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Optimale Wirksamkeit 

schulischer Verkehrs- bzw. Mobilitätserziehung 


Was schulische Aktivitäten tatsächlich zur Vermeidung von Verkehrsunfällen beitragen können, hängt natürlich vom Engagement einzelner Lehrerinnen und Lehrer, von der aktiven Mitwirkung der Kinder und Jugendlichen, sowie von Eltern und Schulleitung ab. Zunehmend setzt sich allerdings die Erkenntnis durch, dass auch die Gestaltung des Schulumfelds, die Kooperation mit kommunaler Verkehrsplanung, mit Verkehrsbetrieben und der Polizei mitentscheiden, wie sicher der tägliche Schulweg wirklich ist.

Von: Lilo Schmidt

Verkehrs- bzw. Mobilitätserziehung ist angesichts knapper Personalressourcen  auf besonderes persönliches Engagement einzelner Personen angewiesen. Dennoch sind, sei es aus Sorge um die Verkehrssicherheit, sei es aufgrund wachsender Einsicht in die Bedeutung individueller Mobilität für eine nachhaltige Entwicklung, in den letzten Jahren viele innovative Aktivitäten für Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Altersgruppen zu beobachten.

Austausch fördern

Spezielle Elterninitiativen, Projekte auch für Schulstufen und Schultypen, für die es keine verbindlichen Übungen gibt, schulisches Mobilitätsmanagement, Peer-Group-Aktivitäten, Kooperation mit Fahrschulen und mit außerschulischen Expertinnen und Experten sowie mit Institutionen im Bereich Verkehr und Umwelt können durch ihre Verbreitung über Internetportale und Websites zur Nachahmung anregen und den Austausch unter Engagierten fördern. 

Die Aktivitäten orientieren sich zunehmend an der Sozial- und Umweltverträglichkeit der verschiedenen Fortbewegungsarten: 

Grafik: Sozial und Umweltverträglichkeit der Verkehrsteilnahme

Das bedeutet, neben dem persönlichem Unfallrisiko und dem Gefährdungspotential für andere Verkehrsteilnehmer/innen werden auch Lärmentwicklung, Energieverbrauch, Platzbedarf, schädliche Emissionen und gesundheitliche Folgen zur Beurteilung der Erwünschtheit verschiedener Fortbewegungsarten berücksichtigt. So mehren sich Projekte wie Pedibus und Luftibus, Radfahrschule und Bikeline, die das Gehen und Radfahren fördern. Ebenso kooperative Projekte zur Förderung der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, wie z. B. die Gestaltung von neuen witterungsgeschützten Haltestellen, bessere Abstimmung auf den Stundenplan oder Verlegen von Haltestellen und das Errichten von Haltestelleninseln.

Ohne Auto in die Schule

Der Verzicht auf die Nutzung des Autotransports für den täglichen Schulweg wird als Ansatzpunkt zur Hebung der Verkehrssicherheit gesehen. Auf Elternabenden oder bei Elternworkshops erfahren Eltern u. a. wie gefährdet Kinder als Beifahrer im Auto sind, wie wichtig die körperliche Aktivität für das kindliche Wohlbefinden ist und wie eine veränderte subjektive Sicherheit der Eltern objektiv die Sicherheit ihrer Kinder beeinflussen kann:

Grafik: Lebensqualität für Kinder

Die drei E`s

Eine „klassische“ Erkenntnis der Verkehrssicherheitsforschung besagt, dass für erfolgreiche Verkehrssicherheitsarbeit das Zusammenwirken der folgenden drei „E“ erforderlich ist:

  • Engineering (verkehrstechnische Maßnahmen)
  • Education (erzieherische und kommunikative Maßnahmen)
  • Enforcement (gesetzgeberische und polizeiliche Maßnahmen, wie verstärkte Überwachung).


So rückt nicht nur bei schulischen Mobilitätsmanagement-Projekten die Verkehrsinfrastruktur in Schulnähe mehr ins Blickfeld. Maßnahmen zur Geschwindigkeitsdämpfung, wie Tempo-30-Zonen, Bodenschwellen, verkehrsberuhigte oder verkehrsfreie Zonen sowie ihre Überwachung sollen dazu beitragen, dass die schulische Verkehrs- bzw. Mobilitätserziehung die Sicherheit auf dem täglichen Schulweg optimiert. Die Wirksamkeit solcher koordinierter Aktivitäten reicht aber weiter. Derartige Maßnahmen fördern die Mobilitätskompetenz der Schülerinnen und Schüler für alle übrigen Wege und wirken als Impuls für eine nachhaltige Mobilität im Erwachsenenalter.


18. Februar 2013