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Ich rolle, fahre, gehe in die Schule

Wer in der Klasse kommt wie in die Schule? Missis Andrea will es heute wissen!

Von: Robert Dempfer, Thomas Aistleitner

Kind mit Scooter auf dem Weg zur Schule

Der Pausengong schlägt. Der Unterricht beginnt. Missis Andrea steht schon in der Klasse. „Darf ich raten, wer von euch heute zu Fuß in die Schule gekommen ist?“, fragt die Lehrerin.

Lena grinst. Wie soll Missis Andrea das können? Aber ihr Banknachbar Philipp meint sofort: „Ich kann das auch. Ich zähle einfach, wer nasse Haare hat von dem Regenguss. Der ist so plötzlich gekommen, dass bestimmt niemand einen Schirm dabeihatte. Eins ... zwei ... sieben ... acht!“ 

„Nicht schlecht, Philipp!“, lacht Missis Andrea. „Aber nur eine Schätzung“, meldet sich Lena: „Amar ist nämlich mit dem Rad gekommen. Und ich mit dem Scooter. Also bleiben nur sechs Fußgänger übrig.“ 

Scooter oder Roller – das ist die Frage

„Fünf!“, meldet sich Rosi. „Ich habe einen Roller bekommen!“ 

„Das heißt Scooter, Rosi!“, widerspricht Martina. „Irrtum“, gibt Rosi zurück. „Wenn Luft in den Reifen ist, heißt es Roller.“ – „Ist doch egal!“, meint Martina.

„Auf der Straße ist es nicht egal“, meint Missis Andrea. „Mit dem Roller darfst du auf die Fahrbahn wie mit einem Fahrrad. Mit einem Scooter musst du auf dem Gehsteig bleiben. Aber eins haben sie trotzdem gemeinsam ... Man braucht eine Prüfung, um sie zu fahren!“ 

„Echt jetzt ... Nie gehört ... Krass, eine Scooterprüfung ...“ Die Klasse murmelte durcheinander. Von einer Prüfung für Roller und Scooter hatte noch niemand gehört. „Ich kenne nur eine Radfahrprüfung“, überlegt Amar. 

„Richtig, Amar!“, lobt Missis Andrea den Buben. „Mit Scooter und Roller darf man nur allein fahren, wenn man 12 Jahre alt ist oder wenn man älter als zehn ist und die Radfahrprüfung bestanden hat. Das gilt sogar für den Scooter auf dem Gehsteig.“

Sicher, sicherer, …

Missis Andrea geht zur Tafel und zeichnet eine Tabelle. Sie zeichnet mehrere Spalten. Eine mit einem Bus, eine mit einem Zug, eine mit Beinen, eine mit einem Fahrrad und ein Auto. „Wer kommt wie in die Schule“ schreibt sie darüber. Jedes Kind kommt heraus und trägt ein, wie es in die Schule kommt. 

Bald gibt es ein Ergebnis: 6 Kinder kommen zu Fuß, 3 kommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, 5 mit dem Fahrrad und 2 mit dem Scooter. Aber die größte Gruppe, nämlich 9 Kinder, werden von den Eltern mit dem Auto gebracht. 

„Meine Mutter sagt, der Schulweg ist zu gefährlich für mich“, sagt Martina. „Ich würde nämlich gerne mit Rosi gehen. Sie sagt, es sind drei Kreuzungen auf meinem Schulweg.“ 

„Geregelt oder ungeregelt“, erkundigt sich Missis Andrea. „Was heißt das?“, fragt Rosi. „Geregelt heißt: mit Ampel“, erklärt die Lehrerin. „Ich habe keine Ampel am Schulweg“, erklärt Rosi. „Nur Zebrastreifen. Meine Mutter sagt, nicht jedes Auto bleibt vor einem Zebrastreifen stehen.“ 

„Da hat sie recht“, meint Missis Andrea. „Aber du hast ja auch Augen zum Schauen und einen Kopf zum Denken. Warum solltest du den Schulweg nicht schaffen?“ 

„Sagen Sie das meiner Mutter!“, meint Rosi. „Und meiner auch ...“, murmeln andere Stimmen aus der Klasse. 

… am sichersten …

Missis Andrea steht vor der Klasse und runzelt die Stirn. „Sie überlegt“, flüstert Philipp, und Lena wispert zurück: „Jetzt hat sie gleich wieder eine gute Idee!“ 

Doch die Lehrerin bittet sie um die Hausübungshefte und sagt gar nichts mehr zum Schulweg.

Am nächsten Morgen sitzen alle Kinder trocken in der Klasse. Martina zeigt auf: „Gestern waren meine Eltern und ich bei Rosi. Ich habe erzählt, was wir geredet haben. Daraufhin haben unsere Eltern fast zwei Stunden über Sicherheit geredet und was alles passieren kann.“ 

„Ich habe mich gestern schlau gemacht“, erzählt Missis Andrea. „Auf dieser Internetseite ...“ Sie schreibt auf die Tafel: www.netzwerk-verkehrserziehung.at. „Zeigt diesen Link euren Eltern! Aber ich habe noch eine Idee. Wir werden für jeden von euch einen passenden Schulweg finden. Wir lassen uns von einer Fachperson, die sich auskennt, unterstützen.“

„Klingt gut“, sagt Philipp. „Aber meine Mama ...“, meint Martina. 

„Die Eltern brauchen wir dafür natürlich auch“, sagt Missis Andrea. „Wir werden einen eigenen Elternabend zum Thema Schulweg machen. Und ihr könnt auch dabei sein.“


9. September 2013