„Lesen macht dich sicher“

Interview: Thomas Aistleitner

Ein klassenübergreifendes Projekt ist fertig zum Start – auch in Ihrer Schule. Brigitte Schmölz hat das Projekt entwickelt und bereits ausprobiert.
 

Die Kinder arbeiten beim projekt zusammen und helfen einander
Die Kinder arbeiten zusammen und helfen einander

Lesen macht dich sicher ist ein klassenübergreifendes Projekt auf der Basis der Kompetenzbereiche der Bildungsstandards für „Lesen – Umgang mit Texten und Medien“, der didaktischen Grundsätze „Erfahrungs- und Lernbereich-Gemeinschaft“ und des Unterrichtsprinzips „Verkehrserziehung“.

netzwerk-verkehrserziehung: Frau Schmölz, wie ist es zu „Lesen macht dich sicher“ gekommen?
Brigitte Schmölz: Ich habe im Vorjahr an der VS Lavantgasse das Projekt „Auf die Plätze! Fertig! LIES!“ durchgeführt. Es hat allen Kindern so gut gefallen, dass die Idee entstand, ein Folgeprojekt zu starten und zwar in Verbindung mit „Verkehrserziehung“. Das bmukk und die AUVA haben mein Vorhaben tatkräftig unterstützt, und so konnte es im Herbst losgehen! In der Zwischenzeit bin ich nun Schulleiterin an der PVS Marianum in Wien 18 geworden und habe die Aktion an meiner Schule zusammen mit meinem Lehrerteam ausprobiert. So wie mein erstes Projekt wird auch dieses vor allem über www.netzwerk-verkehrserziehung.at promotet und auch auf www.literacy.at vorgestellt. Alle interessierten Schulen können über diese Plattform die nötigen Informationen erhalten.

Wie kam es zu dieser Verbindung zwischen Lese- und Sicherheitserziehung?
So wie die Leseförderung liegen mir die Verkehrs- und Mobilitätserziehung sehr am Herzen. Aus diesem Grund hat sich logischerweise eine Verbindung ergeben. Im Straßenverkehr heißt es schließlich auch tagtäglich Zeichen erkennen, richtig deuten und umsetzen. Im Prinzip ist das ein blitzschnelles Erlesen und Decodieren von Botschaften. 

Wie gestaltet sich das Projekt?
Der Ablauf ist so, dass jeweils zu Wochenbeginn im Eingangsbereich der Schule ein neues Plakat mit einer Rätselaufgabe ausgestellt ist. Eine Woche haben die Kinder dann Zeit, ihre Lösungsvorschläge mit den Mitschülern und Mitschülerinnen auszutauschen, zu recherchieren und schließlich das Endergebnis in ihren „Lese-Sicherheits-PASS“ einzutragen. Am jeweils letzten Schultag erfahren die Kinder dann die richtige Lösung über das Flip-Chart. Sie sollen die Ergebnisse selbst kontrollieren bzw. dürfen selbstverständlich fehlerhafte Angaben ausbessern. 

Die Plakate werden jede Woche sehnsüchtig erwartet
Die Plakate werden jede Woche sehnsüchtig erwartet

Was gefällt Kindern so daran?
Ich denke, dass den Kindern die vielfältige Aufgabenstellung bzw. das eigenständige Recherchieren gefällt. Aber auch, dass sie miteinander arbeiten und sich untereinander helfen dürfen, kommt gut an. Groß und Klein stehen vor dem Plakat und diskutieren gemeinsam über die Lösung. Dadurch erweitern sich sukzessive ihre Kompetenzen, und es fesselt sie zwölf Wochen hindurch jede Woche von neuem.

Für welches Alter ist „Lesen macht dich sicher gedacht“?
Für die zweite bis vierte Klasse, aber es machen auch engagierte jüngere Kinder mit.

Was passiert nach den zwölf Wochen?
Die Kinder kontrollieren nochmals eigenständig die Lösungen und lassen sie danach von einem Freund oder einer Freundin abzeichnen. Dann kommt die Preisverleihung, bei der es Klaxbänder (Reflexmaterialien fürs Gewand) und Pendelblitze (Kunststoffbärchen für Schultasche oder Fahrrad) für alle gibt. Die Preise werden von der AUVA zur Verfügung gestellt. Wer dann noch ein Schlussrätsel löst und es beim bmukk einreicht, kann sogar noch ein Buchpaket für die Schule gewinnen und erhält ein Anerkennungsdekret.

Was ist Ihnen persönlich an diesem Projekt am wichtigsten?
Es freut mich aus tiefsten Herzen, wenn ich Kinder mit Begeisterung lesen sehe und wie sie miteinander fachsimpeln. Dieser soziale Aspekt ist mir wichtig, das stärkt die Schulgemeinschaft! Aus einem Nebeneinander wird über zwölf Wochen durch das gemeinsame Rätseln schließlich ein Miteinander. Eine ganz besondere Freude ist es außerdem für mich, dass unsere dritten Klassen durch das Leseprojekt angeregt wurden und nun selbständig Plakate für die anderen gestalten werden. Für weiteren Lesestoff ist dadurch also gesorgt!


4. Februar 2013