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Nein zum Elterntaxi!

Jedes Jahr zu Schulbeginn werden Eltern hektisch: Wie kommt mein Kind in die Schule? Selbstständig, aber allein und auf sich gestellt? Mit dem Auto, an meiner Hand, aber ohne Eigenkompetenz? Ein Klärungsversuch.

Von Michael Achleitner und Thomas Aistleitner

Kind am Schulweg

Der Schulanfang ist eine enorme Umstellung. Von Sechsjährigen wird schon sehr viel erwartet. Der Schulweg ist da noch eine zusätzliche Herausforderung und Gefahrenquelle. Rund ein Drittel aller österreichischen SchülerInnen werden auch deshalb mit dem Auto zur Schule gebracht. Es ist aber ein Irrglaube, dass diese „Elterntaxis” den Kindern mehr Sicherheit bieten. 

Auto ist gefährlich

Gerade im hektischen Verkehrstumult kurz vor Schulbeginn durch die zu- und abfahrenden Autos sind Kinder extrem gefährdet. Außerdem ist der für Kinder gefährlichste Ort im Straßenverkehr das Auto der eigenen Eltern, wie Studien des Verkehrsministeriums zeigen. Durch das bequeme „Elterntaxi“ würden die Kinder auch das Verhalten im Straßenverkehr nicht richtig erlernen und sind, wenn sie alleine unterwegs sind, nicht versiert und würden sich falsch verhalten“, sagt der Leiter des Kuratoriums für Verkehrssicherheit, Norbert Blaha.

Besser zu Fuß

Also doch zu Fuß gehen. Ein Kind, das allein zur Schule geht, braucht allerdings Verantwortungsbewusstsein, Merkfähigkeit und Orientierung. Ob ein Kind verantwortungsbewusst genug ist, können nur die Eltern beurteilen. Orientierung kann man trainieren! Eltern sollten in Ruhe einen Spaziergang mit dem Kind machen – am besten noch bevor der Schulweg ein Thema wird – und schauen, wie es sich verhält. Man sieht ja, ob ein Kind auf die Verkehrssituation achtet oder nicht. 

Durch Nachahmung lernen 

Junge Kinder können zudem Gefahrensituationen im Verkehr noch nicht richtig einschätzen. So passiert es leider immer wieder, dass sie ohne zu schauen über die Straße laufen, auch wenn die Ampel auf Rot steht. Kinder lernen sehr viel durch Nachahmung. Eltern, die bei Rot über die Straße gehen, dürfen sich nicht wundern, wenn ihre Kinder auch nicht auf die Ampel schauen. Erwachsene sollten ihre Vorbildwirkung nicht unterschätzen!

Bei Gefahr eingreifen

Wichtig bei der Vorbereitung des Kindes auf den Schulweg ist es auch, dass das Kind den Weg eigenständig erkunden darf. Also nicht einfach an die Hand nehmen und losgehen. Kinder verlassen sich gerne auf die Begleitperson. Besser ist es, wenn das Kind vorzeigen kann, wann und wo es die Straße überqueren möchte. Greifen Sie nur bei Gefahr ein oder wenn das Kind eine Frage hat.

Fußweg hat viele Vorteile

Ist der zu Fuß zurückgelegte Schulweg erst einmal gut eingelernt, ist er am sichersten. Außerdem hat ein Schulweg zu Fuß weitere Vorteile: Soziale Kontakte mit anderen Kindern werden geknüpft und dem Bewegungsmangel wird entgegengewirkt. Wenn mehr Kinder zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule kommen, werden auch der Schulweg und das Schulumfeld sicherer. Diese Alltagsmobilität macht Kinder nicht nur körperlich fitter, sie werden auch früher zu kompetenten Verkehrsteilnehmern. Sie „lernen Verkehr“ – unbegleitet, unbeobachtet und selbstständig!


26. August 2013