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„Bewusst mit Lautstärke umgehen“

 

Der Hörsinn wird oft unterschätzt. Dabei spielt er nicht nur im Straßenverkehr eine wichtige Rolle. geOHRg Berger bietet seinen Workshop „Hören erleben“ für Schulklassen, LehrerInnen und Eltern an.

Interview: Thomas Aistleitner

Georg „GeOHRg“ Berger

Worum geht es in „Hören erleben“?
Ich möchte in meinen Angeboten die Wertigkeit des Hörens bewusstmachen. Als hochgradig Schwerhöriger bin ich ja selbst betroffen und kann deshalb authentisch Auskunft geben.

Sie bieten Ihre Workshops in Schulen an. Inwieweit sind Schulkinder betroffen?
Sie sind vom Freizeitlärm betroffen, und sie haben mit den heute sehr weit verbreiteten Kopfhörern eine Schallquelle direkt am oder sogar im Ohr, gegen die sich das Ohr nicht wehren kann. Wenn auf Dauer zu laut gehört wird, schädigt das die Sinneshärchen im Innenohr irreparabel.

Was wollen Sie mit Ihren Workshops erreichen?
Ich möchte Kindern, LehrerInnen und Eltern für das Thema sensibilisieren. Lärm wird unterschätzt. Wenn man in den Beruf einsteigt, gilt es oft als uncool, einen Gehörschutz zu tragen. Dabei ist Schwerhörigkeit die häufigste Berufskrankheit. Rund eine halbe Million Österreicher arbeitet an einem Lärmarbeitsplatz. Jährlich werden etwa 900 Berufskrankheiten wegen einer durch Lärm verursachten Schwerhörigkeit anerkannt. Ich will dafür sensibilisieren, wie wertvoll das Hören ist.

Gibt es schwerhörige Kinder?
Mehr als man denken würde. Es ist wichtig, dass eine Diagnose gestellt wird und das Kind frühzeitig Hörgeräte bekommt, sonst schreitet die Schädigung fort. Ich habe selbst zehn Jahre zugewartet mit der Hörgeräteversorgung. Außerdem muss man mit einem Hörgerät sozusagen neu hören lernen. Das muss man trainieren, und da tun sich junge Menschen leichter. Auch die normalhörenden Kinder sollten das wissen.

Sie sehen den Workshop auch als Prävention?
Ich arbeite viel mit hörbeeinträchtigten Schülerinnen und Schülern und mache in den Klassen auch die Normalhörenden auf die Gefahren aufmerksam. Wenn sie bewusst mit Lautstärke umgehen, erhalten sie das aktive Hören noch lange. 

Wie kann man Kindern das vermitteln?
Ich kann als Betroffener erzählen, und ich habe auf meiner Website Hörbeispiele, auf denen Schritt für Schritt Frequenzen weggeschnitten werden. So erlebt auch ein Normalhörender, was diese Beeinträchtigung bedeutet. Auf meiner Website gibt es auch drei Kurzfilme. Ich arbeite von der 1. Volksschule bis zur Maturaklasse.

Was erfahren LehrerInnen bei Ihnen?
Ich trete in Konferenzen auf und informiere, wie man mit Hörbehinderten umgeht. Da geht es um Hörpausen, um die Nähe zum Schüler, die Möglichkeit des Ablesens und um die Raumakustik. Am Elternabend versuche ich Eltern für die frühzeitige Erkennung zu sensibilisieren. 

Das Hörvermögen ist ja auch im Straßenverkehr sehr wichtig.
Ja, einerseits haben Kinder ihre iPods auch auf der Straße auf, was sehr gefährlich ist, weil sie den Verkehr nicht hören. Einen weiteren Unfallschub befürchte ich durch die Elektoautos. Sie sind so leise, dass man sie nicht als Gefahr wahrnimmt.

Wie kommen solche Infos bei Schulkindern an?
Neulich ist nach einem Workshop in der 4. Klasse HS ein Bub nach Hause gegangen und hat dort alle Geräte leiser gestellt. Die Mutter hat mich angerufen und mich gebeten, auch in die 2. Klasse zu gehen, die der Bruder des Buben besucht.


30. April 2012