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Neue Zeitrechung

Von Thomas Aistleitner

Wer zählt die Unfälle? Wo findet man die aktuellen Statistiken? Warum wird seit 2012 anders gezählt? Hinweise für neugierige Verkehrsinteressierte.

Verkehrsunfall mit graf. Statistiktabelle

Wie entwickelt sich der Verkehr? Was bringen Sicherheitsmaßnahmen? Sind Kinder, die gute Verkehrserzieher hatten, sicherer unterwegs?
Jede und jeder, der mit Verkehrserziehung zu tun hat, hat sich diese Fragen schon einmal gestellt. Die Antworten sind nicht einfach – zu viele Faktoren beeinflussen das Verkehrsverhalten. 

Auch Zeitungleser wissen nicht mehr: Da Medien naturgemäß die Nachrichten am liebsten publizieren, die die höchste Aufmerksamkeit versprechen, liest man täglich über Unfälle, Gewaltverbrechen, Tote – und das alles besonders, wenn Kinder die Opfer sind. Steigen die Gefahren wirklich? Wird nur mehr darüber berichtet? Oder lesen wir nur einfach mehr Medien als früher, gedruckt oder online?

Diese Fragen lassen sich beantworten, indem man einen Blick auf die Zahlen wirft. Um sich selbst ein Bild zu machen, sieht man am besten direkt in der offiziellen Unfallstatistik nach. Die Daten existieren von 1961 bis 2011 und sind gut miteinander vergleichbar, zu finden bei Statistik Austria.

Tiefstand 2011

Im Jahr 2011 ereigneten sich auf Österreichs Straßen 35.129 Unfälle, bei denen 45.025 Personen verletzt und 523 getötet wurden. Zum Vergleich: Damit wurden dreimal so viele Menschen Opfer von Verkehrsunfällen als von Gewaltverbrechen (2011: 174). Das bedeutet: Im Durchschnitt ereignen sich jeden Tag 96 Unfälle, bei denen 125 Personen verletzt oder getötet werden.

Der Anteil der an Unfällen mit Verletzungen oder Todesfolge beteiligten Verkehrsmittel ist im Schnitt der Jahre rückläufig. 2011 wurde mit 523 Toten ein historischer Tiefstand erreicht – vor vier Jahren waren es 150 mehr, vor zehn Jahren fast doppelt so viele. Das alles bei einem nach wie vor steigenden Bestand an Kraftfahrzeugen. Genauere Vergleiche, auch nach Verkehrsmitteln aufgeteilt, finden sich hier.

Unfallfaktor Alkohol

Nicht nur die Zahl der Unfälle, der Toten und Verletzen geht zurück, auch die Unfälle, bei denen Alkohol im Spiel ist – allerdings nur im Rahmen des allgemeinen Rückgangs. Bei 6,4% Prozent aller Unfälle wurde Alkoholeinfluss festgestellt, 2002 waren es 6,2%. Die zunehmende Verschärfung der Strafen scheint sich nicht auszuwirken, nicht einmal die Einführung der 0,5-Promille Grenze im Jahr 1998 hat die Zahl der Unfälle deutlich beeinflusst. Stattdessen erreichte die Zahl der bei Alkoholunfällen Getöteten mit 51 den höchsten Wert seit drei Jahren.
Wie sicher sind Kinder im Verkehr?

Wichtig für Verkehrserzieher: Wie sicher sind Kinder im Straßenverkehr? Die Zahl der Unfälle mit Kindern ist rückläufig. In den letzten 20 Jahren sank sie von 4682 auf 2713. Während während in den 1990er Jahren noch 50 und mehr Kinder jährlich im Straßenverkehr tödlich verunglückten, waren es in den letzten fünf Jahren zwischen 10 und 15 – eine erfreuliche Entwicklung. 
38% der verletzten und getöteten Kinder verunglückten in Pkw (1.105); weitere 27% verunglückten als Fußgänger (791), 21% mit dem Fahrrad (604), 193 (7%) mit dem Moped, vor allem als Mitfahrer. Gemessen an der Unfallwahrscheinlichkeit müssten Kinder daher nicht nur auf dem Fahrrad, sondern viel dringender im Auto einen Sturzhelm tragen.

„Sichere“ und „unsichere“ Bundesländer

Weniger Unfälle als im Jahr davor gab es in der Steiermark (-7,0%), in Oberösterreich (-6,4%) und in Salzburg (-0,2%), die höchsten prozentuellen Zunahmen wurden in Tirol (+7,9%), im Burgenland (+5,1%) und in Vorarlberg (+5,0%) registriert.

Zählweise ab 2012

Die Daten für 2012 werden im Juni 2013 verfügbar sein. Allerdings werden sie nicht mehr mit den bisherigen Ergebnissen vergleichbar sein, sondern deutlich darüber liegen. Denn bisher wurde von der Polizei nicht jeder Unfall, nicht einmal jeder Verletzte gemeldet. Seit 2012 werden die Unfalldaten elektronisch eingegeben und übermittelt, dabei wurde auch der „Merkmalskatalog“ angepasst. Deshalb wird die Zahl der Unfälle und der Verletzten „steigen“, besser gesagt, genauer erfasst werden. Wegen der fehlenden Vergleichbarkeit wird man bei Statistik Austria weiterhin nur die Jahre 1961 bis 2011 vergleichen können. Ab 2012 beginnt eine neue “Zeitrechnung“ für Verkehrsunfälle. 

Nur die Zahl der Verkehrstoten wird früher wie heute vollständig erfasst – und deshalb vergleichbar sein und – hoffentlich – nicht steigen.


19. März 2013