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Gefahrenquelle Straßenverkehr

Es häufen sich wieder Unfälle mit Kindern auf Österreichs Straßen, bestätigt die neue Verkehrsstatistik 2011. Eltern stehen in der Pflicht. Denn viel zu oft werden Kinder unbeaufsichtigt gelassen.

Von Michael Achleitner

Bub und Mädchen schauen zwischen zwei parkenden Autos hervor

Laut Statistik Austria verunglückten letztes Jahr 450 Kinder im Alter bis zu vier Jahren bzw. 2.449 Kinder zwischen fünf und vierzehn Jahren auf Österreichs Straßen. Dreizehn Kinder kamen im Vorjahr ums Leben, fünf davon als Fußgänger. Denn Kinder unterschätzen die Gefahren des Straßenverkehrs. „Meine Tochter ist jetzt 27 Monate und hat seit neuestem Null Respekt vor Gehsteigkanten. Sie läuft neben mir her und biegt ansatzlos ab, um zwischen den parkenden Autos auf die Strasse zu laufen”, beschreibt eine Mutter ihr Problem im Straßenalltag.

Kinder reagieren spontan

Kein Einzelfall. Kleinkinder wissen noch nicht, dass ein Fahrzeug nicht sofort anhalten kann, wenn sie plötzlich über die Straße laufen. Ihr Sinn für Geschwindigkeiten und Gefahren muss sich erst entwickeln. Bis zum Alter von etwa vier Jahren richten Kinder ihre Aufmerksamkeit vor allem auf Dinge, die ihre Neugierde wecken. Sie sind sehr leicht ablenkbar und reagieren oft spontan.

Dazu kommt, dass Kinder aufgrund ihrer Körpergröße im Straßenverkehr sehr leicht zu übersehen sind. „Eltern sollten darauf achten, die Sichtbarkeit ihrer Kinder zu erhöhen”, empfiehlt die Verkehrspsychologin. „Reflektoren bei Dämmerung oder Dunkelheit – an Kleidung oder Schultaschen angebracht – können maßgeblich zur Sicherheit der Kleinen beitragen.” Außerdem soll man Kinder unbedingt dazu anhalten, Straßen nur an Zebrastreifen oder ampelgeregelten Kreuzungen zu überqueren.

Erwachsene Begleitperson

„Vor allem Kleinkinder sollten als Fußgänger, Roller- oder Radfahrer nie ohne eine verantwortungsbewusste erwachsene Begleitperson unterwegs sein”, erklärt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. Der Sprecher des Dachverbands der österreichischen Pflichtschulen, Andreas Ehlers, geht davon aus, „dass pro Schultag alleine in Wien an die 10.000 Volksschüler alleine zur und von der Schule unterwegs sind”. Und selbst wenn Erwachsene den Nachwuchs zur Schule bringen, oder abholen stehen sie oft unter Stress. Es ist eine Mischung aus schlechtem Zeitmanagement und Hektik, die ihre Konzentration schwinden lässt. Wird Stress erzeugt, kann das zur Folge haben, dass das Gehirn ein Areal quasi stilllegt, um sich auf die anderen Geschehnisse konzentrieren zu können. Man bekommt den so genannten Tunnelblick. Man sollte daher immer daran denken, dass man in Stresssituationen vieles leichter übersieht bzw. anders wahrnimmt. Hier hilft es, vorsorglich in fordernden Verkehrsbereichen die Geschwindigkeit zu reduzieren, den Abstand zu vergrößern und alle ablenkenden Dinge zu unterlassen.

Tipps für mehr Sicherheit

Laut Seidenberger helfen schon wenige Maßnahmen, um Kinderunfälle zu vermeiden:

  • Geben Sie ihrem Kind immer ein gutes Vorbild ab. Gehen Sie nicht selbst bei rot über die Kreuzung. Kinder kopieren das sofort.
  • Nehmen Sie den Nachwuchs auch in vermeintlich sicheren Situationen fest an die Hand.
  • Leiten Sie Ihr Kind stets mit klaren Anweisungen. Vergessen Sie nicht zu loben! Häufige Kritik löst Desinteresse aus.
  • Nehmen Sie sich Zeit für den Verkehrsunterricht. Fragen Sie das Erlernte auch zu Hause mehrfach ab.
  • Zeigen Sie keine Hektik auf den Straßen. Schimpfen bringt nichts.


11. Juni 2012