schulkinder zu gestalten.

Warum hat man nicht einfach einen Zebrastreifen angelegt?
Dafür war die notwendige Frequenz nicht gegeben. Die Behörde hatte die Idee, die Querung orange zu gestalten. Doch wir hatten Bedenken, dass zwar die Kinder die Streifen sehen, nicht aber die Autofahrer. Ich hatte die Idee, die Kinder einzubeziehen.

Was war der Input der Kinder?
Wir haben im Sachunterricht mit einer einstündigen Lektion in den 2. bis 4. Volksschulklassen begonnen. Wir haben Bilder vom Feldkirchner Verkehr, auch Luftbilder gesehen. Die Schüler bekamen die Aufgabe, sich etwas zu überlegen, wie andere Verkehrsteilnehmer auf sie aufmerksam werden. Der Auftrag war: Lasst euch etwas einfallen!

Vom Entwurf zum Logo: Ein Kinderentwurf zum „Autozähmen“
Vom Entwurf zum Logo: Ein Kinderentwurf zum „Autozähmen“

Und was ist den Kindern eingefallen?
Wir haben kreative Zeichnungen bekommen und wunderbare Ideen wie ein rotes Gefahrenspiel mit gelbem Rufzeichen und einem Smiley als Punkt. Die gesammelten Vorschläge wurden im Foyer der örtlichen Raiffeisenbank ausgestellt und die Bevölkerung aufgefordert, mit Klebepunkten ihre Favoriten zu markieren.

Wurden diese Favoriten dann auch hergestellt?
Ja, wir haben die Wege der Kinder mit selbst hergestellten Tafeln gekennzeichnet. Der Elternverein hat einen Basteltag in der Werkstätte der Neuen Mittelschule organisiert, und Eltern und Kinder haben dort die Tafeln angefertigt. Das Highlight waren überdimensionierte Buntstifte aus Holzpfählen, hergestellt von Mitarbeitern des Bauhofs nach Entwürfen der Kinder.

Wie wurde die Aktion aufgenommen?
Sie wurde zum Ortsgespräch und hat damit eine breite Wirkung erreicht. Die Buntstifte bringen auch ein Lächeln in die Gesichter der Autofahrer. Humor kann besser wirken als Verkehrszeichen.

Gibt es ein Nachfolgeprojekt oder haben die Zeichen ihren Zweck erfüllt?
Ja, wir haben uns mit den Feldkirchner Volksschülern eine „Autozähmungsaktion“ vorgenommen. Aber das ist eine andere Geschichte! 


2. Dezember 2013