Sicher über die Straße gelotst

Sie gehören zum täglichen Bild an Österreichs Kreuzungen: die Schülerlotsen. Mit Signalstab und Schutzausrüstung ausgestattet, sichern sie jeweils zu zweit einen Übergang auf dem Schulweg und ermöglichen somit ihren Mitschülern das sichere Überqueren.

Von: Michael Achleitner

Die Schülerlotsinnen Katharina Schwaiger (13) und Sarah Leitinger (13) bei der Arbeit
Die Schülerlotsinnen Katharina Schwaiger (13) und Sarah Leitinger (13) bei der Arbeit

Der Schulweg ist eine Gefahrenzone. Vor Schulbeginn ereignen sich die meisten Unfälle mit Kindern als Fußgänger. Kein Wunder, um diese Zeit sind auch die meisten Kinder unterwegs. Dass deshalb viele Eltern ihre Kinder bis vor die Schultür fahren, erhöht die Sicherheit nicht, sagen Experten. Tatsache ist, dass nach wie vor mehr Kinder als Mitfahrer in Autos verunglücken als zu Fuß – die Sicherheit im Auto ist trügerisch. Zudem halten und parken viele Eltern in zweiter Spur oder direkt vor einem Zebrastreifen. Sie bedenken dabei nicht, dass sie Kinder, die zu Fuß in die Schule kommen, dabei gefährden.

Idee stammt aus Salzburg

Eine effektive und bewährte Maßnahme ist die Sicherung des Schulwegs durch die Kinder selbst. Als Schülerlotsen helfen sie ihren Mitschülern und stärken ihre eigene Verkehrskompetenz. Die Idee der Schülerlotsen hat ihren Ursprung in Salzburg – die Hauptschule Lehen war es, die vor etwa 40 Jahren als erste Schule in Österreich die Initiative ins Leben rief. Mittlerweile sorgen Schülerlotsen in ganz Österreich abwechselnd in der Früh und zu Mittag für „geregelte“ Bedingungen. 

Große Verantwortung

Eine gehörige Portion Idealismus ist schon erforderlich um an jedem Schultag, auch bei Wind, Regen und Schneefall, die „warme Stube“ frühzeitig zu verlassen, um den Schwächsten in unserer Verkehrsgesellschaft, den kleinen Kinder, auf deren Schulweg zu schützen. „Wir haben eine wichtige Aufgabe, denn die Autos kommen sehr schnell herangefahren, es gilt Tempo 50, und die Ampel für diesen Zebrastreifen blinkt nur orange“, ist sich die 13-jährige Schülerlotsin Sarah Leitinger aus Lofer ihrer Verantwortung durchaus bewusst. Als Belohnung und kleines Dankeschön werden alle Schülerlotsen zum jährlichen Schülerlotsentag eingeladen.

Schüler sichern Schüler

Schülerlotsen müssen das 10. Lebensjahr vollendet haben. Diese Schüler – meist sind sie in der siebenten oder achten Schulstufe – müssen für ihren verantwortungsvollen Dienst ausgebildet und über ihre Rechte und Pflichten informiert werden. Diese Ausbildung führen die Beamten des Polizei-Verkehrserziehungsteams durch. Die Schülerlotsen erhalten einen Ausweis und sind im Rahmen ihrer Tätigkeit bei der AUVA versichert. 

Mit Signalstab und Schutzausrüstung, die vom KfV zur Verfügung gestellt wird, sichern sie jeweils zu zweit einen Übergang auf dem Schulweg. Der Verkehr darf von den Schülerlotsen nicht angehalten werden. Die Fahrzeuglenker dürfen nur durch deutliche Zeichen darauf aufmerksam gemacht werden, dass Schülerlotsen mit Kindern die Fahrbahn überqueren wollen. Die Schülerlotsen sollten entsprechend große Zeitlücken im Verkehr abwarten und auch dafür sorgen, dass keine „Nachzügler“ den Schutzweg betreten, wenn dies die Verkehrssituation wegen herannahender Fahrzeuge nicht mehr zulässt.

Schulwegpolizisten

Neben Schülern können auch Erwachsene als Lotsen fungieren. Diese ausgebildeten Freiwilligen (Eltern, Großeltern, Pensionisten, …) dürfenden den Verkehr mittels Signalstab auch aktiv zum Anhalten auffordern. Die sogenannten Schulwegpolizisten werden von Polizisten in ihre Aufgaben eingewiesen (theoretisch und praktisch vor Ort) und erhalten einen Ausweis von der zuständigen Behörde (Bezirkshauptmannschaft, Magistrat). „In der Früh gibt es ein immenses Verkehrsaufkommen. Wir wissen, dass man gerade in der Früh vielleicht noch etwas unkonzentriert oder verschlafen ist. Ich erkenne an der Reaktion mancher Autofahrer, dass es notwendig ist, dass wir uns hier herstellen“, sagt Schulwegpolizistin Barbara Stifter.

Ersatzpersonen

Wird eine Schulwegsicherung eingerichtet, muss diese verlässlich ausgeführt werden. Bei plötzlichem Entfall wären die Kinder stark verunsichert und großen Gefahren ausgesetzt. Deshalb sollen Ersatzpersonen nominiert werden.


21. Oktober 2013