• Hauptartikel

Gefahr Tunnelblick

Von Michael Achleitner

Hohe Geschwindigkeiten, aber auch Ermüdung, Ablenkung und Überforderung führen zu einer Sichteinschränkung, zu einem eingeschränkten peripheren Sehen. Computer-Simulation zeigte die unterschätzte Gefahr im Straßenverkehr auf.

Verschwommener Blick auf ein vorherfahrendes Auto in einem Tunnel

Ein gutes Sehvermögen ist für alle VerkehrsteilnehmerInnen Voraussetzung. Allerdings kann die optische Wahrnehmung auch bei Menschen, die sehr gut sehen, beeinträchtigt sein. Wenn man beispielsweise konzentriert nach vorne schaut, können Dinge, die sich am Straßenrand befinden, nicht mehr als einzelne Bilder wahrgenommen werden. Was sich am Rand unseres Gesichtsfeldes befindet, das, was wir umgangssprachlich „mit dem Augenwinkel“ wahrnehmen, kann leicht übersehen werden. Verstärkt wird das, wenn wir abgelenkt sind, also mehrere Dinge gleichzeitig machen. Es entsteht ein so genanntes Röhrengesichtsfeld. Dabei ist das periphere Sehen eingeschränkt, das Gesichtsfeld wird kleiner.

Im Straßenverkehr kann der Tunnelblick lebensgefährliche Auswirkungen haben: Was sich außerhalb des fokussierten Bereichs tut, sehen wir nicht bewusst: das Kind, das am Straßenrand steht, das Auto, das uns überholt, Einbiegevorgänge bei Kreuzungen, wo wir gleichzeitig auch auf Radfahrer und Fußgänger achten müssen. 

Was ist der Tunnelblick?

Der Tunnelblick entsteht automatisch bei sehr hoher Geschwindigkeit. Auch Alkohol und Drogen führen zu einer Sichteinschränkung. Weitere mögliche Auslöser sind Ermüdung, Ablenkung und Überforderung sowie krankheitsbedingte Ursachen. Wenn wir mehrere Tätigkeiten auf einmal durchführen, reduziert das Gehirn Informationen automatisch auf eine vom Menschen wahrnehmbare Menge, auf Dinge, die jetzt Priorität haben sollen. Ablenkende Zusatztätigkeiten wie ein Telefonat können dazu führen, dass der Sehsinn auf den Tunnelblick reduziert wird. Diese Einschränkung kann sogar nach dem Telefonieren noch für einige Minuten bestehen bleiben. Aber auch Stress durch Überforderung führt dazu, dass man Dinge im äußeren Gesichtsfeld nicht sieht. Überforderung betrifft häufig Fahranfänger, in Extremsituationen aber auch geübte Lenker. Veränderungen im periphären Sehen sind übrigens nicht altersabhängig.

Laut Statistik werden etwa sieben Prozent aller Unfälle durch Sichteinschränkungen verursacht; das sind etwa genauso viele Unfälle wie durch Alkoholeinfluss!

Peripheres Sehen aktiviert Notreaktion

Manchmal sind es auch einfach störende Dinge im Gesichtsfeldbereich, die das periphere Sehen einschränken: die Frisur, Modeaccessoires wie Sonnenbrillen mit extrabreiten Bügeln, Spangen oder Kopfbedeckungen. Aber auch eine verstärkte A- und B-Säule im Auto kann sich aufs periphere Sehen negativ auswirken. Dabei ist gerade im Straßenverkehr das periphere Sehen sehr wichtig. Bewegungen und Farben werden „im Augenwinkel“ als Signal wahrgenommen. Bei Gefahr schaut man hin und kann gegebenenfalls reagieren.

Um den Tunnelblick zu vermeiden, gilt es folgende Dinge zu beachten: Zunächst einmal sollte der Sichtbereich aus dem Auto frei sein. Darüber hinaus sollte man sich bewusst sein, dass man in Stress-Situationen vieles leichter übersieht bzw. anders wahrnimmt. Hier hilft es, vorsorglich in fordernden Verkehrsbereichen die Geschwindigkeit zu reduzieren, den Abstand zu vergrößern und alle ablenkenden Dinge zu unterlassen. (Quelle: ÖAMTC)


6. August 2012