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Hohes Potenzial zur Unfallverhütung

Interview: Thomas Aistleitner

Schulwegpläne zeigen, auf welchem Weg die möglichen Gefahren für Kinder minimiert werden können. Judith Wölfl von der Schülerunfallverhütung der AUVA erzählt mehr darüber.

Mutter und Sohn mit dem Schulwegplan unterwegs

Zum Schulstart gibt es für die Erstklässlerinnen und Erstklässler auch dieses Jahr wieder Schulwegpläne als Unterstützung für den sicheren Weg zur Schule und zurück nach Hause. Bilder und einfache Beschreibungen zeigen Eltern und Kinder, welcher Weg für sie am besten geeignet ist und an welchen Stellen besondere Vorsicht geboten ist. 

Netzwerk-Verkehrserziehung: Seit wann macht die AUVA Schulwegpläne? Wie viele Schulwegpläne gibt es zurzeit?
Judith Wölfl: Die AUVA beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Schulwegplänen. So wurden in Kooperation mit der Stadt Wien (Verkehrssicherheitsorganisation MA 46) zwischen 2004 bis 2011 flächendeckend für die Volksschulen in Wien individuelle Schulwegpläne erstellt, die jährlich nachgedruckt bzw. aktualisiert werden. In Niederösterreich und im Burgenland konnten Schulwegpläne in Zusammenarbeit mit den Gemeinden für Neusiedl, Leobendorf und zuletzt Klosterneuburg den Schulkindern übergeben werden. Klosterneuburg ist die erste niederösterreichische Stadtgemeinde, die für alle sechs Volksschulen aktuelle Schulwegpläne hat, die letzten zwei Volksschulen erhielten die Pläne mit Schulstart im September 2013. Weitere flächendeckende Projekte in Niederösterreich aber auch für einzelne Schulen in anderen Bundesländern sind im Laufen.
 
Wie kann man die Wirkung von Schulwegplänen beurteilen oder messen?
Es gibt internationale Studien, die Schulwegplänen ein hohes Potenzial zur Unfallverhütung attestieren. Schulwegpläne wirken in verschiedene Richtungen: sie sind ein ideales Hilfsmittel zum Schulwegtraining für die Eltern, aber auch für die Verkehrserziehung durch Lehrkräfte und Exekutive sowie eine Orientierungshilfe für die Kinder. Sie bieten die Möglichkeit, sich erstmals systematisch mit dem Thema Verkehr an Hand der aufgezeigten speziellen Kreuzungen, Zebrastreifen, Überquerungsstellen, Sichthindernissen, Ein- und Ausfahrten des direkten Schulumfelds auseinanderzusetzen. Gefährdungen sind im Schulwegplan mit Foto festgehalten, spezielle Tipps geben Eltern dann Hilfestellung, wie und was sie dort am besten mit ihrem Kind üben können. Ob und wie Eltern den Schulwegplan nutzen oder überhaupt ein praktisches Schulwegtraining mit ihren Kindern machen, hängt immer von ihrem Engagement ab. 
 
Was muss ich tun, um einen Schulwegplan für meine Schule zu bekommen? Wie setze ich das Procedere in Gang?
Es gibt in Österreich zwei wesentliche Institutionen, die anerkannte Schulwegpläne erstellen. Ob Schule, Eltern, Gemeinde oder Schulerhalter, jeder kann sich an den Unfallverhütungsdienst der zuständigen Landesstelle der AUVA oder an das KFV – das auch von der AUVA finanziell unterstützt wird – wenden. Die Kosten für die Planerstellung können von der AUVA gestützt werden.
 
Bekommt jede Schule, die das will, einen Schulwegplan, oder gibt es Kriterien, nach denen ausgesucht wird? 
Es gibt kein Gießkannenprinzip, die Erstellung des Schulwegplans wäre hierfür auch zu aufwändig. Schulwegpläne werden von der AUVA in der Regel im Rahmen von Kooperationen mit der Gemeinde/Schulerhalter oder einem Partner erstellt. Dabei gibt es bestimmte Kriterien: der Prozentsatz der Kinder, die zu Fuß in die Schule kommen, das Interesse von Schule und Gemeinde sowie deren Mitarbeit. Volksschulen, in die ein Großteil der Kinder mit dem Auto oder mit Öffis kommen, haben geringere Priorität.
 
Ist ein Schulwegplan nur ein Leitfaden durch den Verkehr? Oder kann die Erstellung eines Schulwegplans auch der Anlass für Änderungen der Verkehrssituation sein (neue Schilder, Zebrastreifen ...)?
Der Schulwegplan ist mehr als ein Leitfaden. Das Herzstück ist die Zusammenarbeit aller Beteiligten: Gemeinde, Straßenerhalter, Schule, Polizei, Eltern und Schulwegexperten der AUVA oder des KFV. In gemeinsamen Schulumfeldbegehungen werden die sichersten Fußwege für den Schulwegplan festgelegt, sowie Gefahrenstellen identifiziert. Manche Verbesserungen können sofort initiiert werden wie die Entfernung von Sichthindernissen, z. B. Müllcontainer, Sträucher und Werbetafeln. Verkehrstechnische und bauliche Verbesserungen bedürfen natürlich bestimmter Voraussetzungen sowie Prüfungen seitens der Zuständigen. Aber auch hier waren unsere Begehungen in Niederösterreich schon Anlass für die Setzung von Halte- und Parkverboten, Bodenmarkierungen, Fußgängerübergängen, Initiierung von Tempokontrollen sowie die Einrichtung von Schulwegsicherungsdiensten.
 
Was passiert, wenn ein Schulwegplan erstellt wird? Wie lange dauert das, wie viele Termine gibt es?
Die Erstellung eines Schulwegplans dauert einige Monate, da umfangreiche Frequenzerhebungen und Begehungen durchgeführt werden. Die Schule selbst ist bei der Elternbefragung sowie bei der Begehung eingebunden. Die Schulwegpläne werden zu Schulbeginn an die Erstklassler und deren Eltern überreicht oder bei der Einschreibung ausgegeben. Das hängt von der jeweiligen Volksschule ab.
 
Gibt es Kosten für Schule und Eltern?
Nein. Schulwegpläne werden meist, wie schon erwähnt, im Rahmen von Kooperationen erstellt.


23. September 2013